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20.02.2011 Frederik Niemeyer*

Welches ist das richtige Smartphone-OS für Sie?

Beim Kauf eines Smartphones entscheiden Sie sich nicht nur für ein einzelnes Gerät, sondern auch für ein Mobil-Betriebssystem. Das bestimmt, was Sie mit dem Gerät alles machen können.

Smartphones sind äußerst vielseitige Werkzeuge. Kaum jemand, der sie bloß als Telefon und elektronischen Terminkalender nutzt. Sie sind vielmehr leistungsstarke Mini-Computer, Multimedia- und Navigationsgeräte sowie Spielekonsole in einem – und nicht zuletzt Statussymbole. Wenn Sie sich für ein Smartphone entscheiden, wählen Sie nicht nur ein bestimmtes Gerät. Sie binden sich mit dem Kauf für eine längere Zeit auch an eine Software-Plattform. Ein einfacher Wechsel des Betriebssystems wie bei einem PC ist nicht möglich. Und jedes der Smartphone-Betriebssysteme Windows Phone 7, Symbian, Apple iOS, Android und Blackberry bietet bestimmte Vor-, aber auch Nachteile.

WINDOWS PHONE 7: DER FLOTTE NEULING MIT DEN STRENGEN VORGABEN Positiv: Komfortable Bedienung; Innovative und schnelle Oberfläche Negativ: Unflexibles, geschlossenes System; Noch spärlich gefüllter Marktplatz Mit Windows Phone 7 wagt Microsoft einen Neuanfang, weil der Vorgänger Windows Mobile 6.5 der Konkurrenz von Apple und Google weit hinterher hinkte.

Geräte: Microsoft strebt wie Apple die totale Kontrolle über die Hard- und Software der Phone-Geräte an. Deshalb legt der Windows-Erfinder den Geräteherstellern ein strenges Korsett an: Ein Prozessor mit 1 GHz Taktfrequenz, eine DirectX-9-Grafikeinheit, 256 MB Arbeitsspeicher, 8 GB Speicherplatz, eine 5-Megapixel-Kamera sowie verschiedene Lage- und Helligkeitssensoren sind Pflicht. Auf der Vorderseite hat ein Windows Phone ausschließlich Zurück-, Start- und Suche-Tasten. Die Kamera wird über einen Knopf an der Gehäuseseite ausgelöst.

Zudem dürfen die Hersteller die Bedienoberfläche des Betriebssystems nicht verändern. Diese restriktiven Vorgaben führen dazu, dass Windows-Phone-7-Smartphones relativ teuer sind und sich kaum unterscheiden: Zwischen 450 Euro und 600 Euro müssen Sie für die ersten fünf Modelle von HTC (HD7, Trophy, Mozart), Samsung (Omnia 7) und LG (E900 Optimus 7) zahlen. Auf der anderen Seite gewährleistet Microsofts strenge Regie ein einheitliches Bedienkonzept und eine hohe Leistung aller Geräte.

Bedienung: Windows Phone 7 kennt nur einen Startbildschirm. Er ist mit sogenannten Kacheln gefüllt. Kacheln mit mehreren Funktionen nennt Microsoft „Hubs“, deutsch: Knotenpunkte. Der Office-Hub zum Beispiel enthält die mobilen Varianten von Word, Excel, Powerpoint, Onenote und Sharepoint. In dem Musik-und-Videos-Hub spielen Sie Audio- und Videodateien ab, empfangen Radiosender oder stöbern in Microsofts Marktplatz. Mit einer wischenden Fingerbewegung nach links gelangen Sie zum Verzeichnis der installierten Programme. Mit einem längeren Druck auf ein Symbol platzieren Sie ein Programmsymbol an beliebiger Stelle auf dem Startbildschirm. Ordner können Sie jedoch nicht erstellen, um beispielsweise verwandte Anwendungen zusammenzuziehen.

Windows Phone 7 wirkt an manchen Stellen noch unfertig: Zwar können Sie innerhalb des Browsers Textbereiche mit einem Spreizen der Finger vergrößern („Pinch-to-Zoom“), doch die Textbreite wird nicht an die Bildschirmbreite angepasst. So sind Sie gezwungen, laufend hin- und herzuwischen. Die Funktion Kopieren-und-Einfügen („Copy-and-Paste“) und die „Tethering“-Funktion, mit der Sie das Smartphone als Modem für den Computer nutzen können, sollen erst per Aktualisierung nachgeliefert werden. Weitere Nachteile: Programme lassen sich bloß eingeschränkt gleichzeitig ausführen, und der Browser kann kein Flash.

