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19.09.2010 Moritz Jäger*

Windows Mobile im Überblick

Gegen die Stars iPhone OS und Android hat es Windows Mobile derzeit schwer. Wir zeigen, was das Smartphone-Betriebssystem von Microsoft besser kann.

Microsoft hat ein Problem mit Windows Mobile: Das Betriebssystem für Smartphones ist bei weiten nicht so erfolgreich, wie es Microsoft gewohnt ist - etwa von den Windows-Versionen für PCs. Dennoch ist Microsoft mit Windows Mobile seit 2001 durchgängig im Mobilfunkmarkt vertreten. In dieser Zeit hat Windows Mobile auch bei Smartphones einige Trends gesetzt - zum Beispiel Touchscreens als Eingabemöglichkeit etabliert. Doch erst Apple und Android machten diesen Trend mehrheitsfähig. Aber Windows Mobile hat sich schon einmal gegen einen scheinbar übermächtigen Konkurrenten durchgesetzt: Vom einst marktbeherrschenden Palm OS spricht heute niemand mehr.

Wir zeigen Ihnen die Stärken und Schwächen von Windows Mobile: Was das Smartphone-OS von Microsoft besser kann als iPhone und Android, und wo es gegenüber der Konkurrenz zurückliegt.

DIE STÄRKEN VON WINDOWS MOBILE Microsoft hat Windows Mobile von Anfang an vor allem auf die Anforderungen von Unternehmen ausgerichtet. Alle Smartphones mit Windows Mobile lassen sich nahezu nahtlos in die IT-Verwaltung und eine bestehende Microsoft-Umgebung integrieren.

Administratoren schätzen diese Fähigkeiten: So können sie Smartphones zentral für den Einsatz in ihrem Unternehmen einrichten, zusätzliche Software aufspielen, Daten sichern oder löschen. Im Firmenumfeld ist Windows Mobile richtig zu Hause - die einzige wirkliche Konkurrenz für Microsoft kommt derzeit von den BlackBerrys - alle anderen Smartphones sind für Unternehmen längst nicht so einfach zu verwalten.

Das Betriebssystem verfügt außerdem über einen sehr großen Rückhalt bei den Software-Entwicklern. Windows Mobile nutzt bereits seit langem das .NET-Framework: Damit ist das Erstellen von Software relativ einfach. Entsprechend groß ist die Anzahl an Programmen für Windows Mobile: Für nahezu jedes Problem und jeden Einsatzweck gibt es oftmals mehrere Lösungen und Tools.

Allerdings ist es nicht ganz einfach, diese Software zu finden. Anders als Apple gibt es keinen App Store von Microsoft für Windows Mobile. Stattdessen haben sich Websites wie etwa Devbuzz, XDA-Developers oder PDA-Dev als Anlaufstellen für Windows-Mobile-Software etabliert.

INTERNET, E-MAIL UND OFFICE Der größte Pluspunkt von Windows Mobile liegt in der Integration der Microsoft Office Produkte. Bereits die erste Ausgabe, PocketPC 2000, enthielt ein rudimentäres Office-Paket. Dieses entwickelte Microsoft bei den Nachfolgerversionen stetig weiter: Mit einem aktuellen Windows-Mobile-Smartphone kann man nahezu alle Office-Dokumente ansehen und bearbeiten.

Ähnlich sieht es beim Thema E-Mail aus. Von Anfang an war eine mobile Version von Outlook Teil des Smartphone-Betriebssystems. Bei älteren Versionen musste man Mails, Kontakte und Termine noch über ein Datenkabel synchronisieren. Mit Windows Mobile 5 kam eine neue Methode hinzu: Seit dieser Version unterstützt das mobile OS eine Push-Mail-Technologie. Als Gegenstelle eignet sich jeder Exchange Server seit Exchange 2003 SP2. Diese Funktion lässt sich einfach einzurichten, da keine zusätzliche Software nötig ist. Die Microsoft-Lösung ist so populär, dass sie selbst an Konkurrenten lizensiert wurde - unter anderem verwenden Nokia und Apple die Push-Mail-Funktionen.

