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05.09.2016 Wolfgang Franz/pi

"Europa darf den Anschluss bei Big Data nicht verlieren“

Microsoft-Arbeitskreis in Alpbach: Big Data bietet Potenzial für eine florierende Wirtschaft und die Zukunftsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts Österreich. Die Ängste um persönliche Daten sind jedoch groß.

Rainer Nowak, Renate Brauner, Dorothee Ritz, Andreas Bierwirth und Rainer Knyrim beim Microsoft Arbeitskreis im Rahmen des Europäischen Forum Alpbach 2016.

Rainer Nowak, Renate Brauner, Dorothee Ritz, Andreas Bierwirth und Rainer Knyrim beim Microsoft Arbeitskreis im Rahmen des Europäischen Forum Alpbach 2016.

© Microsoft/APA/Birgit Pichler

Unter dem Titel "Big Data – Blick in die Zukunft, oder: das Ende des Zufalls?" diskutierten unter der Leitung von Rainer Nowak (Herausgeber und Chefredakteur der Tageszeitung Die Presse), Andreas Bierwirth (CEO T-Mobile Austria), Renate Brauner, (Finanz- und Wirtschaftsstadträtin der Stadt Wien), Rainer Knyrim (Rechtsanwalt für Datenschutzrecht) und Dorothee Ritz (General Manager, Microsoft Österreich GmbH) über Herausforderungen und Chancen von Big Data sowie nötige Rahmenbedingungen, um die enorme Datenmenge für Wirtschaft und sozioökonomische Entwicklung bestmöglich zu nutzen.

Wir stehen am Beginn der vierten industriellen Revolution
Im Zuge der Digitalisierung ist die Menge der Daten in den letzten Jahren explosionsartig gestiegen, und sie wird dies auch in den kommenden Jahren tun – durch die Kommunikation zwischen Maschinen, Sensoren und Alltagsgegenständen, durch die zunehmende Automatisierung von Prozessen, durch die Nutzung externer Datenbanken, durch das neue mobile Arbeiten und die sozialen Netzwerke. "Big Data ist Realität und bei einem prognostizierten Datenwachstum auf 44 Zettabyte im Jahr 2020 sind diese Daten ein Rohstoff von unschätzbarem Wert - vorausgesetzt es gelingt, verfügbare Daten in brauchbare Informationen umzuwandeln", meinte Dorothee Ritz und war überzeugt, dass wir heute erst am Beginn einer Entwicklung stehen, die man als "vierte industrielle Revolution" bezeichnen könne, weil damit eine Produktivitätssteigerung einhergehe. Viele Lebensbereiche werden sich durch die Nutzung von Big Data tiefgreifend verändern. "Um die Entwicklungen in gewünschte Bahnen zu leiten müssen wir heute handeln, die Chancen von Big Data ausloten und die richtigen Entscheidungen treffen. Lieber mitgestalten statt sich gestalten lassen", so Ritz.

Europa darf nicht den Anschluss verlieren
Wo es um (Nutzer-)Daten geht, da brauche es Regeln und Rahmenbedingungen, um den Einzelnen zu schützen. Vor zu viel Regulierung im Vorfeld warnte allerdings Andreas Bierwirth und sah den Wohlstand in Europa gefährdet, wenn nicht chancen- sondern risikoorientiert vorgegangen werde. Für Europa sei es möglicherweise nicht erst 5 nach 12, sondern schon halb eins, denn Datenströme fließen derzeit v.a. in die USA. Der Datenbesitz werde zunehmend den Wert eines Unternehmens bestimmen und die Macht von Big Data liege zurzeit in den Händen einiger weniger US-Konzerne. Daher plädierte Bierwirth dafür, die Chancen zu ergreifen und ex post zu regulieren und zwar bevor Europa endgültig den Anschluss an die USA verliere. Nach Renate Brauner müssen Politik und Wirtschaft hier aber eher Hand in Hand gehen.
Um den Rückstand zu Amerika aufholen zu können, bedürfe es laut Ritz einer besseren Infrastruktur. Es liege auch in der Verantwortung der Betreiber, Datenmengen in Europa zu verarbeiten. Microsoft weigere sich beispielsweise, europäische Daten an US-Behörden weiterzugeben. Ausnahmen werden nur gemacht, wenn rechtmäßige Anfragen von Strafverfolgungsbehörden vorliegen – wenn es beispielsweise um die Aufklärung eines Attentats geht. Auch Bierwirth sah in der Verarbeitung der Daten in Europa eine Chance für europäische Unternehmen, sich gegenüber den USA zu behaupten und erfolgreich in die Zukunft zu gehen.

Das Potenzial von Big Data: Internet der Dinge
Technologie lasse sich nicht aufhalten. "Man muss die Diskussion zu Big Data über Chancen beginnen, sonst kommen wir nicht weiter", meinte Dorothee Ritz weiter. Big Data berge unbestritten für viele Bereiche des täglichen Lebens enormes Potenzial. So sei es die entscheidende Grundlage für das Internet der Dinge. Dieses ermögliche beispielsweise eine vernetzte Produktion, die flexibel auf Marktentwicklungen reagieren, Kapazitäten besser auslasten und Kundenwünsche individueller bedienen könne. "Intelligenz von Dingen wird bisher nur zu einem sehr geringen Prozentsatz genutzt. Wir stehen bei der Ausschöpfung des Potenzials erst am Anfang", so Ritz.

