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22.02.2010 Andreas Kroschel*

Ein How-to für die Linux-Kommandozeile

Der direkte Draht zu Ihrem Linux-System: Vieles geht auf der Konsole schneller als auf der grafischen Oberfläche. Mit diesem Artikel nutzen auch Einsteiger die Kommandozeile effektiv.

Gleich nach der Installation zeigt Ihr neues Linux-System, was es kann: Es läuft, sieht gut aus und erledigt Ihre täglichen Computer-Aufgaben. Doch schon ein Wechsel der Grafikkarte oder der Einbau einer weiteren Festplatte stellen – im Vergleich zu Windows – scheinbar unüberwindliche Hürden dar. Fast alle Anleitungen zum Einbinden von Hardware oder zum Tunen des Systems konfrontieren Sie mit der textbasierten Konsole, also dem Befehlsinterpreter, dem Mausklicks egal sind und der Zeile für Zeile Ihre Eingaben erwartet und diese umsetzt. Anders als unter Windows ist die Konsole kein Relikt aus einer vorgrafischen Zeit, sondern das mächtigste Werkzeug, das Ihnen in jeder Linux-Distribution zur Verfügung steht. Um damit zu arbeiten, müssen Sie anfangs etwas Zeit für die Einarbeitung investieren. Doch der Aufwand lohnt: Nur so erfahren Sie, wie Ihr Linux-System eigentlich funktioniert, können es ganz an Ihre Bedürfnisse anpassen und viele Aufgaben schneller lösen.

Mehrere virtuelle Konsolen Im Gegensatz zu Windows benötigt Linux keine grafische Oberfläche, um arbeiten zu können. Falls diese einmal nicht funktioniert, zum Beispiel nach Einbau einer neuen Grafikkarte, können Sie noch immer im Textmodus Ihr System administrieren. Auf Linux-Servern ist das gar der Standard.

Die grafiklose Umgebung, die zeilenweise Ihre Befehle entgegen nimmt, heißt Konsole. Drücken Sie die Tastenkombination <Strg>-<Alt>-<F1>, dann verabschiedet sich Ihr Desktop, und Sie wechseln in den Textmodus. Hier sind Sie noch nicht angemeldet, müssen also zunächst Benutzername und Kennwort eingeben. Probieren Sie danach einen Befehl aus, etwa „ls“ (ohne Anführungszeichen), und bestätigen Sie ihn mit <Return>. Er zeigt Ihnen den Inhalt des aktuellen Verzeichnisses an. Von diesen Textmodus-Konsolen gibt es sechs an der Zahl, die Sie über die Tastenkombination <Strg>-<Alt> mit den Tasten <F1> bis <F6> erreichen. Wenn Sie also <Strg>-<Alt>-<F2> drücken, sind Sie auf der zweiten Konsole und können nach Anmeldung dort Befehle eingeben. Mit <Strg>-<Alt>-<F1> geht es wieder zurück auf die erste. Sechs Konsolen bedeuten Komfort, da Sie mal eben zu einer Anwendung auf eine andere wechseln können, um dann wieder zur vorigen zurückzukehren.

Wichtig: Durch das Umschalten haben Sie X-Window, also die grafische Oberfläche, nicht beendet, sie läuft weiter im Hintergrund. Mit < Strg>-<Alt>-<F7> kehren Sie zu X-Window zurück und finden es genau so vor, wie Sie es verlassen haben. Damit ist wiederum die Konsolensitzung noch nicht beendet, sondern läuft im Hintergrund weiter: Sie verlassen sie erst mit dem Befehl „exit“. Auf einem Linux-Rechner läuft also nicht nur eine Sitzung, sondern immer gleich mehrere. Standardmäßig sind es sechs im Textmodus und eine im Grafikmodus, die Sie wie oben erklärt auf Ihren Monitor lenken können.

Die Konsole als Befehlszentrale Um an einer Konsole zu arbeiten, müssen Sie nicht unbedingt die X-Window-Oberfläche in den Hintergrund verschieben. Sie können stattdessen ein Terminal auf dem Desktop aufrufen, ähnlich einer Eingabeaufforderung unter Windows. Hier stehen mehrere Programme zur Auswahl. Immer vorhanden ist die Grundversion „xterm“, das Standard-Terminal des Gnome-Desktops heißt „gnome-terminal“, während KDE als Standard „konsole“ einsetzt. Letztere lassen sich in Farbe und Schriftart vielfältig konfigurieren und bieten mehr Komfort. Wenn Sie dort einen Link anklicken, öffnet sich dieser im Browser. Innerhalb des Terminal-Fensters läuft die Shell, also das Programm, das Ihre Eingaben entgegennimmt und verarbeitet. Bei aktuellen Linux-Installationen läuft dort „bash“ , ein überaus mächtiger Befehlsinterpreter. Sie öffnen das Terminal entweder über das Anwendungsmenü oder mit <Alt>-<F2> und der Eingabe des oben genannten Namens. Ob Sie CDs brennen, MP3s hören, Mails lesen oder im Web surfen möchten: Alles funktioniert prinzipiell mit der Shell – eine grafische Oberfläche ist nicht unbedingt nötig. Viele Programme bieten lediglich ein GUI, die hinter den Kulissen einfache Kommandozeilenprogramme nutzt. Zwar ist es zweifelsohne bequem, eine neu zu brennende CD per Maus zusammenzustellen. Aber wenn Sie stets das Gleiche brennen wollen, etwa ein regelmäßiges Backup, geht es schneller, wenn Sie sich einmal die Befehle zusammensuchen und sie später stets erneut aufrufen. Auch bieten textbasierte Programme meist einen größeren Leistungsumfang als ihre grafischen Pendants.

Wichtig: Bei jeder Eingabe auf der Konsole ist bei Befehlen, Pfad- und Dateinamen sowie Parametern die Groß- und Kleinschreibung wesentlich. „ls“ etwa ist ein gängiges Programm, „LS“ dagegen gibt es nicht, „ls -r“ führt etwas anderes aus als „ls -R“ . Nach dem Eintippen eines Befehls müssen Sie grundsätzlich die Eingabetaste drücken, damit der Befehl ausgeführt wird.

WEITERE GRUNDLAGEN ZUR NUTZUNG DER KONSOLEN

Schnell zum Ziel: Befehlsergänzung Auf einem Linux-System gibt es oft zwei- bis dreitausend ausführbare Programme und Hunderttausende von Dateien. Die Shell hilft Ihnen, den Durchblick zu behalten, denn sie bietet eine Befehlsergänzung mit Suchfunktion. Wissen Sie bei der Eingabe auf der Konsole bei einem Befehls- oder Dateinamen nicht weiter, drücken Sie einfach <Tab>. Die Shell ergänzt dann selbsttätig alle Buchstaben, die eindeutig sind, und zeigt auf ein wiederholtes <Tab> alle weiteren Möglichkeiten – so lange, bis Sie sich zum passenden Befehl durchgehangelt haben. Je komplexer ein Verzeichnisbaum ist, desto schneller sind Sie mit der Befehlsergänzung der Shell im Vergleich zu einem grafischen Dateimanager.

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