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29.09.2010 Manfred Bremmer*

Das kann Windows Phone 7

Bald stellt Microsoft zusammen mit seinen Partnern die ersten Windows Phone 7-Geräte vor. Wir ermöglichen Ihnen schon vorab einen Blick auf das neue mobile Betriebssystem von Microsoft.

Windows Phone 7 hat seit der Vorstellung auf dem Mobile World Congress im Februar nicht gerade das beste Feedback erhalten. Kein Wunder: Bei der Bekanntgabe der wichtigsten Details beziehungsweise dem Fehlen einzelner Funktionen kamen sofort Vergleiche mit dem ersten iPhone-Modell auf: kein Multitasking für Fremdanwendungen, kein Speicherkarteneinschub, kein Copy & Paste, Softwareverteilung ausschließlich über das App-Store-Pendant "Windows Marketplace for Mobile". Kritiker monierten, Microsoft habe sich bei seinem Fokus auf Endkundenfreundlichkeit stark an Apple und Google angelehnt und radikal die von Business-Nutzern geschätzten Eigenschaften von Windows Mobile über Bord geworfen. Nicht erst seit dem missglückten Markteintritt der für Jugendliche gedachten Kin-Handys sind daher die Befürchtungen groß, dass Microsoft auch Windows Phone 7 an seinen Kunden vorbei entwickelt hat.

Um solche Zweifel zu beseitigen, ist der Softwareriese derzeit bemüht, Entwicklern und Pressevertretern einen tieferen Eindruck von dem fast fertigen Betriebssystem zu geben. Unsere Schwesterpublikation Computerwoche hatten im Rahmen eines Technological Preview die Gelegenheit, Windows Phone 7 genauer unter die Lupe zu nehmen. Greg Sullivan, Lead Product Manager von Microsofts Windows Unit, kam nach München, um das Betriebssystem auf einem Samsung i8910 ähnlichen Demo-Gerät ("Samsung Taylor") vorzuführen.

"APPS ALLEIN BIETEN NOCH KEINE USER EXPERIENCE" Microsofts Alternativkonzept beginnt mit den sogenannten Live Tiles auf dem Homescreen. Diese anpassbaren "Kacheln" stellen Informationen aus verschiedenen Quellen bereit und beleben so die Startseite ähnlich wie Widgets, ohne dass der Nutzer dazu eine Anwendung öffnet. Ein Beispiel ist das People Tile, das Neuigkeiten aus sozialen Netzwerken anzeigt. Um mehr als nur die Basisfunktionen nutzen zu können, muss der Nutzer allerdings - Google Android lässt grüßen - seine Windows Live ID angeben, beziehungsweise sich bei dem Dienst registrieren. So schick die Live-Tiles mit ihren via Push Notification bereitgestellten Updates sind - im Ausland können sie leicht zu einer Kostenfalle werden. So bestätigte Microsoft-Manager Sullivan, dass es in den Roaming-Einstellungen bislang noch keine Möglichkeit gibt, die Aktualisierung auf einzelne Dienste etwa E-Mail einzuschränken - ein Feature Request, den man allerdings auch an andere Hersteller weitergeben kann.

Weiteres charakteristisches Merkmal von Windows Phone 7 sind die Hubs, die Funktionen verschiedener interagierender Apps themenspezifisch zusammenfügen. So werden im People Hub - anlehnend an Konzepte wie HTC Sense oder Motorola Blur - automatisch alle Informationen zu Kontakten zusammengestellt. Der Nutzer bekommt eine Sicht auf Kurzmitteilungen, E-Mails und Statusmeldungen - aber auch Videos und Bilder einer Person. Die Integration geht so weit, dass sich der Nutzer auch die Adresse eines Kontakts via Bing Maps auf einer Karte anzeigen lassen kann. Im Picture Hub findet der Nutzer Thumbnails die auf verschiedene Bildquellen verweisen - etwa Online-Dienste wie Flickr, den persönlichen Bereich in der Microsoft-Cloud (Skydrive), aber auch den lokalen Handy-Speicher.

Wie Sullivan erklärte, geht Microsoft damit einen anderen Weg als das bisherige Windows Mobile oder iPhone OS (iOS). "Apps sind notwendig, aber nicht ausreichend für das komplette Nutzererlebnis", so Sullivan. Anwender wollten integrierte Informationen und nicht von App zu App springen.

HUBS FÜR ALLE ANLÄSSE Optisch hat Microsoft für die verschiedenen Funktionen innerhalb eines Hubs eine etwas gewöhnungsbedürftige, jedoch nicht unattraktive Darstellung gewählt: Das Display stellt immer nur einen Teil des Menüs dar. Abgeschnittene Hintergrundbilder und Wörter deuten an, dass man beim Scrollen auf der rechten Seite weitere Funktionen findet.

Neben den bestehenden sechs Hubs (People, Picture, Games, Music & Video, Marketplace und Office) haben Microsofts Partner die Möglichkeit, eigene Hubs zu kreieren. Denkbar sind neben vertikalen Themenbereichen auch Inhouse-Hubs für Business-Smartphones, in denen Firmen etwa den Zugang zum Intranet, verschiedene Enterprise-Anwendungen und Ähnliches bündeln. Sullivan zufolge, prüft Microsoft derzeit noch Optionen, wie Firmen die Softwareverteilung bewerkstelligen können. Anders als bei Windows Mobile ist derzeit nur eine Bereitstellung von Apps über den Marketplace vorgesehen.

Apropos Enterprise-Kunden: Die an Windows Mobile geschätzten Business-Features wie vollständige Verschlüsselung, Device Management oder VPN-Unterstützung fehlen beim Launch, sollen jedoch zu einem späteren Zeitpunkt nachgeliefert werden. Business-Funktionen seien nicht oberste Priorität von Windows Phone 7 und hätten das geplante Erscheinen bis Jahresende unmöglich gemacht, erklärte Sullivan: "Beim Vorgänger Windows Mobile haben wir nicht immer an die Endanwender gedacht, daher stehen diese bei dem neuen Release im Fokus."

Offensichtlich macht sich Microsoft hier Apple zum Vorbild: Auch das iPhone hatte zunächst bei Privatanwendern eine kritische Verbreitung gefunden, um dann Einzug in die Unternehmen zu finden. Zudem zählten zu Microsofts Assets bei Windows Phone 7 neben Outlook, Bing, Zune und Xbox live eben auch Office Mobile 2010 - die mobile Business-Anwendung schlechthin, warb Sullivan.

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