Big Data: Große Chancen mit einigen Risiken
Auch die Stadt Wien hat die Bedeutung der Daten schon lange erkannt. "Die Stadt würde ohne Big Data nicht funktionieren", meinte Brauner und spielte beispielsweise auf effiziente Energienutzung und die Wiener Linien an. Sie gab aber gleichfalls zu bedenken, dass technische Entwicklung auch problematisch werden könne. "Man muss diese Probleme erkennen und wenn nötig eingreifen." So entstehen durch Datenmonopole neue Machtzentren und durch Algorithmen geschaffene Filterbubbles könnten die Meinungsvielfalt bedrohen. Die Stadt Wien stehe den neuen Entwicklungen aber grundsätzlich positiv gegenüber und nutze eine Open Data Strategie, bei der alle Daten vor Veröffentlichung einer strengen Datenschutzprüfung unterzogen werden.

Der Open Data Ansatz komme allen BürgerInnen zugute, z.B. in Form von besseren Verkehrsströmen und weniger Staus, Chancen für den IT-Standort Wien, Chancen in der Medizin und der Verbesserung des Bürgerservice. "Technischer Fortschritt und die Chancen von Big Data müssen den Menschen nutzen und es ist die Aufgabe der Politik, dafür zu sorgen", so Brauner über die zwingende Erfordernis, technologische und soziale Innovationen miteinander zu verbinden.

Ängste um den Datenschutz sind groß
Immer mehr Menschen stellen über die Sozialen Medien immer mehr persönliche Daten ins Netz. Gleichzeitig seien die Ängste rund um den Datenschutz groß – ebenso das Misstrauen gegenüber US-amerikanischen Konzernen und deren oftmals freizügiger Datennutzung. Datenschutzexperte Rainer Knyrim klärte auf, dass es grundsätzlich verboten sei, mit personenbezogenen Daten zu arbeiten, es sei denn, dass sich z.B. der Nutzer damit einverstanden erklärt habe. Dies nutzen Log-In-Giganten wie Facebook als Basis ihres Geschäftsmodells. Bei der Nutzung der Daten müssen sie künftig allerdings entsprechend der neuen EU-Datenschutz-Grundverordnung Schutzmaßnahmen wie die Pseudonomisierung ergreifen.
Ritz betonte ergänzend, dass Big Data ohnehin keine Rückschlüsse auf die oder den Einzelnen zulasse, da Daten nur aggregiert betrachtet und ausgewertet werden. Dabei dürfe natürlich kein Zweifel an der Anonymisierung personenbezogener, sensibler Daten bestehen.

Dies versuche man derzeit v.a. durch Sanktionen zu erreichen, die heute viel höher seien als früher, so Knyrim. Betrug die maximale Strafe für Nichteinhaltung früher 25.000 Euro, so liege sie dank der EU-Datenschutz-Grundverordnung künftig bei 20 Mio. Euro oder 4 Prozent des globalen Umsatzes.

Dennoch steige in der Bevölkerung die Angst vor der Macht der Algorithmen. Davor, dass ein Algorithmus Entscheidungen auf Basis individueller und sensibler Daten trifft. Beispielsweise werde befürchtet, dass künftig etwa bei Einkäufen finanzschwachen Kunden eine Finanzierung sofort automatisiert verweigert werde.

"Um Big Data als Chance ergreifen zu können, müssen wir Akzeptanz und Vertrauen in eine Datenwirtschaft schaffen, die den Menschen und der Gesellschaft nützt und den Wirtschaftsstandort Österreich nachhaltig stärkt", so Ritz weiter. Dazu brauche es vor allem Transparenz und klare Regeln und die Balance zwischen Datenschutz und Datennutzung. Nur auf dieser Basis könnten neue, international wettbewerbsfähige Geschäftsmodelle wachsen.

Interaktiver Austausch mit Studierenden am Forum Alpbach
Während den Wirtschaftsgesprächen am Forum Alpbach veranstaltete Microsoft Österreich neben der Podiumsdiskussion auch ein interaktives Event für High Potentials. Studierende hatten in Form eines so genannten "World Cafés" die Möglichkeit, mit Microsoft MitarbeiterInnen zu unterschiedlichen Themenschwerpunkten zu diskutieren. Die Veranstaltung war in 6 Themenblöcke gegliedert, darunter New World of Work & Women in IT, Transformation und Kulturwandel, Zukunftskonzepte in Zeiten der Digitalisierung, Trust in Cloud, Entrepreneurship in Großkonzernen sowie das Internet der Dinge.
Im Anschluss an die einzelnen Themendiskussionen wurden die Diskussionsergebnisse zusammengefasst und präsentiert.

"Der Austausch mit den Führungskräften der Zukunft ist uns ein besonderes Anliegen. Als Microsoft arbeiten wir an den großen Themen der Zukunft, die Meinung, die Interessen und Gedanken der jungen Generation sind daher für uns von großer Bedeutung. Zudem haben Studierende damit auch die Möglichkeit, einen besseren Einblick in das Unternehmen Microsoft und unseren Blick auf die Welt zu bekommen", so Ritz.


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