Software: Der Marktplatz, über den Sie Anwendungen, Musik und Filme herunterladen, ist in Microsofts Medienverwaltungsprogramm Zune eingebunden. Sie erreichen ihn über das Windows Phone oder den PC. Um ihn benutzen zu können, brauchen Sie ein Windows-Live-Konto. Da die Windows-Mobile-6.5-Anwendungen bei Windows Phone 7 nicht mehr funktionieren, ist der Marktplatz derzeit noch spärlich besetzt.

PC-Anbindung: Für viele Nutzer vielleicht das größte Manko: Outlook-Kontakte, -Kalendereinträge und -E-Mails gleichen Sie nicht über Kabel, sondern online über einen Microsoft-Server ab. Dafür benötigen Sie eine E-Mailadresse bei Microsofts Postdienst Hotmail. Da ein Windows Phone nicht als USB-Laufwerk erkannt wird, müssen Sie Zune verwenden, um Daten mit dem PC auszutauschen. Per Kabel lassen sich aber keine Word-, Excel- oder PDF-Dateien übertragen, sondern nur Musik, Videos, Bilder und Podcasts. Dokumente können Sie sich nur zumailen, oder Sie nutzen Microsofts Skydrive-Service, der Ihnen 25 GB Online-Speicher zur Verfügung stellt. Komfortabel ist Zunes Formatverwaltung, denn das Programm wandelt Mediendateien automatisch passend um.

Fazit: In der Summe ist Microsoft ein intuitiv zu bedienendes, schön animiertes und flottes Betriebssystem gelungen. Wenn Sie ein leistungsstarkes Smartphone suchen, bei dem Sie nicht in komplexen Menüs herumirren müssen, und bereit sind, dafür einige Einschränkungen in Kauf zu nehmen, dann ist Windows Phone 7 gegenüber den großen Konkurrenten eine erfrischende Option.

SYMBIAN: DER MARKTFÜHRER IN DER KREATIVEN KRISE Positiv: Bewährtes und funktionsreiches System; Unkomplizierte Datensynchronisation Negativ: Umständliche Bedienung; Veraltete Optik

Geräte: Symbian ist in der aktuellen Version 3 bislang auf vier Modellen von Nokia zu finden: dem N8, E7, C7 und dem C6-01. Der Preis für die Geräte liegt zwischen 350 und 650 Euro. Nokias Smartphones lassen keine Funktion vermissen: Ein GPS-Modul zur Ortsbestimmung ist ebenso an Bord wie ein kontrastreicher und stromsparender Bildschirm sowie eine 8- beziehungsweise 12-Megapixel-Kamera. Gegeizt hat Nokia bei der Bildschirmauflösung: Das Topmodell N8 kommt bei einer Bilddiagonale von 8,9 Zentimetern (3,5 Zoll) auf gerade einmal 640 mal 360 Bildpunkte. Alle Symbian-3-Geräte bedienen Sie über den Bildschirm. Das E7 bringt zusätzlich eine mechanische Tastatur mit. Die Verarbeitung der Geräte ist hochwertig, die finnischen Smartphones wirken stabil und robust. Symbian 3 verbraucht zudem relativ wenig Strom.

Bedienung: Symbian ist vielfältig konfigurierbar. Dafür müssen Sie allerdings in die teils komplexe Menüstruktur eintauchen. Die wesentlichen Grundfunktionen erreichen Sie aber vom Startbildschirm aus. WLAN, E-Mail, Musik, Facebook, Kalender, Wecker rufen Sie so mit einem einfachen Tippen auf. Symbian 3 hat drei verschiedene Startbildschirme, die Sie nach Belieben gestalten können. Die Fenster aktualisieren sich selbstständig und zeigen Ihnen laufend wichtige Informationen an.Der Internet-Browser ist langsam und umständlich zu bedienen. Zwar bietet er die Funktion Pinch-to-Zoom, richtet den Text jedoch nicht neu aus. Um die Adresse einer Internetseite einzugeben, müssen Sie erst die Adresszeile über das Menü aufrufen. Wenn Sie mit dem Symbian-Browser nicht zufrieden sind, können Sie aber mit Opera Mobile eine Alternative installieren.

Halten Sie das Handy bequem im Hochformat, öffnet sich bei jeder Texteingabe die Telefontastatur mit eingeschränktem Textfeld. Für eine Tastatur mit vollem Textfeld müssen Sie das Telefon in die Horizontale bringen. Auf Dauer ist das nervig. Im Vergleich zu den Konkurrenten fällt die schwerfällige Bedienung von Symbian 3 auf. Weiche und flüssige Animationen, die Apple iOS, Android und Windows Phone 7 auszeichnen, suchen Sie bei Symbian vergebens. Das System reagiert außerdem mit merklicher Verzögerung auf Eingaben.

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