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11.05.2011 Martin Bayer*

iPhone, iPad, Notebook: Der Tod des Firmen-PCs

Die Art und Weise, wie Anwender in den Unternehmen mit IT umgehen, steht vor tiefgreifenden Veränderungen. CIOs, die sich darauf richtig einstellen, können davon profitieren.

Die Zeichen der Zeit stehen auf Veränderung. Immer mehr Mitarbeiter wollen auch in ihrem Arbeitsalltag nicht auf iPhone, iPad oder andere schicke Smartphones und Tablet-Rechner verzichten. Während der Trend "Bring your own Device" (ByoD) bei vielen CIOs noch auf etliche Vorbehalte trifft und vielerorts rigide Regeln den Gebrauch persönlicher Devices innerhalb der eigenen Firmen-IT verbieten, verweisen Experten auch auf die Vorteile.

"Bring your own Device" lasse sich eben nicht auf Probleme rund um Sicherheit und höhere Anforderungen in Sachen Client-Management reduzieren. Dem ständen eine höhere Produktivität und eine größere Nutzerakzeptanz gegenüber, Aspekte, von denen die Unternehmen durchaus profitieren könnten. Den IT-Verantwortlichen raten die Analysten von Gartner, IDC, Forrester und Co. deshalb dringend, sich auf das kommende IT-Zeitalter vorzubereiten und sich von den herrschenden Vorurteilen zu verabschieden.

VORURTEIL 1: BYOD BRINGT KEINE PRODUKTIVITÄTSVORTEILE Mit dem Aufkommen von leistungsstarken Smartphones und Tablet-Rechnern bekommt die Mobilisierung der IT und damit auch die der eigenen Mitarbeiter einen zusätzlichen Schub. Nach Schätzungen der Analysten von IDC arbeiten bereits heute mehr als eine Milliarde Menschen weltweit auch mobil. Mittlerweile sei es die Regel, die eigenen Mitarbeiter mit mobilen Endgeräten, meist einem Notebook, auszustatten. Die IT ist in der Post-PC-Ära angekommen, lautet daher das einhellige Fazit der Experten.

Mit der zunehmenden Mobilisierung nimmt die Produktivität in den Unternehmen zu, haben Marktforscher festgestellt.

Vor allem steige mit der Nutzung eigener Devices die Akzeptanz der User, meinen Analysten von Gartner. Statt wie früher Anträge in der IT-Abteilung stellen zu müssen, die zudem nicht selten abgelehnt wurden, könnten die Anwender nach dem ByoD-Prinzip mit den Geräten arbeiten, die ihrem persönlichen Stil entsprechen. Berücksichtigten Firmen diese individuellen Vorlieben, steige automatisch die Zufriedenheit der Nutzer und damit ihre Produktivität.

Das schlägt sich offenbar in messbaren Produktivitätsgewinnen nieder. Laut einer Studie von iPass arbeiten Angestellte mit mobilen Geräten, die sie für persönliche Anliegen wie für Unternehmenszwecke einsetzen dürfen, im Schnitt 240 Stunden mehr pro Jahr. Dass sich dabei die Grenzen zwischen Privatleben und Arbeit zunehmend auflösen, sei insbesondere für Digital Natives, die mit diesen Geräten und dem Internet groß geworden sind, kein Problem.

Im Gegenteil: Die nachwachsende Generation, die in den kommenden Jahren in die Unternehmen drängt, ist ständig online und organisiert sich - sei es privat oder im Arbeitsleben - über soziale Netze. Dies mit dem persönlich favorisierten Device jederzeit und von jedem Ort tun zu können, wird zunehmend zu einer Bedingung.

Mehr Produktivität verspricht auch die kommende Generation von Business-Applikationen. Softwarehersteller wie SAP und Oracle arbeiten mit Hochdruck daran, ihre Anwendungen zu mobilisieren. Beispielsweise ist das Management von Anwenderunternehmen so in der Lage, Auswertungen und Analysen aktueller Business-Zahlen via iPad abzurufen. Damit ließen sich Geschäftsentscheidungen schneller und sicherer treffen, so das Versprechen der Anbieter. Mit einer breiten Unterstützung verschiedener Endgeräte steigt auch die Bereitschaft, diese Anwendungen zu nutzen.

