Gastkommentar: Industrie 4.0 – gibt es ein Sein nach dem Schein? Gastkommentar: Industrie 4.0 – gibt es ein Sein nach dem Schein? - Computerwelt

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07.07.2015 Jürgen Kneidinger*

Gastkommentar: Industrie 4.0 – gibt es ein Sein nach dem Schein?

Nach keinem bestimmten zeitlichen Muster, aber doch mit einer gefühlten Regelmäßigkeit taucht alle paar Jahre ein neues, meist initial politisch geprägtes Schlagwort am Horizont der nationalen und internationalen Industrie auf. Während einige Begriffe der jüngeren Vergangenheit wie Nachhaltigkeit, Energieeffizienz und Green Jobs noch immer in unseren Ohren hallen, so ist es seit geraumer Zeit die geflügelte Überschrift "Industrie 4.0" die keiner Druckschrift, Konferenz oder wirtschaftspolitischen Ansprache fehlen darf.

Jürgen Kneidinger, CEO Augmensys GmbH

Jürgen Kneidinger, CEO der Kärntner Augmensys GmbH

© Augmensys

Wie seine mittlerweile verblassenden Vorgänger reiht sich leider auch dieser Begriff nahtlos in ein zweifelhaft ruhmreiches Schema ein: er bekommt sehr viel mediale Aufmerksamkeit und ist dabei kaum definiert. Diese Schere, egal ob sie bewusst oder unbewusst offen gehalten wird, schafft auf der positiven Seite großen Spielraum für Kreativität, Innovation und Interpretation; sie schafft aber gleichzeitig auch sehr viel Platz für heiße Luft und Trittbrettfahrer.

DIE AKTEURE UND IHRE MOTIVATION

Die erwähnte mediale Aufmerksamkeit erzeugt einen Dominoeffekt dem sich kaum jemand entziehen kann, mittlerweile machen also irgendwie alle mit. Manche waren dabei durchaus anstoßende oder richtungsgebende Steine, viele wurden aber irgendwann angestoßen ohne dass sie wirklich wussten wie ihnen geschah – wie das eben beim Domino so ist. Das Credo scheint nun zu sein: Entweder man setzt sich mit dem Begriff auseinander (und vor Allem: lässt die Welt wissen, dass man dies tut) oder man wird als rückständig abgestempelt.

Als Konsequenz daraus packen die großen Zulieferer und industriellen Dienstleister den Stempel Industrie 4.0 nun gerne pauschal auf all Ihre Produkte und Dienstleistungen, wobei dabei nur in seltenen Fällen tatsächlich etwas Neues geboten wird – fast ausschließlich handelt es sich um neue Verpackungen bestehender Dinge und vor allem Unternehmen welche nicht gerade als hochdynamisch bekannt sind versuchen sich damit ein innovatives und visionäres Image zu verpassen. Wer kann es ihnen verdenken, die schwammige Definition lädt ja auch regelrecht dazu ein; jeder der einen Rundgang auf der diesjährigen Hannover Messe gemacht hat wird mit Erstaunen festgestellt haben, welche Produkte einem da plötzlich als revolutionär, oder zumindest zur Revolution beitragend, serviert werden.

Die großen Produktionsunternehmen wiederum gründen und unterhalten Innovationsgruppen, Task Forces und ganze Abteilungen die sich mit der Transition der eigenen Fertigung zu Industrie 4.0 auseinandersetzen. Die Ergebnisse sind oft sehr theoretisch und manifestieren sich gerne in ausufernden Foliensätzen, gegenseitigen Vorträgen in Interessensgruppen und -verbänden sowie verbalen Bekenntnissen zum Thema, idealerweise vor laufender Kamera oder offenem Mikrofon. Auch diese Position ist verständlich, denn schließlich gilt es Aktionären entsprechende Wachstumsperspektiven in einem sich verstärkenden globalen Wettbewerb zu liefern.

Und dann gibt es noch die Politik, die Industrie 4.0 der Einfachheit halber gleich mal als Antwort auf alle Fragen zu wirtschaftlichen Herausforderungen der kommenden Jahre auserkoren hat; auch hier hilft die wenig vorhandene inhaltliche Abgrenzung ungemein: Globalisierung? Kein Problem, wir befinden uns doch auf dem Weg zu Industrie 4.0. Arbeitslosigkeit? Thema von gestern, wo doch Industrie 4.0 tausende neue Jobs schaffen wird. Wirtschaftswachstum? Na klar, mit Industrie 4.0 von nun an jedes Jahr und steiler als zuvor…

DURCHWACHSENE BILANZ

Objektiv betrachtet müsste man dem Thema also ein durchwegs schlechtes Zeugnis ausstellen und es klar in die Kategorie Schall und Rauch einsortieren. Ganz so schlimm ist es bei genauerem Hinsehen jedoch nicht, denn immerhin führte es bereits dazu dass sich Industrieunternehmen kritisch mit ihren eigenen Leistungen und Abläufen auseinandersetzen und die Notwendigkeit zur Weiterentwicklung zumindest identifiziert, teilweise auch bereits den Veränderungsprozess skizziert haben. Die erzielten Ergebnisse und Erkenntnisse sind also zumindest ein Schritt in die richtige Richtung.

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