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14.08.2011 Thomas Pelkmann*

Android wird Apple überholen: Warum es noch keine iPad-Rivalen gibt

Richtige Konkurrenz für das iPad ist immer noch nicht in Sicht. Woran das liegt, haben wir mit dem IDC-Analysten Rüdiger Spies zu ergründen versucht.

Wie viele Tablet-PCs können Sie aus dem Stand aufzählen? Das iPad, na klar. Und? Playbook von RIM. Wie heißt das von HP noch mal, das mit dem WebOS? Das Playbook ist übrigens erst seit kurzer Zeit erhältlich, das TouchPad frühestens Ende Juni. Und dann gab es da noch irgendwas von Toshiba, und dieses WeTab war doch auch mal groß angekündigt, wurde aber kurz vor oder nach dem Marktstart wieder eingestampft.

Es ist erstaunlich: Die meisten Tablet-PCs, die dem iPad von Apple gleich mal so richtig Konkurrenz machen sollten, schafften es als Ankündigung in die Listen vieler Publikationen, auch bei CIO.de. Kaum ein Gerät hat es dagegen so richtig auf den Markt geschafft.

Der österreichische Journalist Georg Holzer hat sich Anfang des Jahres viel Arbeit gemacht, die angekündigten Tablet-Neuerscheinungen aufzulisten. Er kam auf 54 Geräte, von denen bei Abzug der baugleichen Modelle immerhin 36 übrig blieben. Schon damals sprach der österreichische Standard von einer Fata Morgana und urteilte: "So gut wie alle auf der CES vorgestellten Tablets fallen bis auf weiteres in die Kategorie ‚Vaporware’" - eine höfliche Umschreibung für "heiße Luft".

An diesem Zustand hat sich seitdem wenig geändert, und so stellt sich die Frage, ob das mit dem Hype von Tablet-PCs und Smartphone tatsächlich so weit her ist, wie die Analysten in den vergangenen Monaten nicht müde wurden zu prognostizieren. Oder ob es sich schlicht um singuläre Phänomene handelt - eins mit dem Namen "iPhone" und eins mit dem Namen "iPad"?

IPAD UND IPHONE SIND KEINE SINGULÄREN PHÄNOMENE Rüdiger Spies, Analyst bei den Marktforschern von IDC, widerspricht: "Nein, für ein singuläres Phänomen halte ich die Geräte nicht. Ich denke, dass es einen tatsächlichen Bedarf am Markt für neue Endgeräte gibt." Schon vor Jahren habe IDC vorhergesagt, dass es Geräte geben werde, die die Lücke zwischen Feature Phones und Notebooks füllen würden. Smartphones und Tablet-PCs seien solche Geräte, zu denen auch Spielekonsolen zählen, die mit ihren technischen und kommunikativen Fähigkeiten durchaus mithalten können. Kameras mit GSM und GPS-Fähigkeiten und Car-Electronic sind für den Analysten weitere Zeugen dieses Umschwungs.

Immer seltener handelt es sich bei diesen Geräten übrigens um reine PCs, immer häufiger um spezialisierte Hardware mit klar umrissenen Aufgaben. "Es wird schon bald eine sehr große Anzahl unterschiedlicher Geräte geben", ist sich Spies sicher.

Dennoch: Im Moment herrscht noch Langeweile im Markt der iPad-Rivalen. Das liegt zum einen an Apples Stärke. Der Eindruck, dass dieser einstmals als Underdog angesehene Konzern im Moment alles richtig macht, scheint tatsächlich zu stimmen. Dazu kommt noch das Glück eines tüchtigen Unternehmens. Unterm Strich reicht das im Moment noch, um unangefochten den neuen Markt der Tablet-PCs anzuführen.

Apple hat mit dem iPod im Oktober 2001 die Grundlage für einen beispiellosen Erfolg gelegt, der seitdem anhält: Der iPod war das erste Produkt, das alle haben wollten, so dass es zum Synonym für eine ganze Gerätegattung wurde und die Marke Apple im Consumer-Markt populär machte.

Die Fortsetzung kam 2007 mit der Einführung des iPhones: Es begründete damals nicht nur die neue Gerätegattung der "Smartphones", sondern ist für nicht weniger als einen Paradigmenwechsel in der IT verantwortlich. Nun waren es erstmals die Konsumenten, die ihre eigenen Geräte mit in die Firma brachten, um damit zu arbeiten. Nicht mehr die IT-Abteilung befindet seitdem über die Anschaffung von Endgeräten, sondern die Mitarbeiter und Chefs. Und nur deshalb ist das iPhone längst ein Business-Gerät, obwohl Apple und alle Analysten in trauter Einigkeit genau das lange bestritten haben.