VORURTEIL 2: BYOD ERSCHWERT SUPPORT UND MANAGEMENT Mit der neuen Mitarbeitergeneration werde sich auch die Rolle der IT-Abteilungen massiv verändern, prognostizieren die Experten von Gartner. Die Befürchtungen vieler CIOs, Support und Management seien in einer zunehmend heterogenen Client-Landschaft nicht mehr zu bewältigen, wollen sie nicht gelten lassen. Vielmehr würden die Mitarbeiter mehr Verantwortung für die eigenen Geräte übernehmen, sagt Gartner-Analyst Jack Santos. Es liege in der menschlichen Natur, sich um die Dinge besser zu kümmern, die man auch selbst kontrolliert.

Mit der stärkeren Verantwortung der User würden letztendlich auch die IT-Abteilungen entlastet. Gartner schätzt, dass Unternehmen im Rahmen einer gut geplanten ByoD-Strategie bis zu 40 Prozent des Aufwands für die Anschaffung und das Management der eigenen Client-Landschaft einsparen könnten.

Darüber hinaus seien die künftigen IT-Nutzer in den Unternehmen technisch versierter, sind sich die Experten von iPass sicher. Kleinere Probleme ließen sich selbständig lösen, ohne sofort den Helpdesk der firmeneigenen IT-Abteilung bemühen zu müssen. Und auch bei größeren Problemen würden die User nicht sofort verzweifeln. Vielmehr machten sie sich auf eigene Verantwortung im Netz schlau und suchten nach Lösungen, beispielsweise in Foren, sozialen Netzen beziehungsweise bei Kollegen.

Auf Basis des wachsenden technischen Know-hows würden die Anwender künftig auf mehr Mitspracherecht bei IT-Entscheidungen pochen. Gartner-Analyst Ken McGee verweist auf die Entwicklungen rund um Cloud Computing. Oft würden Entscheidungen, bestimmte Software-Services einzukaufen, schon heute in den Fachabteilungen getroffen, ohne die IT hinzuzuziehen. "Die Technik ist nicht mehr das alleinige Revier des CIO. Sie entwickelt sich zu jedermanns Gut und damit zu jedermanns Problem."

VORURTEIL 3: BYOD REISST TIEFE SICHERHEITSLÜCKEN IN DIE FIRMEN-IT Wenn jeder Mitarbeiter sein eigenes Device mitbringt, leidet die IT-Sicherheit. Das ist das Hauptargument, das viele IT-Verantwortliche gegen ByoD ins Feld führen. Dabei dürften die damit verbundenen Folgen für die meisten Unternehmen nicht neu sein, sagen die Gartner-Experten. Schon in der Vergangenheit hätten vielerorts externe Fachkräfte mit ihren eigenen Geräten innerhalb der Firmen-IT agiert.

Das gelte etwa für Berater, die sich um die Implementierung neuer Systeme oder Prozesse gekümmert haben. Im Rahmen dieser befristeten Engagements sei es in der Regel nicht möglich, alle sensiblen Unternehmensanwendungen und -daten hermetisch vor den Externen abzuschotten, stellt Gartner-Analyst Chris Wolf fest. Das sei durchaus brisant, gerade weil diese Wanderarbeiter eventuell für ihren nächsten Auftrag bei einem Konkurrenten arbeiten.

Daher hätten sich die IT-Verantwortlichen schon in der Vergangenheit darum kümmern müssen, dass der Zugang zu kritischen Informationen reglementiert und dafür gesorgt sei, dass keine Firmendaten auf den Devices externer Mitarbeiter verbleiben, wenn sie das Unternehmen wieder verlassen.

Die Unsicherheit im Zusammenhang mit ByoD sei deshalb so groß, weil die meisten IT-Verantwortlichen noch nicht die Zeit gefunden hätten, sich mit allen Sicherheitsrisiken und -lösungen rund um iPhone, iPad und Co. wirklich auseinanderzusetzen, glaubt IDC-Analyst Ian Song. Dabei seien im Markt bereits Techniken verfügbar, mit deren Hilfe sich unterschiedlich zusammengesetzte Client-Landschaften absichern ließen.

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