"Geschwindigkeit wird zum dominierenden Faktor" "Geschwindigkeit wird zum dominierenden Faktor" - Computerwelt

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10.11.2014 Wolfgang Franz

"Geschwindigkeit wird zum dominierenden Faktor"

Martin Winkler, Managing Director von Oracle Austria, im Gespräch über Oracles Cloud-Strategie, die Highlights der vergangenen Oracle OpenWorld, ERP aus der Wolke und den Rückzug von Larry Ellison vom CEO-Posten.

Martin Winkler ist Managing Director von Oracle Austria.

Martin Winkler ist Managing Director von Oracle Austria.

© Wolfgang Franz

Larry Ellison hat seinen CEO-Posten bei Oracle zurückgelegt. Ist damit die Pionier-Zeit mit Steve Jobs, Bill Gates und Ellison vorüber?
Martin Winkler:
Nein, der Pioniergeist ist noch da, siehe Facebook oder Google. Was sich geändert hat, ist die Geschwindigkeit. Es ist beeindruckend, wie schnell die genannten Unternehmen gewachsen sind.

Selbst große Unternehmen können auch sehr schnell wieder vom Markt sein, siehe Nokia.  
Ein Trend, der sich weiter beschleunigen wird. Geschwindigkeit wird zum dominierenden Faktor. Beispiel Digitalisierung. Wir glauben immer, dass die Geschäftsprozesse alle digitalisiert und Software-gestützt sind. Das stimmt etwa für den Back Office-Bereich. Unternehmen sind damit agiler, schneller, automatisierter. Was wir jetzt jedoch sehen ist, dass die Prozesse nach außen zu den Partnern, Lieferanten aber auch zu den Endkunden direkt digitalisiert werden – siehe Social Media. Die Gefahr, dass es bergab geht, beschleunigt sich nochmals um einen Faktor. Wenn ein Produkt nicht funktioniert, spricht sich das in Windeseile herum. Früher konnte das der Distributionskanal abfedern, indem er die Kunden beruhigte. Da ändern sich die Geschwindigkeiten enorm.

Was waren für Sie die Highlights der OpenWorld?
Wir haben auf der OpenWorld nochmals den M7 SPARC-Prozessor präsentiert, ein wichtiger Meilenstein, weil wir glauben, damit einen deutlichen Wettbewerbsvorteil zu generieren. Stichwort: Software in Silicon. Hier werden wichtige Software-Funktionen in den Prozessor integriert, um die Geschwindigkeit zu steigern, etwa bei Datenbank-Abfragen oder Kompressions-Dekompressions-Themen. Da sieht man die Kraft, wenn man die Software versteht und es schafft, sie zu der darunterliegenden Hardware zu bringen. Diese Kombination ist eine der Stärken von Oracle. Der M7 ist der erste Prozessor dieser Generation, er wird im ersten Halbjahr 2015 verfügbar sein.
Zweites Highlight sind die Cloud Services. 173 neue Saas-Angebote sind unvorstellbar in gewisser Hinsicht. Auch unsere PaaS-Angebote sind bemerkenswert, wie Database as a Service, Java as a Service, Sercurity as a Service, Backup and Recovery as a Service – Dienste, die normalerweise in der IT anfallen. Wir machen diese Services in einer Attraktivität verfügbar, die wir vorher nicht hatten, und mit Möglichkeiten, sie auf die Bedürfnisse des Kunden anzupassen.

Wie würden Sie Oracles Cloud-Strategie beschreiben?
Die Ansprüche, die wir uns auch selbst setzen, sind sehr hoch. Wir haben gesagt, wir fahren eine Strategie, wo wir alle Ausprägungen von Cloud-Modellen unseren Kunden zur Verfügung stellen. Der Kunde soll die Möglichkeit haben, selbst zu entscheiden, ob er Oracle-Lösungen als Privat Cloud oder ob er die gleichen Technologien, die gleichen Produkte mit der gleichen Funktionalität als Public Cloud-Service von Oracle selbst beziehen will. Dazwischen gibt es die klassische Hybrid Cloud. Es gibt nicht den reinen Privat Cloud-Kunden oder Public Cloud-Kunden. In der Praxis ist es in beinahe allen Fällen, die ich kenne, eine Mischform. Unser Anspruch ist es, diese Mischform leicht zu realisieren, und dem Kunden die Möglichkeit zu geben, bei Bedarf einfach zu wechseln. Deswegen bieten wir in allen Fällen die haargenau gleiche Technologie. Eine Applikation, die jetzt etwa auf eine Oracle-Datenbank zugreift, kann 1:1 ohne Code-Veränderung in die Public Cloud gelagert werden.
Wir bieten zudem durch die Vielfalt des Portfolios – von Hardware bis hinauf zur Applikation – alle drei Säulen an: IaaS, PaaS, und SaaS. Wir werden sicher verstärkt SaaS und PaaS forcieren, IaaS machen wir, weil es Kunden es zum Teil verlangen. Aber ich glaube, dass die Stärke Oracles von der Kombination von Software und Hardware kommt. Durch die vielen Technologien, die wir im Haus haben, und durch die intelligente Verbindung dieser Technologien, sind wir überzeugt, das beste PaaS-Angebot auf dem Markt zu haben, unter anderem auch dadurch, dass es stärker automatisiert ist. Stärkere Automatisierung heißt weniger Risiko, höhere Performance und weniger Kosten im Betrieb. Und höhere Agilität.

