Geofencing: Ortsbestimmung für sich arbeiten lassen Geofencing: Ortsbestimmung für sich arbeiten lassen - Computerwelt

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15.11.2017 Sarah K. White *

Geofencing: Ortsbestimmung für sich arbeiten lassen

Mit Hilfe von Geofencing lässt sich eine bestimmte Aktion für einen Bereich definieren. So können Unternehmen die virtuellen Grenzen nutzen.

Neben der Überwachung ist das Aussenden von ortsbasierter Werbung eines der Hauptanwendungsfelder von Geofencing.

Neben der Überwachung ist das Aussenden von ortsbasierter Werbung eines der Hauptanwendungsfelder von Geofencing.

© pecaphoto77 - shutterstock.com

Geofencing, ein Kunstwort aus geographic (geographisch) und fence (Zaun), ist ein ortsbasierter Dienst, bei dem eine App oder eine andere Software GPS-, RFID-, WLAN- oder Mobilfunksignale nutzt, um eine vorher definierte Handlung auszulösen, wenn ein mobiles Endgerät oder ein RFID-Tag eine virtuelle geografische Begrenzung (Geofence) überschreitet.

Je nach Konfiguration kann es sich bei der durch Geofencing ausgelösten Aktion um eine Push-Benachrichtigung, Textnachricht oder Warnmeldung handeln, bekannte Szenarien sind außerdem das Versenden gezielter Werbebotschaften in Social Media oder das Tracking von Fahrzeugflotten, das Deaktivieren von bestimmter Technologie oder die Bereitstellung von standortbezogenen Marketingdaten.

Einige Geofences sind auch für die Überwachung von Aktivitäten in Sicherheitsbereichen eingerichtet, etwa, indem die Verwaltung Warnmeldungen erhält, wenn jemand einen bestimmten Bereich betritt oder verlässt. Unternehmen können Geofencing aber auch nutzen, um Mitarbeiter im Außendienst zu überwachen, Zeitkarten zu automatisieren oder das Firmeneigentum im Auge zu behalten.

Wie Geofencing funktioniert
Um Geofencing nutzen zu können, muss ein Administrator oder Entwickler zunächst in einer GPS- oder RFID-fähigen Software eine virtuelle Grenze um einen bestimmten Ort herum festlegen. Dabei kann es sich etwa um einen simplen Umkreis von 25 Metern um einen Standort in Google Maps handeln, wenn dies bei der Entwicklung einer mobilen App mithilfe von APIs festgelegt wurde. Dieses virtuelle Geofence löst dann eine vom Administrator oder Entwickler festgelegte Reaktion aus, wenn ein autorisiertes Gerät den definierten Bereich betritt oder verlässt.

Üblicherweise ist ein Geofence bereits im Code einer mobilen App vordefiniert, insbesondere, da die Nutzer zustimmen müssen, dass die App auf standortbasierte Dienste zugreifen darf. Wenn Sie etwa zum Ort einer Veranstaltung gehen, gibt es dort häufig eine App, die Infos über das Event bereitstellt.

Ein bekanntes Szenario ist außerdem, dass ein Einzelhändler seine Verkaufsstellen mit einem Geofence umgibt, um so mobile Alerts an Kunden zu senden, die seine App auf ihrem Smartphone installiert haben. In diesem Fall sind die Daten für das Geofence in der App hinterlegt und die Nutzer können entscheiden, ob die App auf Ortungsdienste zugreifen kann oder nicht.

Auch Endanwender können Geofences einrichten, indem sie entsprechende Funktionen in mobilen Apps nutzen. Diese Anwendungen, ein bekanntes Beispiel wäre etwa iOS Reminders, erlauben es dem Nutzer, eine Adresse oder einen Ort auszuwählen und via IFTTT (If this, then that) mit einem bestimmten Alert oder einer Push-Benachrichtung zu verknüpfen. Eine solche Verknüpfung wäre etwa "Mach das Licht an, wenn ich zwei Meter von der Haustür entfernt bin". Sie können eine solche Erinnerungs-App aber auch bitten, Ihnen eine Benachrichtigung zu schicken, wenn Sie in der Nähe eines bestimmten Ortes (z.B. Post, Bücherei…) sind.

