Big Data in Österreich: Status Quo und Zukunft – Teil 2 Big Data in Österreich: Status Quo und Zukunft – Teil 2 - Computerwelt

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Big Data in Österreich: Status Quo und Zukunft – Teil 2

2. Teil unserer österreichischen Big-Data-Umfrage

2. Teil unserer österreichischen Big-Data-Umfrage

© CC0 Public Domain - pixabay.com


Klaus Sickinger, Geschäftsführer SAP Österreich

Wie sieht die Big Data/Analytics-Nutzung am heimischen Markt aus und welche Vorzeigeprojekte oder innovative Anwender gibt es in diesem Bereich?

Derzeit nutzt etwa jedes fünfte heimische Unternehmen Big-Data-Analysen, weitere zwanzig Prozent pilotieren derzeit entsprechende Projekte oder haben sie bereits abgeschlossen. Global betrachtet haben unserer Einschätzung nach etwa die Hälfte aller Unternehmen Big-Data-Technologien implementiert, weitere 21 Prozent planen ihren Einsatz.
Auch in Österreich merken wir sehr deutlich: immer mehr Unternehmen beschäftigen sich mit Big-Data-Projekten. Denn auch hier erkennen immer mehr Entscheidungsträger, dass sich durch Big Data die Wettbewerbsfähigkeit erhöhen lässt. Big Data ermöglicht neue Einblicke in Produktentwicklung, Produktion, oder Vertriebskanäle, wodurch in Folge neue Geschäftsprozesse oder sogar neue Geschäftsmodelle entstehen können.
Im Bereich innovativer Anwender ist es besonders spannend sich den Bereich Retail näher anzuschauen: innovative Handelsunternehmen agieren heute sowohl daten- als auch kundenorientiert. Mit Hilfe von Big Data erhält der Handel einen ganzheitlichen Blick auf den Kunden. Gleichzeitig muss sich das Unternehmen gegenüber dem Kunden einheitlich darstellen. Für all das benötigt der Handel IT-Lösungen, die in der Lage sind, zu jeder Zeit und auf jedem Kanal personalisierte und kontextbezogene Angebote zu machen.

Wie könnte der Big Data/Analytics-Alltag in fünf Jahren im Vergleich zu heute aussehen und welche Möglichkeiten wird es für Unternehmen und Anwender geben?

Mit Sicherheit wird Big Data im Alltag der Unternehmen endgültig angekommen sein und so zum zentralen Nervensystem der Firmen weltweit.
Daten sind bereits jetzt ein wichtiger – manche sagen der wichtigste – Rohstoff des 21. Jahrhunderts. Big Data wird sich in Richtung Smart Data entwickeln.
Immer mehr Fachabteilungen sammeln große Mengen an Informationen: aus traditionellen Quellen wie dem Verkauf, aus neuen Quellen wie sozialen Netzwerken und von mobilen Geräten in Kombination zum Beispiel von Geodaten. Aus den gewonnenen Informationen – smart data – entstehen neue Möglichkeiten für Unternehmen, wie sie Produkte verbessern, Kosten reduzieren und Kunden binden können.
Wir kennen es ja bereits jetzt schon: Spediteure nutzen Sensoren an ihren Lkws, um Auslieferungen zu beschleunigen. Hersteller können tausende Forenbeiträge in Sekundenbruchteilen danach auswerten, ob Kunden eine neue Marketingkampagne oder Änderung ihres Produkts mögen. Die Möglichkeiten, mit Smart Data zu arbeiten, wird für den Anwender noch einfacher werden.
Smart Cities mit smart metering oder smart traffic, smart living oder auch smart manufacturing – all dies wird in eine "smart economy" und "smart government" fließen.
Dennoch wird es eine große Herausforderung der nächsten Jahre sein, gut ausgebildete Experten für Big Data auf dem Markt zu finden. Das Wissen dieser Experten wird für Unternehmen essentiell, denn ohne ihr Know-How kann der Rohstoff Daten nicht verwendet werden. Wer also gute Spezialisten möchte, muss in diese investieren und sie langfristig an sich binden.
Ich bin mir sicher, dass auch in fünf Jahren Big Data ein großes Gesprächsthema sein wird – denn Unternehmen sind gefordert, in immer kürzer werdenden Zeitspannen wettbewerbsentscheidende Aussagen treffen können.


Mikko Katila, Country Manager SAS

Wie sieht die Big Data/Analytics-Nutzung am heimischen Markt aus und welche Vorzeigeprojekte oder innovative Anwender gibt es in diesem Bereich?

