First Look: Das bringt Windows Server 8 Detail - Computerwelt

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15.09.2011 Eric Tierling*

First Look: Das bringt Windows Server 8

Auf der Microsoft-Entwicklerkonferenz BUILD im kalifornischen Anaheim lüftete Microsoft nicht nur den Schleier vom Windows 8-Client, sondern gab auch Informationen über das Server-Pendant preis.

Computerwoche-Autor Eric Tierling hatte Gelegenheit, umfangreiche Details über die Neuerungen des Windows Server 2008 R2-Nachfolgers zu erfahren.

"Windows Server 8", so der bisherige Codename, soll laut Microsoft über 300 neue und erweiterte Features für Unternehmen jeder Größe im Gepäck haben. Die Schwerpunkte der Cloud-optimierten Plattform erstrecken sich vor allem auf die Bereiche Virtualisierung, Networking, Storage und Verwaltung.

HYPER-V, DIE DRITTE Zugelegt hat beispielsweise die Virtualisierungskomponente Hyper-V, deren Limits Microsoft kräftig nach oben schraubt. Pro physischem Host lassen sich nun 160 logische CPUs sowie bis zu 2 TB RAM nutzen, wobei eine einzelne virtuelle Maschine bis zu 512 GB Arbeitsspeicher verwenden kann. Virtuelles NUMA (Non-Uniform Memory Architecture) innerhalb von Gästen ermöglicht es den dort laufenden Betriebssysteminstanzen und Anwendungen, intelligente Entscheidungen beispielsweise für Arbeitsspeicherzugriffe vorzunehmen, was Performancesteigerungen bewirken soll.

Die Paketierung plant Microsoft beizubehalten. Hyper-V ist als Feature von Windows Server 8 sowie in Form des minimalistischen Microsoft Hyper-V Server erhältlich. Praktischerweise beherrscht ein Hyper-V-Host nun auch den Standby-Modus. Dadurch lässt sich der Virtualisierungsserver mitsamt aller laufenden VMs schlafen schicken und die Arbeit mit diesen zu einem späteren Zeitpunkt auf Knopfdruck hin fortsetzen, was unter anderem für Schulungszwecke vorteilhaft ist.

Überarbeitet wurde die Speicherunterstützung von Hyper-V-Gästen. Virtuelle Fiber-Channel-Hostadapter stellen eine zusätzliche Hardwarekomponente dar, die VMs einen direkten Zugriff auf Fiber-Channel-basierte Storage Area Networks (SANs) gestatten. Für virtuelle Festplatten führt Windows Server 8 das Format VHDX ein, das die Limitationen des heutigen VHD-Formats beseitigt. VHDX-Dateien dürften bis zu 16 TB groß sein und können zusätzlich zu den eigentlichen Nutzdaten erläuternde Informationen als Metadaten beherbergen. Außerdem stellt es kein Problem mehr dar, die Konfigurationsdateien einer virtuellen Maschine (wie zum Beispiel eine als VHDX-Datei abgebildete virtuelle Festplatte) auf einer Freigabe im lokalen Netzwerk zu platzieren.

ERWEITERTE LIVE-MIGRATIONEN Auch der Transfer der kompletten Konfigurationsdateien einer VM an einen anderen Speicherort - etwa nach der Inbetriebnahme einer größeren Festplatte oder dem Umzug eines Servers - ist mit Windows Server 8 einfach zu bewerkstelligen. Ein Assistent nimmt alle erforderlichen Einstellungen vor. Das Besondere dabei: Der Umzug kann im laufenden Betrieb des jeweiligen Gastes stattfinden. Voraussetzung für die "Live Storage Migration" ist lediglich, dass es sich beim Speicherziel um eine Freigabe handelt. Somit bedarf es keiner aufwendigen Failover-Cluster-Infrastruktur mit Shared-Storage mittels iSCSI.

Zur Hochverfügbarkeit virtueller Maschinen erlaubt Windows Server 8 den Aufbau von Failover-Clustern mit 63 Knoten, auf denen insgesamt bis zu 4000 Hyper-V-VMs gleichzeitig laufen können (bislang ist bei maximal 16 Knoten und höchstens 1000 virtuellen Maschinen Schluss). Microsoft betont jedoch, dass es sich hierbei erst um vorläufige Angaben handelt. Beim Release der finalen Version von Windows Server 8 könnten die tatsächlichen Maximalwerte möglicherweise noch darüber liegen.