Geofencing eignet sich aber nicht nur für mobile Apps - es wird auch verwendet, um Fahrzeuge in der Logistikbranche, oder Vieh in der Landwirtschaft zu kontrollieren und zu tracken. Und auch in der anhaltenden Diskussion um Drohnen taucht der Begriff häufig auf, nahezu jede Drohne ist nämlich vorprogrammiert, um Geofencing zu unterstützen. Flugverbotszonen sind üblicherweise Gebiete um Flughäfen, Stadien und andere Open-Air-Veranstaltungen.

Geofencing-Anwendungen
Mit der zunehmenden Popularität von mobilen Endgeräten gehört Geofencing für viele Unternehmen mittlerweile zum Standard-Repertoire. Der Grund: Hat man erst einmal eine geografische Fläche definiert, sind die Möglichkeiten, was Unternehmen damit machen können, schier endlos. Besonders beliebt ist Geofencing dabei in Marketing und Social Media. So richten einige Einzelhandels- und Gastronomiebetriebe inzwischen sogar Geofences rund um Läden der Konkurrenz ein. Nähern sich potenzielle Kunden der Grenze, erhalten sie via Push-Mitteilung die Aufforderung, die andere Einrichtung zu besuchen.

Ein beliebtes Szenario ist auch, dass der Kunde beim Betreten eines Geschäfts einen Gutschein auf sein Device gesendet bekommt. Hat man die App einer Supermarktkette auf sein Smartphone geladen, sind die Chancen hoch, dass diese feststellt, wenn man an einem ihrer Geschäfte vorbeifährt, und einen Hinweis auf Sonderangebote sendet. Hier weitere bekannte Geofencing-Anwendungen:

Social Networking: Eine der bekanntesten Anwendungen für Geofencing findet man in bekannten Social-Media-Apps - allen voran Snapchat: Ortsbezogene Filter, Aufkleber und andere gemeinsam nutzbare Inhalte werden alle durch Geofencing ermöglicht. Ganz gleich, ob Sie bei einem Konzert einen Werbefilter verwenden, einen maßgeschneiderten Filter für den Geburtstag eines Freundes verwenden oder öffentlich zugängliche, standortbezogene Geschichten (Custom Stories) hochladen - das alles funktioniert nur dank dieser virtuellen Perimeter.

Marketing: Neben Social Networking ist Geofencing ein beliebtes Mittel für Unternehmen, Sonderangebote in ihren Läden zu bewerben, indem sie in der Nähe befindliche Kunden darauf hinweisen. Außerdem können Firmen mit Hilfe von Geofencing Werbung an eine bestimmte Zielgruppe anpassen um festzustellen, welche Strategien basierend auf den Standort des Nutzers am besten funktionieren.

Einbindung des Publikums: Geofencing wird eingesetzt, um Menschenmassen bei organisierten Veranstaltungen wie Konzerten, Festivals, Messen und ähnlichem besser anzusprechen. Zum Beispiel könnte ein Konzertsaal einen Geofence nutzen, um Nachrichten aus sozialen Medien zu erhalten oder Informationen über den Veranstaltungsort oder die Veranstaltung bereitzustellen.

Smart Appliances: Immer mehr Haushaltsgeräte werden "smart" und sind mit Bluetooth ausgestattet. Dadurch ist es leichter denn je, etwa den Kühlschrank so zu programmieren, seinen Besitzer daran zu erinnern, Milch zu kaufen, wenn er an einem Supermarkt vorbeikommt. Oder der Nutzer kann dank Geofencing sicherstellen, dass in der Wohnung die richtige Temperatur herrscht, wenn er von der Arbeit nach Hause kommt.

Human Resources: Einige Unternehmen verlassen sich auf Geofencing, um ihre Mitarbeiter zu überwachen, insbesondere solche, die im Außendienst tätig sind. Geofencing ist auch eine einfache Möglichkeit zur Arbeitszeiterfassung, da Mitarbeiter am Eingang automatisch ein- und ausgeloggt werden.

