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24.07.2015 :: Printausgabe 12/2015 :: Wolfgang Franz

"Innovation kann man nicht einfach kaufen"

Um gestärkt aus der digitalen Transformation zu kommen, braucht es mehr als die Stelle eines Chief Innovation Officers oder ein Projekt, das die notwendigen internen Änderungen vorantreibt. Joe Baguley, EMEA-CTO bei VMware, im Interview.

© Wolfgnag Franz

Als Joe Baguley im Jahr 2011 zu VMware gestoßen ist, hatte der US-Virtualisierungsspezialist rund 7.000 Mitarbeiter. Heute, nur vier Jahre später, sind es 18.000. Da liegt es auf der Hand, dass das 1998 gegründete Unternehmen noch viel von seinem Startup-Spirit zur Verfügung hat, gleichzeitig muss man sich kaum mit Altlasten herumschlagen – die idealen Voraussetzungen für eine innovationsgetriebene Unternehmenskultur.

Die COMPUTERWELT sprach mit dem EMEA-CTO Baguley am Rande einer Kundenveranstaltung in Wien. Thema war unter anderem das interessante PST-Modell, das für "Pioneers, Settlers, Town Planners" steht. PST ist quasi eine konzeptionelle Weiterentwicklung des "Bimodal IT"-Ansatzes, wo zwei Entwicklungsgeschwindigkeiten der Schlüssel zu einer erfolgreichen Transformation sein sollen: traditionelle IT auf der einen Seite, agile IT auf der anderen, um auf die raschen ändernden Rahmenbedingungen entsprechend reagieren zu können. PST adressiert den Schwachpunkt der Bimodal IT: die große Diskrepanz zwischen den beiden Geschwindigkeiten. Mit den Siedlern führt PST gleichsam eine Vermittlerrolle zwischen den beiden Extremen ein.       

Was sind die derzeit wichtigsten Themen bei Ihren Kunden?
Joe Baguley:
Wir haben in der Vergangenheit viel über Technik gesprochen, wie Cloud und Mobility. Ich glaube, dass wir nun an einem Punkt angelangt sind, wo es richtig interessant wird. Es gibt Unternehmen, die beginnen, die Vorteile der Technologien zu sehen und zu nutzen. Hier scheiden sich die Geister: Die einen versuchen, Technologien in das Unternehmen zu integrieren, die anderen trachten danach, das Unternehmen so zu verändern, dass sie das Optimum aus den neuen Technologien herausholen können. Meine persönliche Erfahrung ist die, dass die Unternehmen, die einen intensiven Kontakt mit Endkunden haben, die fortschrittlichsten Unternehmen sind. Das sind jene Organisationen, die den größten Mut an den Tag legen und das Gesamtunternehmen einem Wandel unterziehen.

Welche Auswirkungen hat das auf die IT-Abteilungen?
Die IT-Abteilungen fortschrittlicher Unternehmen sehen Mitarbeiter als Kunden. Eine Diskussion, die ich oft höre: Wann hat jemand einen Kurs für die Verwendung von Amazon oder andere Web Applikationen gebraucht? Warum ist das aber bei Enterprise-Systemen notwendig? Immer mehr Unternehmen erkennen zudem, wofür die IT gut sein kann: Applikationen zu liefern, nicht Infrastruktur. IT-Abteilungen, die das tun, gehören zu jenen Unternehmen, die sich tatsächlich weiterentwickeln.

Anbetracht der schnell wachsenden Bedeutung des CIO in Sachen digitaler Transformation: Wird dieser nicht vom Business überfordert?
Ja, es bedeutet einen großen Job für den CIO. Der Job des CIO ist per definitionem ein großer. Das Berichtwesen in einem Unternehmen sagt oft sehr viel über die Stellung des CIO aus. Berichtet er an das Top-Management, wird die IT als Teil des Business gesehen. Reportet er allerdings an den CFO, ist er in derselben Position wie der Facility Manager, der sich um Tische und Stühle kümmert. Es ist natürlich nicht immer so, es sagt aber einiges über die Unternehmenskultur aus.
Die eigentlichen Herausforderungen bestehen auf Prozess- und Mitarbeiter-ebene, denn technisch ist heute vieles möglich. Es geht darum, wie man am besten die Vorteile aus den technischen Möglichkeiten holt. Innovation kann man nicht einfach kaufen. Man kann nicht einfach einen Innovation Officer einstellen und glauben, nun innovativ zu sein. So läuft das nicht. Innovation betrifft das gesamte Unternehmen.

Was ist der richtige Weg?
Ich brauche ein solides Fundament, auf dem man aufbauen kann. Mit der Einführung der Elektrizität als solider Basis sind viele neue Dinge erfunden worden, bis hin zum Computer. Analog dazu brauchen Unternehmen eine solide Infrastruktur, auf die sie hochkomplexe Systeme aufbauen können.   Das alles ist eine Evolution, genau so wie die industrielle Revolution, die in Wirklichkeit eine Evolution war. Innovation ist kein Prozess, sondern eine Sache der Kultur.  

Wie lebt VMware Innovation?
Wir haben bei VMware eine Vielzahl an Aktivitäten, die alle Innovation fördern. Dazu gehört etwa RADIO, das für R&D Innovation Offsite steht, wo sich 1.500 Top-R&D-Mitarbeiter um die Teilnahme streiten und ihre Ideen präsentieren. Und wir setzen stark auf Diversity.

Was hemmt Innovationen?
Das sogenannte PST-Modell spricht von drei Typen: den Pionieren, den Siedlern und den Stadtplanern. Unternehmen haben in der Regel viele Stadtplaner, vielleicht einige Pioniere. Was ihnen fehlt, sind die Siedler, die gleichsam als Brückenfunktion Pioniere und Stadtplaner zusammenbringen.
Das ist genau der Punkt, wo wir unseren Kunden helfen. Wir helfen ihnen bei den spannenden neuen Dingen der Pioniere. Wir vergessen auch nicht, die Stadtplaner zu unterstützen. Fokus sind die Siedler. Um ein Unternehmen zu ändern, braucht es einen ständigen Flow von Innovationen von den Pionieren ausgehend, über die Siedler zu den Stadtplanern. Das ist der Prozess, der heute notwendig ist.

Das Gespräch führte Wolfgang Franz.

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