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15.12.2010 Alex Wolschann/idg

Google lässt die Muskeln spielen

Google hat das neue Betriebssystem "Gingerbread" freigegeben, nebenbei auch den Nachfolger des hauseigenen Smartphones Nexus präsentiert und erste Blicke in das nächste Betriebssystem "Honeycomb" auf einem Motorola-Tablet gewährt.

Das Nexus S ist das zweite hauseigene Google-Smartphone und wird das erste Gerät am Markt mit dem neuen Betriebssystem Android 2.3 namens Gingerbread ausgeliefert. Das von Samsung gebaute Multitouch-Gerät ist auch das erste Smartphone mit einem gewölbten vier-Zoll-Display mit einer Auflösung von 480 x 800 Pixeln – damit soll das Gerät besser in der Hand liegen und beim Telefonieren angenehmer ans Gesicht angepasst sein.

Das Display ist ein Contour-Display, das auf die Super-AMOLED-Technik (Active Matrix Organic Light Emitting Diode) setzt. Diese kommt auch bei anderen Smartphones aus der Galaxy-Serie oder bei dem Windows Phone 7 Gerät zum Einsatz – sie besticht vor allem durch eine helle und klare Darstellung der Inhalte. Im Inneren schlägt ein Ein-Ghz-Hummingbird-Prozessor, zusätzlich verfügt das neue Google-Handy über 16 GB Speicher und zwei Kameras an Vorder- und Rückseite für Videotelefonie. Apple hat mit Facetime bereits vorgemacht, wie sich diese Technik auch in mobilen Geräten einfach nutzen lässt.

ÄNDERUNGEN BEI KONTRAST UND TASTATUR Die Änderungen am Gehäuse machen sich optisch deutlich bemerkbar, das komplette Nutzerinterface wurde überarbeitet, die Benachrichtigungszeile hebt sich beispielsweise kontrastreicher ab. Geändert wurde auch die virtuelle Tastatur, laut Google soll diese nun einfacher zu nutzen sein. Klickt man auf ein Wort, wird es sofort komplett markiert, diese Auswahl lässt sich mit zwei Reglern vergrößern oder verkleinern.

Unter der Oberfläche wurde ebenfalls am System geschraubt. Google Android 2.3 Gingerbread soll Daten besser und schneller verarbeiten können, was vor allem Entwicklern von Spielen und anderen aufwendigen Applikationen helfen soll. Außerdem unterstützt Gingerbread Internet-Telefonie sowie Lagesensoren (Gyroskopie) und besitzt eine verbesserte Copy & Paste-Funktionalität. Das System kann nun auch Anwendungen, die im Hintergrund laufen, besser organisieren. Das soll bei der Energieverwaltung helfen und so die Akkulaufzeit verlängern. Das Nexus S unterstützt WLAN nach dem schnellen n-Standard, dazu UMTS und HSDPA für den mobilen Zugriff aufs Internet.

GINGERBREAD MIT NEUEN FUNKTIONEN Nutzer erhalten außerdem mehrere komplett neue Funktionen: Google hat einen SIP-Client (Session Initiation Protocol) fest integriert. Damit lassen sich VoIP-Accounts direkt in das Smartphone integrieren, so dass nicht nur über das normale Mobilfunknetz, sondern auch per IP-Verbindung telefoniert werden kann. Das ist etwa im Ausland praktisch um Roamging-Gebühren zu sparen, ermöglicht aber auch die Integration des Smartphones in Unified-Communications-Infrastrukturen. Ein weiteres neues Feature ist die Unterstützung für Near Field Communication, kurz NFC. Diese Technik wird genutzt, um Informationen über kurze Distanzen zu übertragen, sie ähnelt RFID. Ist etwa ein Poster oder Plakat mit einem entsprechenden Sender (Tag) ausgestattet, kann das Telefon diesen auslesen und die darauf gespeicherten Informationen, etwa eine Webseitenadresse, anzeigen. Auch das bargeldlose Bezahlen ist mit dieser Technik bequem möglich.

Anders als beim ersten Nexus wird Google das neue Telefon nicht direkt an die Nutzer verkaufen, der Vertrieb läuft über die jeweiligen Provider. Das neue Google-Handy soll ab 16. Dezember in den USA erhältlich sein, nach Großbritannien kommt es nach dem 20. Dezember. Wann und bei welchem Mobilfunkanbieter das Nexus S in Österreich erhältlich wird, ist noch unbekannt.

ANDROID BEKOMMT TABLET-OPTIMIERUNG Nach der Präsentation des Nexus S auf Basis von Android 2.3 in San Francisco hat Googles VP of Engineering, Andy Rubin, noch nachgelegt. Er gab im Rahmen der Konferenz D: Dive Into Mobile eine Vorschau auf ein Motorola-Tablet und damit auch bereits auf »Honeycomb«, die nächste Version des mobilen Betriebssystems von Google. Das für 2011 vorgesehene Android 3.0 wird die tastaturlosen mobilen Computer besser unterstützen. So setzt Google darauf, dass Apps ihre Bildschirmdarstellung an die Geräteklasse anpassen und somit größere Displays effektiver nutzen können. »Das klingt zumindest auf dem Papier gut«, kommentiert etwa Gartner-Analystin Carolina Milanesi.

Bislang war Android nicht wirklich auf Tablets ausgerichtet, worüber auch Apple-Chef Steve Jobs gelästert hat. Mit Android 3.0 soll sich das ändern. Rubin hat zwar keine Angaben zur Größe des namenlosen Motorola-Geräts gemacht, optisch scheint es aber ein Modell im Zehn-Zoll-Bereich zu sein. Auch sonst gab es wenig Details zur Hardware. Dass das Gerät laut Google-VP einen Dual-Core-Chip von Nvidia nutzt, legt einen Tegra-Prozessor nahe.

Eigentlich ging es bei der Demo auch um die Software. So hat Rubin am Beispiel Gmail vorgeführt, wie eine App auf einem Honeycomb-Tablet Darstellungselemente nebeneinander legt, die auf einem Handy übereinander dargestellt werden. So kann sie das Tablet-Display besser nutzen. Ob sich dieser Ansatz durchsetzen wird, scheint aber fraglich. »Wer eine wirklich für Tablets optimierte App probiert hat, wird nicht zu so etwas zurückwechseln. Das Nutzererlebnis ist einfach viel besser«, erklärt Milanesi.

Rubins Vorführung hat auch die Frage offen gelassen, wann Honeycomb tatsächlich marktreif sein soll. »Obwohl wir wissen, dass auf der Consumer Electronics Show in Las Vegas einiges an Tablets zu sehen sein wird, könnte das eng werden«, meint die Gartner-Analystin. Allerdings sei wahrscheinlich, dass Android 3.0 bis März oder April fertig ist, um der zweiten iPad-Generation möglichst zuvor zu kommen. Steve Jobs hat das iPad 2 für April 2011 angekündigt. Dank der Vorreiterrolle bei Tablets hat das iPad Marktanteile bis zu 95 Prozent je nach Markt. Aufgrund der aggressiven Offensive von Google und dem erwarteten Tablet-Boom (siehe Kasten) wird aber schon bald mehr Dynamik am Markt aufkommen.

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