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21.10.2009 Thomas Mach

Differenzierte Betrachtung statt Bauchentscheidung

ERP-Projekte scheitern oft aus banalen Gründen. Werden hingegen grundlegende Punkte beachtet, steht dem Projekt-Erfolg nichts mehr im Weg.

»Eingeführt ohne Richtigen Plan« – oftmals steht das Akronym ERP genau dafür. Vor allem, wenn solche Projekte zum bereits wiederholten Male scheitern. Dabei sollte eine derartige Geschäftslösung eigentlich zum wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens beitragen, anstatt weitere Kosten zu verursachen, betonen Experten. »Die Erwartungen an ein ERP-System sind hoch. Die Software sollte idealerweise alle IT-Herausforderungen des Unternehmens lösen. Gleichzeitig sollte sie simpel zu installieren und einfach zu handhaben und nebenbei auch noch mit allen existierenden Systemen im Unternehmen kompatibel sein«, erläutert Dieter Große-Kreul, seines Zeichens Geschäftsführer des ERP-Spezialisten Agresso. »Die Entscheider erhoffen sich zudem, dass mit der Einführung einer neuen Software alle bisherigen Probleme auf einen Streich gelöst sind.«

Die Realität sei dann allerdings vielfach ernüchternd, denn »zwischen Anspruch und Wirklichkeit klafft oftmals eine Lücke«. Im Wesentlichen gebe es vier Gründe für diese Fehleinschätzungen, betont der Geschäftsführer. Beispielsweise die unscharfe Verwendung des Begriffs ERP. »Die unscharfe Bedeutung und breit angelegte Verwendung der Abkürzung ERP führt schon zu Beginn zu einem falschen Auswahlprozess.« Egal, ob Dienstleistungssoftware oder Systeme für die industrielle Produktion – »unterschiedlichste Lösungsanbieter werden in der gleichen Herstellerübersicht aufgeführt.« Im Auswahlprozess könnten Unternehmen so nicht direkt zwischen den für sie relevanten Anforderungen wählen. »Und fallen durch fehlendes Wissen oftmals den monolithischen Generalisten, dem Ein-System-für-alle-Ansatz, zum Opfer.« Stattdessen hätten diese Kunden spezialisierte und für sie geeignete Anbieter in Betracht ziehen sollen. Auch die Ausweitung des Ursprungssystems auf andere Branchen führe oft zu Problemen. »Der Begriff ERP ist eng verbunden mit industriellen Fertigungs- und Produktionsprozessen. In der Industrie gibt es meist eine hohe Abhängigkeit zwischen Kunden und Lieferanten.«

SYSTEMMODIFIKATION Dieser Umstand erfordere Große-Kreul zufolge eine kontinuierliche Systemanpassung, damit »bestehende Prozesse optimal ineinander« greifen könnten. Ein aufwendiger und komplexer Vorgang bei starren Systemen, wie sie in der Fertigungs- und Produktionsindustrie vornehmlich eingesetzt würden. »Zumeist ist die Veränderung ausschließlich auf der Programmierungsebene vorzunehmen.« Vor dem Hintergrund des Wandels von einer Industrie- zur Dienstleistungsgesellschaft habe sich die Lage zusätzlich noch einmal verschärft. »Die Herausforderungen bei der Erbringung von Dienstleistungen sind von ständigen internen und externen Einflüssen geprägt. Dies setzt eine stetige Modifikation der Systemlandschaft voraus – die Lösung ist der Einsatz von flexiblen ERP-Systemen.« Das Problem dabei sei, dass die Unterschiede zwischen starren und flexiblen Lösungen nicht hinreichend bekannt und die vorherrschenden IT-Systeme derzeit oft nur bedingt anpassungsfähig seien.

Die Vorherrschaft einer Marke sollte zudem nicht die differenzierte Betrachtung bei der Suche nach individuellen Lösungen ersetzen. »Für den Faktor Sicherheit der Entscheidung spielt sie allerdings eine große Rolle.« Oftmals würden sich Unternehmen für einen großen bekannten Anbieter entscheiden, um nichts falsch zu machen.

»Ob das System die benötigten Funktionen abdeckt, ist zweitrangig. Neue, intelligente und anwenderorientierte Lösungen gewinnen einen Entscheidungsmarathon selten für sich.« Vor allem bei einer Gruppenentscheidung wie beim Kauf eines ERP-Systems spiele der anscheinende Sicherheitsfaktor Größe eine entscheidende Rolle.

Wo die Wertschöpfung überwiegend von Mitarbeitern erbracht wird, sollte die Maxime »Flexibilität statt Standardisierung« gelten, betont der Fachmann. »Denn Unternehmen sehen sich fast täglich mit Prozessanpassungen, Reorganisationen, neuen gesetzlichen Vorgaben oder dem hohen Investitionsdruck konfrontiert.« Diese Veränderungen würden jedoch häufig sehr lange dauern und »teils horrende IT-Kosten« auslösen.

»Doch anstatt Kosten zu verursachen, sollte die IT eigentlich zum wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens beitragen. Allerdings findet das Zusammenspiel zwischen wirtschaftlichem Geschäftserfolg und IT zumeist gar nicht oder nur unzureichend statt«, erläutert Große-Kreul. Wandlungsfähige ERP-Systeme hingegen könnten effizient, schnell und eigenständig an notwendige Veränderungen angepasst werden.

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