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22.04.2015 :: Printausgabe 7/2015 :: pi/Oliver Weiss

Die Cloud-Strategie der ÖBB

Die IT der ÖBB muss sich im Unternehmen als Unterstützer und Förderer der Geschäftsstrategie ebenso beweisen wie als Sparmeister und Innovator. Cloud-Services spielen daher für die IT-Strategie im gesamten ÖBB-Konzern eine wichtige Rolle.

Peter Lenz, CIO der ÖBB

Peter Lenz, Konzern-CIO der ÖBB

© medwed-people

Die strategische Leitgesellschaft des ÖBB-Konzerns ist die ÖBB-Holding AG, in der auch die IT-Abteilung angesiedelt ist. Die IT agiert als Unterstützer und Förderer der Geschäftsstrategie – der Fokus liegt auf der unternehmensweiten Nutzung von Lösungen, was durch gemeinsame IT-Bebauungsplanung und Priorisierung mit den Fachbereichspartnern sichergestellt wird. Verantwortlich dafür ist Konzern-CIO Peter Lenz: "Meine Hauptaufgabe ist es, Synergien zu nutzen und mit den IT-Leitern der ÖBB-Bereiche wie Personenverkehr, Infrastruktur oder Rail Cargo und mit der internen operativen IT, dem IT-Bereich des ÖBB Business Competence Centers, umzusetzen. Das Spannende daran ist, gemeinsam die künftige Ausrichtung der IT zu bestimmen und zu leben." Ein Drittel seines Jobs als Konzern-CIO besteht daher aus Diplomatie und Kommunikation.

In einer Kategorisierung wurde bestimmt, welche Dienste unter welchen Bedingungen in die Cloud verlagert werden können und welche nicht. "Für uns ist klar: Wir wollen die Vorteile der Cloud nutzen, aber sensible Kundendaten und betriebliche Daten des Bahnverkehrs bleiben bei uns", sagt Lenz. Cloud-Services sollen das Leistungsportfolio gezielt ergänzen, um dem Unternehmen IT-Services maßgeschneidert anbieten zu können.

Vor diesem Hintergrund wurden einheitliche Anwendungs- und Technologielandkarten für den Konzern erstellt, die IT-Planung an den Geschäftsprozessen ausgerichtet und Synergiepotenziale mit den ÖBB-Teilbereichen erhoben. Neben der Applikationssicht umfasst der IT-Bebauungsplan der ÖBB auch Handlungsfelder für die Ausrichtung von technischen Plattformen wie Data Warehouse, Access- und Identity Management, Mobility oder Integrationsarchitektur. Die Ziele der IT-Strategie werden durch konstruktive Zusammenarbeit zwischen den Fachbereichen erreicht, durch die Transparenz der IT-Landschaft, die Architektur-Governance mit gemeinsamen Richtlinien, Standardisierungen und Konsolidierungen von redundanten IT-Services, aber auch durch die Förderung von internem Knowhow, Offenheit für Innovation und einem gesunden Mix aus interner und externer IT-Leistungserbringung.

Bei den strategischen IT-Agenden ging es früher stark um Organisation und Infrastruktur, jetzt sind insbesondere die Applikationen an der Reihe. "Aus der Struktur gewachsen existieren bei den ÖBB heute hunderte Applikationen. Viele davon sind unverzichtbare Spezialanwendungen für unsere drei Kernbereiche, aber es gibt noch Harmonisierungsmöglichkeiten", erklärt Lenz. Durch die Gründung der IKT GmbH vor fünf Jahren wurden fünf IT-Gesellschaften im Konzern zu einem Shared Service Center für IT gebündelt und Ende 2012 als Business-IT organisatorisch neutral unter der ÖBB Holding AG gruppiert. Im Zuge dieser Bündelung wurden sämtliche IT-Operations massiv standardisiert. 2014 erfolgte der letzte Schritt mit der Eingliederung von weiteren Shared Services (HR und Finanzen) zum ÖBB Business Competence Center.