Geht es nach dem Hype Cycle des Analystenhauses Gartner, ist der Hype um Big Data und Big Data Analytics zu Ende. Ich bin darüber gar nicht unglücklich, denn das bedeutet: Big Data ist in der Praxis angekommen. Das gilt selbstverständlich auch für Österreich – selbst wenn das Potenzial in manchen Wirtschaftsbereichen noch keinesfalls ausgeschöpft wird. Das zeigen uns unter anderem die Ergebnisse der Studie Wettbewerbsfaktor Analytics 2015, die SAS gemeinsam mit der Universität Potsdam durchführt, um den analytischen Reifegrad der Unternehmen in der DACH Region zu ermitteln. Demnach nützen 90 Prozent der 7.000 befragten Unternehmen nur die Hälfte ihrer verfügbaren Daten. Das ist schade, denn die Digitalisierung bietet große Chancen für Innovationen. Diese Chancen zu finden und in Geschäftsmodelle umzusetzen, ist allerdings nicht einfach, weil Big-Data-Projekte anders funktionieren als übliche Projekte. Das Gros unserer Kunden hat das erkannt und stellt gemeinsam mit SAS auch bereits die Weichen, um die Transformation zum datengetriebenen Unternehmen zu schaffen. Bestes Beispiel: die ERSTE Bank und Sparkassen setzt seit Ende des Vorjahres in Vertrieb und Marketing konsequent auf die analytische Steuerung ihrer Kundenansprache. Damit will die Bank die Kommunikation mit ihren Kunden über alle traditionellen und digitalen Kanäle hinweg in Echtzeit synchronisieren und jeden einzelnen individuell ansprechen. Als analytische Plattform setzt die österreichische Bankengruppe dazu auf den Customer Decision Hub von SAS.

Wie könnte der Big Data/Analytics-Alltag in fünf Jahren im Vergleich zu heute aussehen und welche Möglichkeiten wird es für Unternehmen und Anwender geben?

Rein technologisch betrachtet, wäre vieles, was in fünf Jahren Alltag sein wird, schon heute möglich. Denken Sie nur an das Internet der Dinge: Tatsächlich wird derzeit etwa ein Prozent der von der Sensorik produzierten Daten genutzt. Dies liegt nicht etwa an der Leistungsfähigkeit der Analysesysteme, die inzwischen sowohl die großen Datenmengen speichern als auch schnell genug analysieren können, sondern an der traditionellen Herangehensweise der Menschen, die auf Basis von vorab erdachten Entscheidungsregeln handeln statt auf Basis von dynamischen, datenbasierten Analysen. Deshalb sehe ich die größten Veränderungen und Entwicklungen auch im Mindset der Entscheider: Den Blickwinkel zu erweitern und die analytische Datenbasis über die reinen Sensordaten hinaus zu erweitern. Nehmen Sie zum Beispiel Messdaten eines Wearable oder Informationen von einem Fahrzeug oder einer Maschine. Die von den Sensoren in den Geräten erfassten Daten bieten "nur" einen technischen Blickwinkel. Kombiniert mit Informationen aus sozialen Netzwerken und anderen Quellen können aber analytische Modelle erzeugt werden, die einen viel breiteren Hintergrund für Geschäftsentscheidungen bieten. Die eingesetzten Systeme können die Daten filtern, aggregieren, analysieren und auf deren Basis geeignete Aktionen auslösen. Durch eine breite, intelligente Auswertung der Daten - Analytics of Things zu neudeutsch – werden Unternehmen also tatsächlich hohe Wertschöpfung aus dem IoT erreichen.


Michael Krause, Geschäftsführer von TAP

Wie sieht die Big Data/Analytics-Nutzung am heimischen Markt aus und welche Vorzeigeprojekte oder innovative Anwender gibt es in diesem Bereich?

Die Unternehmen gelangen immer häufig zur Erkenntnis, dass sie sehr viele verschiedene Tools, vielleicht zu viele mit getrennten Datenquellen nutzen und deshalb quasi "Stand-alone Reportings" generieren. Es braucht aber zentrale, einheitliche Daten von hoher Qualität, um die notwendigen Erkenntnisse zum richtigen Zeitpunkt zu gewinnen und die erforderlichen Maßnahmen umgehend einleiten zu können. Gleichzeitig beklagen viele Unternehmen, dass Reportings meist extern beauftragt werden müssen und daher auch sehr teuer sind. Grund für die hohen Kosten ist die Vielzahl der Auswertungen, da die Anforderungen der Abteilungen und verantwortlichen Personen sehr unterschiedlich und individuell sind. Wir von TAP.DE haben deshalb für unsere Kunden ein "Self Reporting" auf Basis eines zentralen Data Warehouse und mit Microsoft Power BI entwickelt. Damit können sie verschiedenen Reportings schnell und einfach, gemäß den individuellen Anforderungen, selbstständig erstellen und anpassen. Das Ergebnis ist optisch überzeugend, hat eine große Aussagekraft und kann zudem auf allen Endgeräten genutzt werden.

Wie könnte der Big Data/Analytics-Alltag in fünf Jahren im Vergleich zu heute aussehen und welche Möglichkeiten wird es für Unternehmen und Anwender geben?

In fünf Jahren wird das eigentliche Reporting, d.h. die Erstellung der Reports, kinderleicht sein – davon bin ich überzeugt. Die Komplexität wird darin bestehen, die Daten sinnvoll und auch aussagekräftig zusammenzustellen. Welche Möglichkeiten es zukünftig geben wird, kann man heute schon erahnen, wenn man die Analysetools im Sport betrachtet: sie visualisieren beispielsweise die Echtzeit eines Fußballers oder Skifahrers im Vergleich zu seinem Konkurrenten, der Bestzeit oder eigenen Leistungen. Ich bin mir sicher, dass sich auch unser Reporting in diese Richtung entwickeln wird. Ob und wie der Mensch diese Vielzahl an Informationen in der schnelle der Zeit überhaupt verarbeiten kann, vermag ich heute noch nicht zu sagen.

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