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11.06.2009 Rudolf Felser

Windows 7 ohne Internet Explorer

In Europa wird der Internet Explorer aus dem Betriebssystem entfernt.

Um auch in Europa seinen für Windows 7 angekündigten Start mit 22. Oktober (siehe auch "Windows 7 kommt im Oktober") halten zu können sieht sich Microsoft zu einem radikalen, wenn auch mittlerweile fast zur Gewohnheit gewordenem, Schritt gezwungen: In Europa wird der Internet Explorer aus dem Betriebssystem entfernt. Hintergrund ist das laufende Wettbewerbsverfahren der EU-Kommission gegen Microsoft, das vom Mitbewerber Opera Software ins Laufen gebracht wurde. Demnach würde sich Microsoft einen unfairen Vorteil verschaffen, indem das Unternehmen sein Betriebssystem mit dem Internet Explorer koppelt. Mozilla unterstützt Opera in dem verfahren. Mit diesem Vorgehen könnte es Microsoft tatsächlich gelingen, potenziellen Auflagen oder Sanktionen, die den Verkaufsstart von Windows 7 verzögern würden, auszuweichen.

Microsoft hat mittlerweile dementsprechende Medienberichte, die nach dem Auftauchen einer Nachricht des Softwarekonzerns an PC-Hersteller erschienen sind, bestätigt. "Wir sind verpflichtet Windows 7 rechtzeitig in Europa zu launchen, deshalb müssen wie der Rechts-realität in Europa ins Auge sehen, auch dem Risiko hoher Strafen", schrieb Microsoft-Manager Dave Heiner in einem Blog.

PC-Hersteller und Distributoren werden allerdings in der Lage sein, Windows 7 jedweden Browser hinzuzufügen, Microsoft plant es ihnen besonders leicht zu machen. Anwender die Windows 7 nicht mit einem neuen Computer, sondern als Softwarepaket zum Upgraden einer bestehenden Maschine erwerben, sollen auch nicht im Rege stehen gelassen werden. "Sie werden den Browser ihrer Wahl via CD, FTP, über den Retail-Kanal oder auf anderen Wegen erhalten können", sagte ein Microsoft-Sprecher unseren Kollegen vom IDG News Service. Außerdem soll es das Windows 7 Internet Pack geben, eine kostenlose DVD mit Internet Explorer 8 für Windows 7 und Windows Live Essentials.

NEUER BROWSER-KRIEG? Auch wenn Microsoft es den Herstellern leicht machen will, den Internet Explorer zu integrieren, ist eine Windwos Version ohne den Browser eine Chance für den Mitbewerb. Sie könnten versuchen den einen oder anderen Hersteller dazu zu bewegen, ihren Browser zu bevorzugen. Google beispielsweise könnte die Gelegenheit nutzen und seinen Browser Chrome unter die Leute bringen. Im Gegensatz zu den meisten anderen Browser-Herstellern hat der Suchmaschinene-Primus das nötige Kleingeld, um den Anbietern sein Produkt schmackhaft zu machen. Das würde dann unter Umständen zu einer deutlich größeren Nutzerschaft von Chrome führen.

Wahrscheinlicher ist aber, dass die PC-Hersteller ihre guten Beziehungen zu Microsoft nicht strapazieren werden und den Internet Explorer entweder alleine, oder in Kombination mit einem oder mehreren anderen Browsern, vorinstallieren werden. Bereits vor Jahren hat Microsoft in Europa, ebenfalls wegen eines Wettbewerbsverfahrens der EU-Kommission, eine Windows-Version ohne Media-Player auf den Markt gebracht – mit zweifelhaftem Erfolg (siehe "Überraschung, Überraschung: Niemand kauft Windows ohne Mediaplayer"). Natürlich war damals die Ausgangslage anders, da die User die Wahl zwischen den Verschiedenen Versionen mit bzw. ohne Player-Software hatten.

IST DIE KOMMISSION ZUFRIEDEN? Ob damit den Wünschen der EU-Kommission zur Gänze entsprochen wird, steht freilich auf einem anderen Blatt – das weiß auch Microsoft. "Unsere Entscheidung, den Internet Explorer in Europa getrennt von Windows 7 anzubieten, kann die Möglichkeit des Entstehens alternativer Ansätze durch die Prozesse der Kommission nicht ausschließen", schrieb Heiner weiter.

Die Europäische Kommission hat beispielsweise den Vorschlag eines Auswahlbildschirms in Windows 7 ins Spiel gebracht, der es dem Anwender ermöglicht aus mehreren Browsern auszuwählen. Dieses "Pop-up" könnte etwa erscheinen, wenn der Rechner das erste Mal mit dem Internet verbunden wird. Dieser Ansatz wäre allerdings weitaus komplizierter, da die Interessen zahlreicher Unternehmen – PC- wie Browser-Hersteller – unter einen Hut gebracht werden müssten. Gerade die Verhandlungen mit den Browser-Herstellern wären wohl durch die aktuellen Vorkomnisse etwas "vorbelastet". Außerdem müsste Microsoft sicherstellen, dass die Browser vernünftig supportet werden. Nichtsdestotrotz hat sich beispielsweise Opera für den Auswahlbildschirm ausgesprochen.

Offen ist indes noch, wie viel vom Internet Explorer schlussendlich doch im Windows-Code verbleibt. Microsoft verspricht schließlich, dass die Version ohne den IE genauso gut funktioniert und die selben Software-Appliaktionen unterstützt, wie jene mit dem Microsoft-Browser. Das spricht dafür, dass zumindest die Rendering-Engine an Bord bleibt. Und wie schnell ein Browser via Windows-Update am Rechner landen kann, hat man ja zuletzt beim Internet Explorer 8 gesehen. (rnf)

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