Schlechter steht Windows Mobile dagegen beim Surfen da. Zwar ist auf sämtlichen Windows-Mobile-Smartphones der mobile Internet Explorer vorinstalliert. Dieser Browser taugte aber bis Windows Mobile 6.5 gerade mal für eine Aufgabe: Um einen besseren Browser herunterzuladen - beispielsweise Opera. In Windows Mobile 6.5 hat Microsoft den IE deutlich verbessert. Um allerdings die Klasse anderer mobiler Browser zu erreichen, fehlt ihm ein Proxy-Server, der die Webseiten passend für das Smartphone-Display umrechnet. Einen solchen Server setzen beispielsweise Opera Mobile oder Skyfire ein. Der Vorteil: Die übertragene Datenmenge schrumpft, die Webseiten werden automatisch für das Gerät optimiert - und Skyfire kann selbst Flash-Inhalte darstellen.

MULTIMEDIA UND WINDOWS MOBILE Für Multimedia hat Microsoft lediglich eine Lösung zu bieten - den Windows Media Player Mobile. Die mobile Variante orientiert sich am Desktop-Pendant - mit Absicht. Denn seit Apple mit der Kombination iTunes und iPod große Erfolge feiert, versucht sich Microsoft ebenfalls an dieser Kombination. Theoretisch klingt das durchaus sinnvoll, da die mobilen Geräte beispielsweise das Windows-DRM unterstützen: So kann man mit einem Windows-Mobile-Smartphone auch Dienste wie Napster problemlos nutzen, die diesen Kopierschutz verwenden.

In der Praxis verzichten die meisten Anwender allerdings auf den Windows Media Player: Zu langsam synchronisiert er Medieninhalte, zu unhandlich ist das Erstellen von Playlisten für die Musikwiedergabe. Auch im Bereich Video kann der Windows Media Player nicht so recht punkten, denn Videos müssen vor der wiedergabe langwierig konvertiert werden. Kein Zweifel: Was Multimedia auf dem Smartphone angeht, liegt Apple klar vor Microsoft.

Glücklicherweise stehen verschiedene Alternativen bereit. Dazu gehört beispielsweise ein DivX-Player für mobile Geräte, der die weit verbreiteten Codecs DivX und Xvid abspielt, sowie Musik-Player von Drittentwicklern. Eine gute Alternative ist etwa der Player S2P.

DIE SCHWÄCHEN VON WINDOWS MOBILE Zu den größten Nachteilen von Windows Mobile gehört, dass der Nutzer Updates nicht selbstständig einspielen kann. Wenn eine neue Version von Windows Mobile erscheint, überlässt es Microsoft den Smartphone-Herstellern, ob sie das Update ihren Kunden zur Verfügung stellen. Tun sie das, müssen auch die Mobilfunkanbieter ins Boot steigen, damit das Update tatsächlich den Anwender erreicht - und zudem offiziell unterstützt wird.

Das ist ärgerlich: Denn neue Versionen von Windows Mobile brachten bislang stets bessere Funktionen oder andere Vorteile. Aber der Anwender hat davon nichts, wenn er sein Smartphone einen Tag zu früh beim falschen Provider gekauft hat.

Aber auch für diese Schwäche von Windows Mobile gibt es Hilfe von privaten Entwicklern. Vor allen in Foren wie XDA-Developers gibt es eine tatkräftige Gemeinde, die immer wieder neue ROMs veröffentlicht. Diese sind allerdings mit Vorsicht zu genießen, denn es handelt sich teilweise um unfertige Software. Zudem setzt man damit oft die Garantie des Smartphones aufs Spiel - erhält dafür allerdings zusätzliche und verbesserte Funktionalität.

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