Mit der Einführung des Tablet-PCs ist Apple vor Jahresfrist erneut ein Coup gelungen: Auch hier waren sich alle einig, dass das Gerät nicht Business-tauglich ist. Das hat aber wie damals keinen Mitarbeiter abgehalten, es dennoch zum Arbeiten mit in den Betrieb zu bringen. Und mittlerweile überbieten sich Anbieter, Analysten und CIOs darin, Einsatzszenarien für das iPad zu erfinden, um dem Hype um den Tablet-PC produktiv zu nutzen.

IPAD-VORTEIL DURCH NIEDRIGEN VERKAUFSPREIS Apple hat - ein bisschen Glück gehört dazu - bis hierhin alles richtig gemacht. Trotz aller Kritik am geschlossenen Ökosystem mit nicht erweiterbarer Hardware und der schwierig zu ertragenden, weil schwer zu administrierbaren Kombination von iTunes und App-Store dominiert Apple den Tablet-Markt unangefochten. Das liegt zum einen am Preis der Geräte: "Anders als gewöhnlich ist Apple als Alleinanbieter nicht mit einem Premiumpreis gestartet, um maximalen Profit zu generieren, sondern mit einem vergleichweise niedrigen Verkaufspreis", meint Spies. Damit habe der Konzern aus Kalifornien verhindert, dass sich unter seinem Preisschirm andere Anbieter mit günstigen Offerten breitmachen konnten. Wer nun mit kleineren Verkaufsvolumina in den Markt dränge, könne diese Preise nicht mithalten, so Spies.

Zum anderen liegt es an dem Hype um die Geräte, an dem Apple in den vergangenen Jahren tatkräftig mitgearbeitet hat. Schon das iPhone war zunächst weniger Telefon als Lifestyle-Element, dass vor allem als chic und sexy gilt. Für einkommensstarke und in einer Unternehmenshierarchie weit oben angesiedelte Käufergruppen sind iPhone und nun auch iPad ein "Must-have". "Genau dieses Flair fehlt den anderen", meint Spies. "Die anderen" - das sind dann doch einfach nur technische Geräte, wie ein PC, also ohne jeglichen Glamourfaktor.

VERSIONSVIELFALT SCHADET ANDROID NOCH Dennoch hält der IDC-Analyst an seinen und den Vorhersagen seiner Kollegen fest: Der Tablet-Markt wird sich tendenziell von Apple weg und zu anderen Plattformen hin bewegen, wenn auch nicht so schnell, wie oft prognostiziert. Dabei wird auf lange Sicht nicht die Hardware ausschlaggebend sein. Je mehr Hardware zur Commodity wird, desto mehr hängt es vom Betriebssystem und von der Software ab, welche Geräte sich am Markt behaupten können.

Da gibt es bereits eine Alternative zu Apples iOS: Googles Android. Aber was irgendwann für den Durchbruch von Geräten anderer Hersteller sorgen könnte, ist momentan auch für die Schwäche der Alternativanbieter verantwortlich. Zwar gebe es mittlerweile durchaus einen Aufschwung für die quelloffene Entwicklungsplattform von Android, meint Spies. Die iOS-Plattform sei dennoch favorisiert, weil sie konsistenter ist. Es gibt nur eine aktuelle Version des Apple-Betriebssystems, nicht drei oder vier verschiedene wie bei Android. Diese Versionsvielfalt erschwere das Programmieren von Apps für Android-Geräte, so Spies, der das für eins der größten Hemmnisse für die Verbreitung von Android hält.

Das könnte sich aber bald ändern: Für den Spätsommer 2011 ist die 4.0-Version von Android angekündigt - passend zur Jahreszeit unter dem Codenamen "Ice Cream Sandwich". Es sieht unter anderem laut Wikipedia die Zusammenführung der Entwicklungslinien von Gingerbread (2.x) und Honeycomb (3.x) vor.

Damit liege Android dann aber vorne, denn die Offenheit der Plattform werde bald für ein viel größeres Angebot an Anwendungen sorgen. Auch die Verteilung der Apps ist mit offenen Shops leichter als beim Apple-Modell.

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