Petra Jenner, Microsoft: "Österreich ist nicht so abhängig von einer Branche wie viele andere Länder" Detail - Computerwelt

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11.03.2009 Alex Wolschann

Petra Jenner, Microsoft: "Österreich ist nicht so abhängig von einer Branche wie viele andere Länder"

Seit Februar verantwortet Petra Jenner die heimische Niederlassung von Microsoft. Ein erstes Interview.

Seit Februar diesen Jahres verantwortet Petra Jenner die heimische Niederlassung von Microsoft. Im Gespräch mit der Computerwelt spricht sie über die Auswirkungen der Wirtschaftskrise, antizyklisches Verhalten und die Zukunft der österreichischen Microsoft-Mitarbeiter.

Wie wirkt sich die Wirtschaftskrise auf ein großes Unternehmen wie Microsoft in einem kleinen Markt wie Österreich aus? Petra Jenner: Eigentlich haben wir in Österreich trotz der Wirtschaftskrise sehr gute Ergebnisse erzielt. Wir sind im Budget auf Plan, ich muss aber dazu sagen, dass unser Geschäftsjahr ja am 30. Juni endet und wir somit gerade bei der Hälfte stehen. Wir hatten im ersten Halbjahr eine sehr gute und stabile Geschäftslage, denken aber auch im zweiten Halbjahr im Plan zu sein. Es sieht auch so aus, dass wir das halten können. Natürlich können auch wir im Moment nicht sagen, wie sich die ganze Wirtschaftssituation weiter entwickeln wird. Österreich hat der Krise bis jetzt aber erstaunlich gut widerstanden, auch im Vergleich zu anderen Ländern, wo Microsoft die Veränderungen deutlicher zu spüren bekommen hat. Das Wachstum verlangsamt sich natürlich, das ist auch bei uns zu sehen. Ich bin dennoch gedämpft optimistisch, dass die Krise den österreichische Markt nicht mit voller Härte treffen wird.

Woran könnte das liegen? Ich glaube, dass beispielsweise die Abhängigkeit vom Finanzsektor hierzulande nicht so stark ist wie etwa in England. Das hilft sicher, da die Krise ja bei den Banken angefangen hat. Die Automobilbranche ist aufgrund der Zulieferer stärker betroffen, wobei sich die Auswirkungen noch in Grenzen halten. In anderen Bereichen spüren wir zwar ein intensives Kostenbewusstsein aber keinen so massiven Einbruch. Ich denke, dass man Österreich zugute halten muss, dass die Abhängigkeit zu anderen Branchen nicht so ausgeprägt ist. In vielen Ländern dominiert eine Branche das ganze Land. Wenn die dann eine Krise hat, steckt das ganze Land in der Krise. Das sehe ich hier in Österreich nicht.

Kann man sich momentan glücklich schätzen, in der IT-Branche zu arbeiten? Ich glaube ja. Ich bin da ganz ehrlich und glaube, dass die IT-Branche aufgrund ihrer nach wie vor großen Dynamik und auch der Unterstützung und Optimierung der Geschäftsprozesse, was sie ja auch als Ziel hat, von den Wirtschaftszweigen sicherlich eine derer ist, der am geringsten betroffen ist. Das kann man schon sagen, hat aber auch damit zu tun, dass wir Innovationen ermöglichen, und das gilt nicht nur für Microsoft, sondern generell in der Branche. Ich glaube aber schon, dass wir sagen können, dass wir relativ spät von den Auswirkungen betroffen sein werden. Das sieht man auch schon, vor allem im Verhältnis zu anderen Branchen, wo die Auswirkungen jetzt schon sehr offensichtlich sind.

Viele große IT-Unternehmen sprechen zum Teil hinter vorgehaltener Hand auch von einer großen Chance, die die Krise für die IT-Branche mit sich bringt. Effiziente IT sei wichtiger denn je, so der Tenor. Sehen Sie das auch so? Absolut. Wenn Sie sich Abläufe in Unternehmen ansehen, wenn es darum geht Kosten zu sparen, bevor Mitarbeiter entlassen werden, müssen die Geschäftsprozesse umgestellt werden. Das ist natürlich ein Aspekt, wo man IT-Investitionen in ein anderes Licht rücken kann. Diese Investitionen werden unmittelbar und mittelbar auf der Kostenseite wirksam. Eine Konsolidierung der Infrastruktur könnte auch helfen, wie etwa bei Unified Communications, wo gerade durch eine andere Gesprächskultur bei Reisen ein großes Einsparpotenzial bei Zeit und Geld gegeben ist. Es wird in Zukunft darum gehen, mit den gleichen oder auch, negativ betrachtet, mit weniger Personal wachsen zu können, und da ist die IT einfach ein Vehikel für jedes Unternehmen, dies dann auch umzusetzen. Daher kann ich Ihre Frage nur positiv beantworten. Ich glaube dass die IT im Wesentlichen unterstützend ist für Effizienzmaßnahmen, und da gibt es einige sehr gute Beispiele. Viele Abteilungen haben wonöglich erst jetzt die Zeit, diese Maßnahmen umzusetzen oder liegen gebliebene Projekte anzugehen.

Kann die IT-Branche der große Gewinner der Krise werden? Ich denke, dass die IT mit der Biotechnologie und der Umwelttechnik zu den Gewinnern zählen könnte. Ich mag aber den Begriff in diesem Zusammenhang nicht. Ich würde sagen, dass sie unterstützen kann, und alles was man heutzutage unterstützt kann die Effizienz zu steigern, wird von der Krise sicher weniger betroffen sein.

CEO Steve Ballmer scheint sich um Microsoft ja wenig Sorgen zu machen und hat sich zuletzt auch für die Wiederaufnahme der Verhandlungen mit Yahoo ausgesprochen. Ich würde seine Aussagen als gemäßigten Optimismus interpretieren. Betriebswirtschaftlich betrachtet sollte man sich in Zeiten wie diesen antizyklisch verhalten. Das ist so. Das heißt, dass Sie investieren müssen, um das Unternehmen nicht in ein Risiko zu bringen. Wenn man die Mittel hat, macht es Sinn, sie in Innovation zu investieren und Innovation zu treiben. Wenn Microsoft das nicht macht, wird es nicht viele andere geben, die es tun werden.

Ein großer Cashflow in der Krise kann sich also auf den Preis positiv auswirken? Ja. Wir in Österreich sind da aber nicht involviert. Es geht auch weniger um Yahoo, als vielmehr um die grundsätzliche Ausrichtung und Innovationsbereitschaft in Krisenzeiten, und die ist gegeben. Ich finde, das ist ein sehr wichtiges Signal.

Microsoft wird zum ersten Mal in der Geschichte Mitarbeiter abbauen. Ist ein Personalabbau für Österreich geplant? Steve Ballmer hat angekündigt, dass innerhalb von anderthalb Jahren eine gewisse Anzahl weltweit abgebaut werden soll, Österreich ist derzeit davon nicht betroffen. Ich kann das aber dauerhaft nicht ausschließen. Das hängt von der Ergebnislage ab. Wenn wir unsere Budgets aurecht erhalten können, will ich mit der aktuellen Personalstärke weitermachen, das ist auf jeden Fall das Ziel. Wir werden einzelne Positionen bei natürlicher Fluktuation ersetzen, neue Mitarbeiter wird es aber in absehbarer Zeit nicht geben.

Das Gespräch führten Michaela Holy und Alexander Wolschann.

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