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05.05.2010 Edmund E. Lindau

Wirtschaftskriminalität durch Mitarbeiter

Wirtschaftskriminelle Handlungen wie Zweckentfremdung von Firmeneigentum oder Veruntreuungen kommen in Unternehmen häufiger vor als gemeinhin angenommen.

Fast 90 Prozent der Diebstähle, Veruntreuungen, Geldwäsche und Bilanzfälschungen gehen auf das Konto eines Mitarbeiters aus dem eigenen Unternehmen. Zu dieser Feststellung gelangten am vergangene Woche die KPMG-Forensik-Experten bei der Veranstaltung »Chef, mir ist da etwas aufgefallen« des Young Leaders Forum (YLF) in Wien.

»Ich traue mich zu behaupten, dass es in jedem Unternehmen in irgendeiner Form kriminelle Aktivitäten gibt. Der Unterschied ist lediglich das Ausmaß und die Dimension«, machte Peter Ertl, Geschäftsführer der KPMG und Leiter des Bereiches Risk Advisory Services, den jungen Führungskräften klar.

Aufgrund der Erfahrungen der KPMG bei wirtschaftskriminellen Untersuchungen weltweit lässt sich folgendes Täterprofil aufzeigen: »Der typische Wirtschaftskriminelle ist 35 bis 45 Jahre alt. Die Täter sind zu 85 Prozent Männer, die meistens Einzeltäter sind. Nur 20 Prozent kooperieren mit externen Komplizen«, so Ertl.

Forensische Technologien zum Aufspüren der Täter spielen bei internen Untersuchungen eine wichtige Rolle. Diese kommen als Software für die Visualisierung geschäftlicher Zusammenhänge oder bei der Beweissicherung zum Einsatz, erläuterte Dieter Stangl-Krieger von der Forensik-Services Abteilung der KPMG in seinem Vortrag. Zur Überprüfung der gesamten Unternehmenssoftware eines durchschnittlichen Unternehmens, etwa zehn Terabyte, ist aufgrund modernster Technologien maximal eine Woche nötig. Um die Aufenthalte von Personen zu eruieren, greifen die Forensiker aber auch manchmal auf einfachere Mittel wie etwa Xing oder Facebook zurück.

Diskutiert wurden bei der Veranstaltung neben der Etablierung ausreichender interner Kontroll-Systeme zur Prävention auch das aktive Anbieten von Hinweisgebersystemen im Unternehmen wie etwa »Whistleblowing«. Darunter versteht man die Möglichkeit zur anonymen Meldung eines auffälligen Vorgangs im Unternehmen an eine unabhängige Stelle in- oder außerhalb des Unternehmens. Die Bedeutung des Whistleblowings als Element des internen Kontrollsystems liegt laut einer KPMG-Studie auf der Hand: 25 Prozent der 360 untersuchten wirtschaftskriminellen Fälle wurden aufgrund der Informationen von Hinweisgebern erkannt.

Der Beratungsbedarf im Bereich Forensik ist in den letzten Jahren enorm gestiegen – nicht zuletzt aufgrund der allgemeinen wirtschaftlichen Situation. Ein Umdenken ist vor allem bei der Aufklärungswilligkeit der Unternehmen zu sehen, so die KPMG-Experten. In sehr vielen Fällen erfolgt die Beauftragung durch Aufsichtsräte. Die Ergebnisse der Untersuchungen externer Experten bleiben nicht ohne Konsequenzen: »In 50 Prozent der Fälle führt unsere Tätigkeit sogar zu einem Wechsel in der Geschäftsführung oder im Vorstand«, erklärte Peter Ertl.

Das Forensik Services Team der KPMG besteht österreichweit aus 25 Experten.

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