Gastkommentar: Disaster Recovery und Data Protection – Eine Frage der Perspektive Detail - Computerwelt

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28.06.2011 Sandra Adelberger*

Gastkommentar: Disaster Recovery und Data Protection – Eine Frage der Perspektive

Disaster-Recovery ist auf das Gesamtsystem ausgerichtet, Data Protection adressiert die einzelnen Daten. Ein effektives Sicherungskonzept berücksichtigt beide Perspektiven gleichermaßen.

Bei den Konzepten für die Sicherung und Wiederherstellung ihrer Daten verfolgen Unternehmen in der Regel zwei Wege: während einerseits Disaster-Recovery-Strategien auf das Gesamtsystem ausgerichtet sind, adressiert andererseits der Bereich Data Protection die einzelnen Daten. Ein effektives Sicherungskonzept berücksichtigt beide Perspektiven gleichermaßen. Vor allem kleine und mittlere Unternehmen erhalten durch integrierte Gesamtlösungen, die Disaster Recovery und Data Protection vereinen, mehr Flexibilität. Die Datenlage hat sich für die Unternehmen in den letzten Jahren quantitativ und qualitativ deutlich verändert: Zum einen wachsen aufgrund neuer Technologien und Verfahren in der IT die Datenmengen weiterhin exponentiell. Zum anderen werden die gespeicherten Daten für die Unternehmen immer wichtiger und mehr Informationen müssen als "geschäftskritisch" eingestuft werden. Denn heute sind nicht mehr nur etwa Daten aus CAD- oder ERP-Systemen für ein Unternehmen existentiell, sondern auch E-Mails, die wichtige Auftragsdaten enthalten, oder auch einfache Datenblätter und Produktbeschreibungen, die über eine Produkthaftung entscheiden können.

Die Sicherung solcher Daten ist für die Unternehmens-IT daher mehr denn je eine zentrale Aufgabe; von deren Erfüllung kann unter Umständen der wirtschaftliche Erfolg, möglicherweise sogar die Existenz eines Unternehmens abhängen. Gleichzeitig findet in immer mehr Betrieben ein 24x7-Zugriff auf die Systeme statt. Es wird rund um die Uhr gearbeitet, so dass Systemausfälle einen erheblichen Produktivitätsverlust nach sich ziehen können. Die IT muss sicherstellen, dass die Daten und Systeme nach versehentlichem Löschen, internen Störfällen wie Hardware-Ausfällen oder auch extern induzierten Ereignissen – beispielsweise Brand, unbefugte Eingriffe Dritter oder auch Naturkatastrophen – weiter zur Verfügung stehen. Aus diesen Aufgabenstellungen leiten sich zwei unterschiedliche Sichtweisen auf die Sicherungskonzepte in einem Un-ternehmen ab:

  • Disaster Recovery betrachtet die Daten aus der Perspektive des Gesamtsystems – nach einem Schadensereignis muss der Datenbestand, inklusive Betriebssystem, Applikationen und Anwenderdaten, in möglichst kurzer Zeit wieder komplett wiederherstellbar sein, um ein Weiterarbeiten zu ermöglichen.
  • Data Protection stellt die jeweiligen Daten in den Mittelpunkt. Es werden verschiedene Arten von Daten unterschieden, die nach einem Störfall entsprechend ihrer unterschiedlichen Wertigkeit und ihrer Funktion in den jeweiligen Anwendungen in bestimmter Reihenfolge wiederhergestellt werden.

