Keine teuren Bauchentscheidungen mehr Keine teuren Bauchentscheidungen mehr - Computerwelt

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21.03.2013 :: Printausgabe 06/2013 :: Oliver Weiss

Keine teuren Bauchentscheidungen mehr

Dank der Einführung des MES Cronetwork vom Linzer Anbieter Industrie Informatik und der Verknüpfung mit dem ERP-System kann der Einzelfertiger Daedler seine Aufträge nun bis ins letzte Detail planen, was sich nicht nur positiv auf die Kosten auswirkt.

Keine teuren Bauchentscheidungen mehr bei Daedler.

Keine teuren Bauchentscheidungen mehr bei Daedler.

© Daedler

"Ich vergleiche das immer mit einem Kartenspiel. Wenn ich fünf Karten auf der Hand habe, dann habe ich den Überblick. Wenn ich zehn Karten auf der Hand habe, auch noch. Spannend wird es bei 20 und mehr Karten. Spätestens bei der 30. Karte bricht das System zusammen und man verliert den Überblick. Und das ist mit unserem Werkstattleiter und den Fertigungsaufträgen fast passiert", erzählt Karsten Daedler, Inhaber und Geschäftsführer von Daedler, einem 30 Mitarbeiter starken Familienbetrieb in Trittau bei Hamburg, der sich auf die Fertigung und Konfektionierung von Teichfolien, Sonnensegeln, Schutzhüllen, textiler Architektur und von widerstandsfähigen Systemen für den Hochwasserschutz spezialisiert hat. Um das oben geschilderte Szenario zu vermeiden, machte sich Daedler für die Einführung eines Manufacturing Execution Systems (MES) stark. Damit auch weiterhin auf die Fertigstellungstermine Verlass ist, hat sich das Unternehmen mit dem MES Cronetwork des Linzer Anbieters Industrie Informatik entsprechende Hilfe ins Haus geholt.

Die Wahl fiel auf Cronetwork, weil alle an das Tool gestellten Anforderungen hinsichtlich Funktionalität, Release- und Webfähigkeit erfüllt wurden und auch die Anbindung an das ERP-System gegeben war. "Diese MES-Lösung liefert uns in einem System alle Daten zu Aufträgen und Personal, die wir brauchen. Dazu fühle ich mich als Kunde bei Industrie Informatik sehr gut aufgehoben, weil keine Frage und kein Wunsch offen bleiben", erklärt Daedler. So bestimmen heute neben der Finanzbuchhaltung, der Materialwirtschaft und der Warenwirtschaft des ERP-Systems die Module "Feinplanung", "Betriebsdatenerfassung" (BDE) und "Personalzeiterfassung" (PZE) die IT-Umgebung bei Daedler. "Dennoch", so Daedler, "war die Anschaffung des MES für uns als kleines Unternehmen eine sehr große Investition, die aber unsere Zukunft sichert und sich zudem in kurzer Zeit rentiert hat."

QUALITÄTSKONTROLLE
Herzstück der Produktion bei Daedler sind drei Hochfrequenz-Schweißmaschinen mit einer Anlagenlänge von 66 Metern. Mit ihrer Hilfe können auch sehr lange Nahtverbindungen präzise, schnell und effizient gearbeitet werden. Zusätzlich zeichnen diese Maschinen jeden einzelnen Takt während des Schweißens auf und belegen ihre saubere Arbeit durch Prüfprotokolle. Komplettiert wird der Maschinenpark durch weitere Schweißgeräte, Cutter, eine Zugprüfmaschine und zahlreiche Nähmaschinen. Eine engmaschige Qualitätskontrolle – bei der jede einzelne Naht und alle vernähten Stoffe beispielsweise einer Abdeckplane oder eines ganzen Zirkuszeltes auf Reißfestigkeit überprüft werden – sorgt für hohe Produktqualität.

In dieser besonderen Fertigungsumgebung stehen für BDE und PZE die vier Cronetwork-Terminals an zwei Standorten für die Mitarbeiter-Identifikation sowie für die Auftragsanmeldung über Barcode bereit. Über den Aufruf einer Zusatzfunktion an diesen Terminals können sich die Mitarbeiter auch wichtige materialspezifische Dokumente anzeigen lassen. Der Cronetwork-Produktionsinfo-Viewer liefert alle Informationen über zu fertigende Aufträge in der Produktion. Aus sogenannten Discoverer-Berichten können dann weitere Auswertungen vorgenommen werden, die entsprechend grafisch aufbereitet allen berechtigten Mitarbeitern bereitgestellt werden. Einzelne Auswertungen werden automatisch täglich am Server generiert. Diesen Analysen können beispielsweise alle fertig gewordenen Aufträge des Vor­tages mit entsprechenden Soll-Ist-Vergleichszahlen entnommen werden.

MES ALS NAVIGATIONSGERÄT FÜR DIE PRODUKTION
"Mit unserer Betriebsdatenerfassung haben wir eine werkseitige Qualitätskontrolle geschaffen, die auch unseren Kunden zugutekommt", erklärt Daedler. Denn einerseits berechnet das System permanent wie ein Navigationsgerät selbsttätig Produktions-, Personal- und Maschinendaten wie Bearbeitungszeiten, Stückzahlen, Auftragsstatus und Laufzeiten – andererseits dokumentiert die BDE-Lösung bis zur kleinsten Öse jeden Arbeitsschritt und gibt automatisch Zwischenmeldungen aus. Dadurch sei man in der Lage, Kunden auf Anfrage jederzeit den aktuellen Status ihres Auftrages zu nennen.