In welchen Cloud-Bereichen ist die Nachfrage in Österreich am größten?
SaaS als Public Cloud, sehr stark im HR-Bereich und in allem, das in Richtung Kommunikation zum Kunden geht, z.B. Marketing. Bei klar abgrenzbaren Bereichen wie HR, Marketing, Social Media oder Big Data stellt sich die Frage, ob man diese als internes IT-Projekt realisiert oder als Service beziehen soll. Der Trend ist klar: die Mehrzahl der Entscheidung gehen in Richtung Public Cloud-Ansatz.

Sind schon die komplette Oracle Software-Landschaft als Services erhältlich?
Wir haben sicher über 300 Cloud-Lösungen im Angebot – damit sind wir der größte SaaS-Anbieter weltweit –, aber haben noch nicht alle Applikationen draußen. Wir sind auch einer der ersten, die ERP aus der Cloud anbieten.

Man sagt, dass sich ERP für Cloud nicht anbietet.
Gesagt hat man schon viel. ERP bietet sich an, weil es Unternehmen gibt – vor allem jene, die schon Oracle im Einsatz haben –, die nicht den klassischen Outsourcing-Weg gehen wollen, sondern sich gleich direkt an den Hersteller wenden, der die Software entwickelt. ERP ist in den Unternehmen sehr stark verankert, da ist es natürlich schwieriger, die entsprechenden Prozesse herauszulösen und jemanden zu geben, der außerhalb des Unternehmens sitzt. Trotzdem gehen wir in diese Richtung, da sind wir First Mover. Klar ist, dass wir Zeit brauchen. Wenn sich der Trend im ERP-Bereich fortsetzt – wir glauben fest daran –, dann hat man als First Mover sicher einen Startvorteil.

Unter welchen Umständen ist an Cloud-ERP zu denken?
Man braucht nicht glauben, dass die Lösungen, die vor 20 Jahren entschieden wurden, auf immer und ewig in Unternehmen bleiben. Dazu kommt, dass verschiedene Bereichen nicht durch Standard-Software abgedeckt sind. Oft existiert die Technologie der selbstentwickelten Lösungen nicht mehr, oder das Knowhow geht etwa durch Pensionierung der Mitarbeiter verloren. Das sind typische Anlassfälle, die standardisierte Lösung aus der Cloud zu beziehen.

Ein Bremser sind die Vorbehalte, Daten herauszugeben.
Da wir uns als Global Player verstehen, passen wir uns den lokalen Regularien an. Deshalb haben wir in der EU zahlreiche Rechenzentren stehen, wo wir unseren Kunden Services anbieten. Vor kurzem sind zwei Data Center in Deutschland entstanden, die auch für österreichische Kunden attraktiv sind. Die gesetzliche Lage ist durchaus vergleichbar, es besteht Vertrauen und das gleiche Verständnis, was die Ansprüche betrifft. Bei der Sicherheit wage ich die Behauptung, dass in vielen Fällen die Rechenzentren von Oracle einen höheren Sicherheitsstandard bieten als die Rechenzentren der Kunden.

Ein weiteres Problem im Zusammenhang mit Cloud ist die Schatten-IT. Die Fachabteilungen beziehen Services ohne Kontrolle durch die IT.
Es ist ein Déjà-vu für die Industrie. In den 1980er-Jahren entstanden in den einzelnen Abteilungen PCs mit kleinen Netzwerken und kleineren Office-Lösungen, weil diese Services von der internen IT nicht in dem Maße angeboten wurden, wie sie verlangt worden sind. Vielleicht konnte die IT-Abteilung das nicht oder hatte andere Nöte wie Budgetengpässe. Dadurch sind Inseln entstanden. Nach zehn Jahren kam der Konsolidierungsschub. Das gleich wird jetzt passieren. Wenn die IT die Anforderungen der Fachabteilung erfüllt, gibt es keinen Grund für eine Schatten-IT.

Das Gespräch führte Wolfgang Franz.

Martin Winkler:

Martin Winkler ist seit Juli 2009 Managing Director von Oracle Austria. Der IT- und Vertriebsprofi stieß bereits 2007 dazu, wo er ursprünglich als Sales Director im Bereich Technology Solutions tätig war. Seine Karriere begann der Absolvent der Montan-Universität Leoben bei IBM, wo er über einen Zeitraum von 15 Jahren die verschiedensten Positionen innehatte. Danach folgte ein zweijähriger Zwischenstop bei Xerox Austria, zuletzt in der Position als Direktor Xerox Global Services, Austria and Switzerland.

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