DIE VORTEILE DER CLOUD
In der aktuellen Situation des ÖBB-Konzerns sind nicht zuletzt Einsparungen im laufenden Betrieb wichtig. Lenz: "Durch Zentralisierung haben wir schon viel erreicht. Durch Virtualisierung im Serverbereich sowie durch Standardisierung im Client-Umfeld und andere Maßnahmen wurden im Zeitraum 2010 bis 2014 rund 50 Millionen Euro eingespart." Als Teil des Konzernprogramms "FIT 2015" stand über allem das Projekt "IT-Neu", das bis 2014 sämtliche IT-Maßnahmen zusammengefasst hat. Diesen Weg wollen die ÖBB konsequent weitergehen und erwarten sich dabei von Cloud-Services entscheidende Vorteile:

  • Verringerte Investitionen: Für die Nutzung der Cloud wird keine spezialisierte Hard- oder Software benötigt. Damit sinken Investitions- und zum Teil auch Wartungskosten.
  • Pay-per-Use: Cloud-Services werden nach tatsächlicher Nutzung bezahlt.
  • Einfache Skalierbarkeit: Cloud-Services lassen sich an den Geschäftsverlauf anpassen. Nutzerzahlen können je nach Bedarf verändert und neue Funktionen jederzeit hinzugefügt werden.
  • Erhöhte Produktivität: Cloud Computing ermöglicht mehr Mitarbeitern die Nutzung digitaler Geschäfts- und Kommunikationsprozesse. Durch mobile Lösungen wird die Zusammenarbeit über Standorte hinweg und mit dem fahrenden Personal vereinfacht.
  • Unbegrenzte Kapazität: Cloud-Services sind rasch verfügbar und haben nahezu unbegrenzte Speicherkapazitäten. Das macht den Umgang mit Daten schneller und einfacher.
  • Aktuelle Programmversionen: Anwendungen aus der Cloud sind immer auf dem neuesten Stand.


Aktuell werden Cloud-Services bei den ÖBB unter anderem für eine interne Car-Sharing-Plattform genutzt. "Darüber hinaus sind wir derzeit in intensiven Vertragsverhandlungen bezüglich einer Ausbildungsplattform", so Lenz, und auch die Nutzung von Office-Software sei eine weitere mögliche Ergänzung des Leistungsportfolios. In Bereichen des ÖBB-Kerngeschäftes, also der Zugsteuerung, der bahnnahen IT und der Signalsteuerung, wird Cloud Computing aber auch künftig nicht zum Einsatz kommen. "Wir wollen die IT-Systeme zum Bahnfahren weiter mit internen Ressourcen und internem Knowhow abdecken." Denn bei Informationssicherheit setzt der ÖBB-CIO auf hundertprozentige Kontrolle. "Unsere Kunden fahren in den ÖBB-Zügen, weil sie sicher von A nach B kommen möchten. Das ist für uns die oberste Prämisse."

EIGENE SOURCING-EXPERTEN
Die interne operative IT des ÖBB-Konzerns umfasst knapp 500 Mitarbeiter, die sich um Projekt- und Programmmanagement oder um Entwicklung und Betrieb von IT-Lösungen kümmern. "Durch intensive Beschäftigung mit Cloud erstellen wir einen klaren Handlungsrahmen, wie Cloud-Services künftig für die ÖBB genutzt werden können", sagt Lenz. Dazu braucht es freilich Mitarbeiter, die sich mit dem Vertragsmanagement, mit SLA, mit Hybridszenarien und damit verbundenen Disziplinen auskennen und daran mangelt es derzeit in Österreich noch. "Es gibt hierzulande sehr wenige Cloud-Experten. Das Thema muss von den Bildungsträgern erst entsprechend aufgenommen werden." Der ÖBB-CIO will daher eigene Sourcing-Experten aufbauen, die externe Partner managen können. "Hier brauchen wir eine neue Form des Prozesswissens innerhalb der IT, um weitere, abgrenzbare Services, beispielsweise im Messaging-Umfeld, in die Cloud zu verlagern. Dabei muss jeder Schritt mit klar definierten Übergabepunkten erfolgen, damit die User nichts davon spüren und es im Idealfall zu einer Verbesserung kommt." (pi/oli)

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