Cronetwork virtualisiert heute alle Aufgaben und unterteilt jeden Auftrag in einzelne Arbeitsgänge. Ein neuer Auftrag wird sofort automatisch in die Abläufe integriert – vom Start- bis zum Fertigstellungstermin und von der Formfindung bis zum Versand. "Auch die Wahl des qualifiziertesten Mitarbeiters für einen bestimmten Auftrag sowie die bestmögliche Auslastung unserer Maschinen und Kollegen werden berücksichtigt", erläutert Daedler. Die Integration der Aufträge in die Abläufe betrifft sowohl die Vorwärtsplanung – ausgehend vom Start des Auftrags, als auch die Rückwärtsplanung – ausgehend vom Fertigstellungstermin.

SCHNITTSTELLE ZUM ERP-SYSTEM
Die Situation davor war dadurch gekennzeichnet, dass das ERP-System die Aufträge in einer Art lieferte, welche es der Plantafel schwer ermöglichte, den Arbeitsfortschritt zu visualisieren. Mitte des Jahres 2011 wurde die Auftragsstruktur im ERP-System geändert und die Schnittstelle zum MES entsprechend angepasst: "Das ERP-System liefert seitdem auch die Arbeitsgangbeziehungen zwischen den Aufträgen mit, sodass in der Plantafel Abhängigkeiten zwischen den Aufträgen dargestellt und berücksichtigt werden können. Der Fortschritt eines Kundenauftrags ist für uns dadurch in der Plantafel wesentlich besser erkennbar", sagt Daedler. So wie zum Beispiel der Auftrag von Blowup Media Project.

Bei diesem Job stellte Daedler als Partner des Druck- und Mediendienstleisters Kleinhempel einen Fertigungsrekord auf: Aufgabe war es, in nur 14 Tagen – statt der von Daedler in einer ersten Kalkulation hochgerechneten zehn Wochen – ein 17.300 Quadratmeter großes Riesenplakat, ein so genanntes Blow Up, für das World Trade Center in Dubai zu konfektionieren. Daedler übertraf dieses enge Timing sogar noch und fertigte mit seinem Team das riesige textile Werbemittel in nur zehn Tagen aus insgesamt 164 Bahnen mit 130 Metern Länge und acht Metern Breite. Das gigantische Plakat wurde eigens für den sich erstmalig jährenden Amtsantritt von Scheich Mohammed Bin Ras-hid Al Maktoum produziert und stellt eine riesige Sonderbriefmarke mit dem Konterfei des arabischen Staatsmannes dar. "Das ganze Projekt war eine menschliche Riesenleistung einschließlich der Just-In-Time-Lieferung", bilanziert Daedler. "Aber ohne das MES mit seiner Planungsstärke wäre es nicht zu schaffen gewesen."

ZEIT- UND KOSTENERSPARNIS
Denn Planung ist bei Daedler (fast) alles. Oder wie es Daedler formuliert: "Die elektronische Plantafel und PZE sind für uns eine Lebensader." Die Entscheidungen wann wird Schicht gearbeitet, welches Schichtmodell kommt in Frage oder wie viele Schichten werden gefahren, sind für den Einzelfertiger Daedler elementar. Und exakt diese extrem wichtigen Informationen kommen aus dem MES, sodass auch die stark risikobehafteten und personenabhängigen Bauchentscheidungen der Vergangenheit angehören. Die positive Folge für Daedler: "Dank der genauen Daten aus Cronetwork haben wir neben einer deutlichen Zeitersparnis auch eine immense Reduzierung der Kosten, denn es kam immer mal wieder auch zu krassen Fehlentscheidungen, die dann richtig Geld gekostet haben. Das haben wir mit dem MES jetzt im Griff."

Im Bereich PZE werden also an den Online-Terminals die Zeiten erfasst, die auch für die BDE verwendet werden. Das aktuelle Planungsbild – wer arbeitet in welchem Schichtmodell, wer hat Urlaub und wer ist krank – ist an zentraler Stelle auf einem TFT-Monitor für alle Mitarbeiter sichtbar. "Wir haben heute eine optimale Planungssicherheit aufgrund einer wesentlich besseren Fein- und Schichtplanung – und keine Leerschichten mehr", erklärt Daedler. Überhaupt konnte Daedler mit der MES-Lösung das ganze Thema Arbeitszeit auf ein neues, sehr hohes Qualitätsniveau heben. Neben den einzelnen Zeitkonten und der Urlaubsplanung sind im System auch die komplexe Überstundenregelung mit den einzelnen Überstundenzuschlägen sowie acht Arbeitszeitmodelle abgebildet, so dass jeder Mitarbeiter heute ohne großen Aufwand "pünktlich und fehlerfrei den korrekten Lohn für das bekommt, was er gearbeitet hat".

PLANUNGSSICHERHEIT
"Als wesentliche Nutzenaspekte von Cronetwork, das wir nahezu im Standard nutzen, sind die komfortable Unterstützung der Arbeitsvorbereitung bei der Planung, eine optimale Planungssicherheit, eine markante Reduktion der Durchlaufzeiten, eine hohe Transparenz in der Fertigung sowie eine für uns lebenswichtige Optimierung der Liefertreue hervorzuheben", fasst Karsten Daedler die fünf großen Pluspunkte der MES-Lösung zusammen. 2011 zum Beispiel hat Daedler 1,5 Millionen Quadratmeter Material verarbeitet, davon einen sehr großen Anteil an textilen Dächern für Biogasanlagen. "Alleine das Auftragsvolumen im Bereich der Biogasanlagen wäre ohne die MES-Lösung nicht zu stemmen gewesen." (oli)

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