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12.02.2015 :: Printausgabe 2/2015 :: pi

"Cloud bringt mehr Vorteile als Outsourcing"

Zentrale Elemente der Cloud-Strategie der conwert Immobilien Gruppe sind die Konsolidierung der bestehenden Infrastruktur sowie die Entwicklung neuer Dienste und Services für mehr Flexibilität und Schnelligkeit.

Hannes Gutmeier

Hannes Gutmeier

© Eurocloud Austria

Für die conwert Immobilien Gruppe, eine der größten Immobilien-Konzerne im deutschsprachigen Raum, ist Cloud Computing ein essenzieller Teil der IT-Strategie. Hannes Gutmeier, Leiter IT des gesamten Konzerns und verantwortlich für die Umsetzung der IT-Strategie für über 500 Mitarbeiter mit den Schwerpunkten Kostenoptimierung und Nachhaltigkeit, spricht im Eurocloud-Interview über die aktuellen Pläne und konkrete Umsetzungsmaßnahmen im Bereich Cloud Computing.

In welcher Form beschäftigen Sie sich mit Cloud Computing?
Hannes Gutmeier:
Überaus intensiv, denn Cloud Computing ist für uns bei conwert ein wichtiges und zukunftsträchtiges Thema. Wir wollen mit dem Einsatz von Cloud Computing alle Vorteile wie Flexibilität, Innovation, Skalierbarkeit und Nachhaltigkeit nutzen und somit auch Kostenoptimierung erreichen. Wir haben in der conwert bereits erfolgreich drei Projekte umgesetzt. Für mich ist die richtige Reihenfolge entscheidend für den Erfolg: Zuerst erfolgt die Konsolidierung und dann erst geben wir Dienst für Dienst und Service für Service in die Cloud.

Was bedeutet in diesem Zusammenhang Konsolidierung genau?
Wir hatten zum Beispiel sechs unterschiedliche Finanzsysteme, die haben wir auf ein System reduziert, und aus dieser gesicherten Position sind wir dann in die Cloud gegangen.

In welchen Bereichen wird die Cloud für Ihr Unternehmen zukünftig essenziell sein?
Cloud bringt mehr Vorteile als reines Outsourcing. Ich habe einen viel geringeren Kostenaufwand, die Sicherheitsstandards sind weitaus höher und zudem ökonomischer umzusetzen als bei einem Inhouse-Betrieb. Die generell höhere Standardisierung bringt auch Innovation, daher werden wir – wo es möglich und sinnvoll ist – in die Cloud gehen.

Welche Cloud Services kommen bereits zum Einsatz?
Wir haben bereits mehrere Cloud-Systeme im Einsatz. Begonnen wurde mit dem Web Content Filter, dann folgte das Dokumentenmanagement-System und aktuell als letztes auch unser gesamtes Finanzsystem. Hier sind wir sowohl mit dem ERP-System, als auch mit Business Intelligence für Planung und Reporting und unserer Konsolidierungs-Software mit einer In-Memory-Technologie in die Cloud gegangen. Nächstes Thema ist unser Mailsystem und parallel weitere Infrastructure Services.

Wie gehen Sie mit der Vielzahl der Bedenken um, die gegenüber Cloud-Lösungen geäußert werden?
Es werden immer wieder Bedenken geäußert, etwa betreffend Datensicherheit oder Zuverlässigkeit und natürlich auch wenn es um das Thema geht, dass vorhandene interne Ressourcen überflüssig werden, weil sie extern günstiger laufen. Wir schauen uns das im Detail sehr genau an. Beim Hinterfragen einzelner Punkte stellen wir dann aber fest, dass das eher persönliche Themen sind und keine Bereiche trifft, die man organisatorisch oder über Verträge und somit rechtlich nicht klären oder definieren kann. Warum sollen etwa Mail-Dienste nicht über die Cloud laufen? Diese werden ja bereits jetzt über das Internet übertragen und alle nutzen das bedenkenlos. Und personenbezogene Daten werden bei uns ohnehin verschlüsselt.

Wie stellen Sie sicher, dass die einzelnen Fachabteilungen wissen, in welcher Form Cloud Computing möglich oder untersagt ist?
In rechtlicher Hinsicht ist das Thema mit der internen Rechtsabteilung geklärt. Das betrifft auch das Thema Datenschutz, wo es eine enge Abstimmung mit unserem externen Datenschutzbeauftragten gibt. Für die anderen Fachbereiche stehen vor allem die Flexibilität, die Kostenvorteile und die Verfügbarkeit im Vordergrund. All diese Bereiche kann ich in der Cloud besser erfüllen, als im eigenen Rechenzentrum. Zusätzlich kann ich durch die Standardisierung auch viel schneller neue Funktionalitäten zur Verfügung stellen. Grundsätzlich gilt aber, dass Cloud-Dienste gezielt von der IT freigegeben werden, um einen Wildwuchs zu vermeiden.

Wie stellen Sie sicher, dass die einzelnen Mitarbeiter das erforderliche Knowhow haben, um mit einer komplexen Sourcing-Beziehung wie Cloud Computing umgehen zu können?
Es gibt bei meinen Mitarbeitern bereits Erfahrungen mit größeren Outsourcing-Projekten im Bereich Infrastruktur und Applikationen. Hier gibt es weitgehend ähnliche Anforderungen, etwa hinsichtlich SLA-Management (Service Level Agreements) und vertraglicher Themen. Zudem werden die Kollegen für diese Themen geschult und herangeführt, beispielsweise bieten wir gezielte Lehrgänge für Nachwuchsführungskräfte oder Datenschutz an.

Welches Anforderungsprofil braucht ein neuer IT-Mitarbeiter, damit er mit künftigen IT- und fachspezifischen Cloud-Anforderungen gut umgehen kann?
Grundsätzlich sollten neue Mitarbeiter neuen Themen gleichermaßen aufgeschlossen und kritisch gegenüberstehen. Und Kollegen, die ich im Rahmen unserer Cloud-Strategie nicht mehr in der bisherigen Funktion einsetzen kann, werden auf andere Bereiche umgeschult.

Wie prüfen Sie vor dem Einsatz die ausreichende Qualität eines potenziellen Cloud Services?
Bei den ersten Cloud-Projekten haben wir noch externe Berater beigezogen, beim letzten Projekt konnten wir das bereits rein intern abwickeln und bei neuen Cloud-Projekten entscheide ich je nach vorhandenem Knowhow.


Hannes Gutmeier:
Hannes Gutmeier ist seit 2011 Leiter der Konzern-IT der börsenorientierten conwert Immobilien Gruppe und blickt auf eine intensive und einschlägige Laufbahn zurück: 1986 startete er seine IT-Karriere als Software-Entwickler in der Metallindustrie und wechselte 1997 als IT-Leiter in die Konsumgüterbranche, wo er beim Handelsunternehmen Sara Lee die IT neu gestaltete und SAP erfolgreich einführte. 2006 ging er zur Buwog-Gruppe, strukturierte das IT-Team neu, leitete ein umfassendes Optimierungsprojekt, bei dem zentrale Geschäftsprozesse gestrafft wurden und die IT-Landschaft komplett modernisiert wurde. Dann berief ihn der damalige Vorstand als Head of IT in die Zentrale der Immofinanz Group, wo er 2008 eine neue IT-Infrastruktur konzipierte und die Applikationslandschaft erneuerte.

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