Disaster Recovery sorgt für eine lückenlose Wiederherstellung eines ausgefallenen Komplettsystems und stellt damit eine unerlässliche Grundlage eines jeden Sicherungskonzepts dar. Eine Gesamtsicherung von Betriebssystemen, Anwendungen, Einstellungen und Daten nimmt bei den heutigen Datenmengen aber auch mehr Zeit in Anspruch, so dass sie schon aus technischen Gründen meist in größeren Zeitabständen durchgeführt wird – selbst wenn mit moderner Imaging-Technologie eine Sicherung im laufenden Betrieb erfolgt und diese nicht auf betriebsschwache Zeiten verschoben werden muss. Entsprechendes gilt für die Wiederherstellung. Mit Disaster Recovery kann ein Unternehmen somit innerhalb eines definierten Zeitraums seine Betriebsbereitschaft wieder erlangen. Für zahlreiche Störfälle aber, insbesondere wenn sie unterhalb der "Disaster-Schwelle" liegen, weisen Disaster-Recovery-Strategien oft keine hinreichende Granularität auf. Hier setzt das Konzept von Data Protection an. Es ermöglicht eine selektive Sicherung und Wiederherstellung auf Datei- oder sogar Objektebene. Die Sicherung kann in kürzeren Zeitabständen erfolgen und dementsprechend lässt sich ein gezieltes Recovery für ganz bestimmte Daten schnell durchführen. Einen zusätzlichen Mehrwert bieten Lösungen, die mit Katalog- und Suchfunktionen eine logische und komfortable Sicht auf die gesicherten Daten gewähren. Ein mühsames Durchforsten von Backup-Archiven wird dadurch vermieden und technisch Verantwortliche können schnell und souverän reagieren, falls einzelne Dateien zügig aus dem Backup geholt werden müssen. Funktionieren jedoch durch einen Hardwareschaden ganze Systeme nicht mehr, kann die Wiederanlaufzeit nur durch ein stimmiges Disaster-Recovery-Konzept gering gehalten werden. Unternehmen stellt sich also nicht die Frage, sich für das eine oder andere zu entscheiden. Vielmehr benötigen sie die Flexibilität, in jeder Situation – ob nun ein Gesamtsystem oder einzelne Dateien betroffen sind – angemessen reagieren zu können.

INTEGRIERTE GESAMTLÖSUNGEN Disaster Recovery und Data Protection sollten sich ergänzen. Tatsächlich sind auf dem Markt zwar Lösungen für beides vorhanden, allerdings meist nicht als integrierte Gesamtlösung. Etliche Hersteller haben lediglich eine vorhandene Anwendung durch Zukäufe ergänzt, so dass ein solches Konglomerat vielleicht hinsichtlich der Produktbezeichnung, nicht aber in der Technologie einheitlich ist.

Abgesehen von der Frage, inwieweit die Systeme überhaupt zusammenpassen, bedeutet das gerade für kleine und mittlere Unternehmen auf jeden Fall einen erheblichen administrativen Aufwand. In Großunternehmen, in denen ohnehin mehrere Administratoren arbeiten, wird es kaum ein Problem darstellen, zwei Systeme nebeneinander zu implementieren und zu betreiben, sowie das dafür nötige Know-how vorzuhalten. Kleinere Betriebe mit knappen IT-Ressourcen können mit dem parallelen Betrieb ganz unterschiedlicher Sicherungskonzepte jedoch durchaus überfordert sein – was in Anbetracht der Bedeutung der Aufgabe fatale Folgen haben kann.

Integrierte Lösungen vereinen Disaster Recovery und Data Protection in einer Anwendung. Unternehmen haben mit einer Gesamtlösung den Vorteil, eine granulare oder eine umfassende Sicherung und Wiederherstellung durchführen zu können, sowohl in physischen und virtuellen Umgebungen, als auch unter Verwendung von Cloud Storage. Eine einheitliche, beide Ansätze übergreifende Bedienoberfläche, erleichtert die Arbeit für Administratoren, Daten wie Gesamtsysteme sicher im Griff zu behalten. Auf dieser Basis können auch kleinere und mittlere Unternehmen Sicherheitskonzepte entwickeln, die alle Aspekte der Sicherung ihrer lebenswichtigen Daten abdecken.

* Sandra Adelberger ist Director Product Management EMEA bei Acronis in München.

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