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11.08.2010 idg/mb/Alex Wolschann

Ein erster Blick auf Windows Phone 7

Nur ein Android-Klon mit iPhone-Elementen oder etwas vollkommen Neues? Windows Phone 7 hat seit der Vorstellung auf dem Mobile World Congress im Februar nicht gerade das beste Feedback erhalten.

Bei der Bekanntgabe der wichtigsten Details von Windows Phone 7 beziehungsweise dem Fehlen einzelner Funktionen kamen sofort Vergleiche mit dem ersten iPhone-Modell auf: kein Multitasking für Fremdanwendungen, kein Speicherkarteneinschub, kein Copy&Paste, Softwareverteilung ausschließlich über das App-Store-Pendant Windows Marketplace for Mobile. Kritiker monierten, Microsoft habe sich bei seinem Fokus auf Endkundenfreundlichkeit stark an Apple und Google angelehnt und radikal die von Business-Nutzern geschätzten Eigenschaften von Windows Mobile über Bord geworfen. Nicht erst seit dem missglückten Markteintritt der für Jugendliche gedachten Kin-Handys sind daher die Befürchtungen groß, dass Microsoft auch Windows Phone 7 an seinen Kunden vorbei entwickelt hat.

Um solche Zweifel zu beseitigen, ist der Softwareriese derzeit bemüht, Entwicklern und Pressevertretern einen tieferen Eindruck von dem fast fertigen Betriebssystem zu geben. Wir hatten im Rahmen eines Technological Preview die Gelegenheit, Windows Phone 7 genauer unter die Lupe zu nehmen.

Microsofts Alternativkonzept beginnt mit den so genannten Live Tiles auf dem Homescreen. Diese anpassbaren Kacheln stellen Informationen aus verschiedenen Quellen bereit und beleben so die Startseite ähnlich wie Widgets, ohne dass der Nutzer dazu eine Anwendung öffnet. Ein Beispiel ist das People Tile, das Neuigkeiten aus sozialen Netzwerken anzeigt. Um mehr als nur die Basisfunktionen nutzen zu können, muss der Nutzer allerdings – Google Android lässt grüßen – seine Windows Live ID angeben, beziehungsweise sich bei dem Dienst registrieren. So schick die Live-Tiles mit ihren via Push Notification bereitgestellten Updates sind – im Ausland können sie leicht zu einer Kostenfalle werden. In den Roaming-Einstellungen gibt es bislang noch keine Möglichkeit, die Aktualisierung auf einzelne Dienste, etwa E-Mail, einzuschränken.

HUBS ZUR NAVIGATION Weiteres charakteristisches Merkmal von Windows Phone 7 sind die Hubs, die Funktionen verschiedener interagierender Apps themenspezifisch zusammenfügen. So werden im People Hub automatisch alle Informationen zu Kontakten zusammengestellt. Der Nutzer bekommt eine Sicht auf Kurzmitteilungen, E-Mails und Statusmeldungen – aber auch auf Videos und Bilder einer Person. Die Integration geht so weit, dass sich der Nutzer auch die Adresse eines Kontakts via Bing Maps auf einer Karte anzeigen lassen kann. Im Picture Hub findet der Nutzer Thumbnails, die auf verschiedene Bildquellen verweisen.

Microsoft geht damit einen anderen Weg als das bisherige Windows Mobile oder iPhone OS. Laut Microsoft wollen die Anwender integrierte Informationen und nicht von App zu App springen. Optisch hat Microsoft für die verschiedenen Funktionen innerhalb eines Hubs eine etwas gewöhnungsbedürftige, jedoch nicht unattraktive Darstellung gewählt: Das Display stellt immer nur einen Teil des Menüs dar. Abgeschnittene Hintergrundbilder und Wörter deuten an, dass man beim Scrollen auf der rechten Seite weitere Funktionen findet. Neben den bestehenden sechs Hubs haben Microsofts Partner die Möglichkeit, eigene Hubs zu kreieren. Denkbar sind neben vertikalen Themenbereichen auch Inhouse-Hubs für Business-Smartphones. Microsoft prüft derzeit noch Optionen, wie Unternehmen die Softwareverteilung bewerkstelligen können. Anders als bei Windows Mobile ist derzeit nur eine Bereitstellung von Apps über den Marketplace vorgesehen.

Die an Windows Mobile geschätzten Business-Features wie vollständige Verschlüsselung, Device Management oder VPN-Unterstützung fehlen beim Launch, sollen jedoch zu einem späteren Zeitpunkt nachgeliefert werden. Business-Funktionen seien nicht oberste Priorität von Windows Phone 7 und hätten das geplante Erscheinen bis Jahresende unmöglich gemacht, so Microsoft.

Offensichtlich ist Apple das Vorbild: Auch das iPhone hatte zunächst bei Privatanwendern eine kritische Verbreitung gefunden, um dann Einzug in die Unternehmen zu finden. Zu Microsofts Assets bei Windows Phone 7 zählen neben Outlook, Bing, Zune und Xbox live auch Office Mobile 2010.

BUSINESS-FUNKTIONEN WERDEN NACHGEREICHT Beim Launch fehlende Enterprise-Funktionen will der Softwareriese sukzessive über Aktualisierungen nachliefern. Dabei beabsichtigt Microsoft, eine Upgrade-Experience wie Apple zu bieten und Aktualisierungen nicht wie bisher den OEM und Mobilfunkanbietern zu überlassen. Was die Hardware anbelangt, will Microsoft mit klaren Vorgaben an die OEM einen Rückfall in Windows-Mobile-Zeiten vermeiden. Unter anderem sehen die Anforderungen mindestens einen 1-Gigahertz-Prozessor, eine Fünf-Megapixel-Kamera und ein Multitouch-fähiges Display mit 800 x 480 Pixel vor.

Microsoft sieht mit dem neuen Mobile-Betriebssystem Chancen, wieder in vorderster Reihe mitzumischen. So sei der Markt für Highend-Smartphones gerade mitten in der Entwicklung. Aktuellen Schätzungen zufolge kämen dabei in den nächsten zwei Jahren 250 Millionen neue Nutzer hinzu, die noch kein iPhone oder Blackberry besitzen. Firmenchef Steve Ballmer hat mehrmals betont, dass Mobile ein wichtiger Teil des Ökosystems ist. Glaubt man den zynischen Kommentaren einiger Kritiker, brauchen aber auch die Anwender einen langen Atem.

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