Als nützlich erweist sich die Priorisierung von virtuellen Maschinen, die in einem Failover-Cluster laufen. Anhand der Stufen hoch, mittel und niedrig ist festlegbar, welche VMs nach der Übertragung auf einen anderen Knoten vorrangig wieder zu starten ist.

Grundsätzlich können mehrere Live-Migrationen parallel erfolgen. Limitiert wird Windows Server 8 dabei lediglich von der Netzwerkbandbreite: Microsoft zufolge seien bei einer Gigabit-Ethernet-Verbindung zwei bis drei Live-Migrationen parallel möglich.

REMOTEFX FÜR LANS UND WANS Die verbesserte Unterstützung für VDI (Virtual Desktop Infrastructure) zeigt sich unter anderem bei der optimierten Nutzung von Netzwerk- und Storage-Ressourcen beim gleichzeitigen Betrieb vieler virtueller Desktops. Einen wichtigen Fortschritt markiert die WAN-Fähigkeit der - bislang rein auf LANs zugeschnittenen - Technik RemoteFX. Spezielle Erweiterungen von Drittanbietern wie Quest EOP oder Riverbed Steelhead können dadurch obsolet werden.

Treibende Kraft hinter dem schnelleren RemoteFX sind H.264 sowie die Verwendung unterschiedlicher Codecs für Text- und Bildinformationen. Durch die Unterstützung für Touch-Eingaben können zudem auch virtuelle Desktops in den Genuss einer Bildschirm-Berührungssteuerung gelangen.

Für VDI-Szenarien auf Basis der RemoteFX-Variante von Windows Server 8 sind noch nicht einmal mehr physische Workstation-Grafikkarten im Server erforderlich. Ersatzweise reichen die von Microsoft implementierten Software-Grafikkarten, für die schon herkömmliche Onboard-Grafikkarten auf Server-Mainboards genügend Leistung liefern, um Office-Benutzer und Knowledge-Worker mit RemoteFX zu beglücken.

BESSER IM NETZ Einen weiteren Schwerpunkt von Windows Server 8 bilden diverse Verbesserungen der Netzwerkfunktionen. Zur Serienausstattung des Serverbetriebssystems zählt zum Beispiel das "NIC-Teaming" zur Verknüpfung mehrerer Netzwerkadapter, die noch nicht einmal vom selben Hersteller stammen müssen. Zeiten, in denen Unternehmen ausschließlich zu proprietären Teaming-Lösungen von Broadcom und Intel greifen und dafür nur Netzwerkadapter desselben Anbieters verwenden konnten, gehören damit der Vergangenheit an.

Gemeinsam mit Hardwareherstellern arbeitet Microsoft am "Consistent Device Naming" (CDN). Diese BIOS-Funktion erlaubt es, die im Server verbauten Netzwerkadapter mit aussagekräftigen Bezeichnungen zu versehen. Auf diese Weise sollen Verkabelungsfehler künftig vermieden werden.

Mit Windows Server 8 lassen sich DHCP-Server-Paare bilden, die das Failover dank konstanter Replikation auch ohne Einrichtung eines Failover-Clusters beherrschen. Lastspitzen wie beim morgendlichen Einschalten der PCs fangen in den DHCP-Serverdienst integrierte Load-Balancing-Mechanismen ab.

Über das herkömmliche Quality-of-Service (QoS) hinausgehend, versieht Windows Server 8 den Netzwerkverkehr mit Tags, um unterschiedliche Arten von Übertragungen zu unterscheiden. Zusammen mit dem Host-internen Routing des Netzwerkverkehrs schafft dies die Möglichkeit, mehrere physische Netzwerkadapter im Server zu konsolidieren. Konsequent umgesetzt, kommt der Server dann mit einem einzigen Netzwerkadapter aus. Angesichts immer schnellerer Übertragungsraten in lokalen Netzwerken (10 Gigabit-Ethernet etc.) ist dies ein zeitgerechter Schritt.

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