Telematik: Geofencing kann auch bei der Telematik hilfreich sein. So können Unternehmen virtuelle Zonen um Standorte, Arbeitsbereiche und Sicherheitsbereiche herum festlegen. Passiert diese ein Fahrzeug oder eine Person, wird eine Benachrichtigung oder Warnung an den Bediener gesendet.

Security: Geofencing mag in die Privatsphäre eingreifen und es besteht sicherlich die Gefahr, damit über das eigentliche Ziel hinauszuschießen - je nachdem, wie es verwendet wird. Die virtuellen Grenzen können aber auch dazu genutzt werden, um für mehr Sicherheit zu sorgen. So können Sie z. B. mit einem Geofence Ihr Smartphone so einstellen, dass es zuhause entsperrt wird, oder dass Sie eine Benachrichtigung erhalten, wenn jemand das Haus betritt oder verlässt. Bekannte Beispiel sind außerdem Geldtransporter oder Mietwägen - auch hier wird via Geofencing sichergestellt, dass sich die Fahrzeuge nur in einem bestimmten Bereich bewegen.

Mobile Device Management: Auch im Mobile-Umfeld kann es sinnvoll sein, virtuelle Grenzen zu ziehen. So kann die IT-Abteilung mit Hilfe von Geofencing-Features in MDM-Lösungen unter anderem dafür sorgen, dass bestimmte Devices das Firmengelände oder Bereiche davon nicht verlassen - falls doch, wird ein Alarm ausgelöst und die Geräte geortet, remote gesperrt oder sogar gelöscht.

Außerdem ist es möglich, die Verwendung bzw. Nichtverwendung von bestimmten Apps oder Funktionen von der Position abhängig zu machen. So lässt sich etwa durch Geofencing die Kamera eines Smartphones deaktivieren, wenn ein Mitarbeiter die Forschungsabteilung eines Unternehmens betritt, Krankenhäuser können sicherstellen, dass ihr Personal nicht außerhalb des Gebäudes auf Patientendaten zugreifen kann.

Geofencing kann auch eine Rolle bei der Multifakctor-Authentifizierung spielen, d.h. ein Nutzer kann sich nur dann in einem Netzwerk registrieren, wenn er innerhalb eines Gebäudes (und nicht etwa auf der anderen Seite der Mauer) befindet.

Die Zukunft des Geofencing
Es gibt einigen Vorsichtsmaßnahmen, die man beim Geofencing beachten sollte - besonders wenn es um den Schutz der Privatsphäre beim Marketing geht. So hat Massachusetts erst im vergangenen Jahr als einer der ersten US-Bundesstaaten ein Verbraucherschutzgesetz verabschiedet, das sich gegen den Einsatz von standortbasierter Werbung wandte. Auslöser war eine von einer christlichen Organisation in Auftrag gegebene Werbekampagne von Copley Advertising. Das Unternehmen hatte Geofences um 140 Abtreibungskliniken in fünf US-Städten, einschließlich New York und St. Louis, herum aufgebaut, mit dem Resultat, dass jeder Nutzer innerhalb oder in der Nähe einer solchen Klinik auf seinem Smartphone Anti-Abtreibungs-Werbung im Browser oder in bestimmten Apps angezeigt bekam.

Trotz solcher und weiterer Missbrauchsmöglichkeiten scheint es nicht so, dass Geofencing in der nächsten Zeit an Popularität einbüßen wird. Das Research-Unternehmen MarketsandMarkets geht etwa davon aus, dass der Markt für solche Lösungen bis 2022 auf 1,8 Milliarden Dollar wachsen wird, das entspricht einem mittleren jährlichen Zuwachs von über 27 Prozent. Als Grund verweisen die Marktforscher auf die technischen Fortschritte bei der Nutzung von ortbasierten Daten und dem Anstieg entsprechender Anwendungen in zahlreichen Industriebereichen.


* Sarah K. White schreibt für unsere US-Schwesterpublikation CIO.com.

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