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28.09.2011 Andreas Schaffry *

Zehn Unwahrheiten über Stammdaten-Management

Eine ERP-Einführung macht Stammdaten-Management überflüssig – noch immer sitzen Firmen diesem Mythos auf. Gartner entzaubert ihn und neun weitere Legenden.

Ein zentrales und effizientes Master Data Management (MDM) kann Unternehmen viele Vorteile bieten. Dadurch lassen sich beispielsweise Geschäftsabläufe flexibler und leistungsfähiger gestalten sowie IT-Kosten senken, denn die Aktualisierung und Pflege verteilter Stammdaten-Silos entfällt. "Master Data Management ist der neueste Versuch, um dem Daten-Chaos in Unternehmen Herr zu werden", sagt Andrew White, Analyst beim US-Marktforschungsinstitut Gartner. "Doch wie bei jedem neuen Thema gibt es dazu viel heiße Luft und zahlreiche Missverständnisse."

Einheitliche Stammdaten bilden wichtige Voraussetzungen für einen unternehmensweit reibungslosen Datenaustausch sowie durchgängige Prozesse und Analysen. Die Marktforscher definieren MDM dabei als die Möglichkeit, auf Basis moderner IT-Technologien einheitliche und exakte Stammdaten zu schaffen und semantisch konsistent zu verwalten.

Viele MDM-Programme scheitern Unternehmen, die MDM-Vorhaben erfolgreich umsetzen wollen, müssen deshalb diverse technische und organisatorische Hürden überwinden und Fehler vermeiden. Doch genau daran sind in der Vergangenheit viele MDM-Initiativen gescheitert. Deshalb hat Gartner-Analyst White in dem Traktat "The 10 Myths and Realities of Master Data Management" die meist falschen Vorstellungen zu Master Data Management entzaubert.

Mythos 1: Bei MDM geht es um die Implementierung einer Technologie. Stimmt nicht: Bei MDM geht es nicht um eine spezielle Technologie oder ein Bündel von Technologien. In Wirklichkeit muss sich MDM auf die Betriebsabläufe konzentrieren, denn es geht dabei in erster Linie um ein Verständnis, wie Geschäftsprozesse laufen sollen. Da Stammdaten immer vom Business und nicht von der IT generiert werden, ist auch MDM eine Business-Aufgabe.

Mythos 2: MDM ist ein Projekt. Nein, MDM ist ein Programm, das nachhaltig und dauerhaft die Art und Weise verändert, wie Firmen Stammdaten anlegen und verwalten. Für die Umsetzung entsprechender Programme sind jedoch unter Umständen viele Einzelprojekte nötig. Als Technologie-unterstütztes Vorhaben ist MDM auch die gemeinsame Aufgabe des Business und der IT-Organisation, um konzernweit eine einheitliche, fehlerfreie und konsistente Stammdatenbasis aufzubauen. Zugleich braucht es Wege, um Stammdaten mit Hilfe formalisierter Methoden zu verwalten und zu pflegen.

Date Warehouse ersetzt MDM nicht Mythos 3: Wir brauchen kein Master Data Management, wir haben eine Data-Warehouse-Lösung. Das ist ein unsinniges Argument. MDM umfasst über eine gesamte Organisation hinweg bereichsübergreifend alle Geschäftsprozesse. Das schließt die Datenspeicherung sowie operative und analytische Abläufe ein. Zwar gibt es Überschneidungen mit Business Intelligence (BI), etwa bei Themen wie Datenqualität oder ETL-Prozessen (Extract, Transform, Load), doch die Ziele sind völlig unterschiedlich. MDM, genauer operatives MDM, kümmert sich nur um Stammdaten und operative Abläufe, inklusive Workflows und transaktionale Prozesse. BI dagegen "konsumiert" Stammdaten, um diese auszuwerten.

Mythos 4: Die Einführung einer ERP-Software macht MDM überflüssig. Das ist falsch. Zwar impliziert ein ERP-System ein unternehmensweit einheitliches Datenmodell, doch es wird von ERP-Anwenderfirmen nur selten realisiert. Durch die Implementierung einer ERP-Software wird nicht automatisch auch MDM unterstützt, denn ERP-Lösungen sind in sich geschlossene Anwendungs-Suiten. Master Data Management ist darauf ausgelegt, über alle Anwendungen (ERP, CRM, SCM) hinweg zu arbeiten.

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