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22.04.2015 :: Printausgabe 7/2015 :: pi

"Es gibt in Österreich wenig Cloud-Experten"

Bestimmte Services wird es künftig nur noch aus der Cloud geben, ist Peter Lenz überzeugt. Neben einer zentralen Cloud-Strategie steht daher für den ÖBB-CIO vor allem der gezielte Aufbau von internem Cloud-Knowhow im Vordergrund.

Peter Lenz, Konzern-CIO der ÖBB

Peter Lenz, Konzern-CIO der ÖBB

© medwed-people

Das Management und die Governance der IT werden in Österreichs Unternehmen zu einem immer bedeutenderen Faktor für das Erreichen strategischer Ziele. Auch im ÖBB-Konzern werden IT-Ressourcen zunehmend gebündelt und mithilfe ausgesuchter Cloud-Services sollen konzernweit Synergiepotenziale identifiziert und besser genutzt, die Komplexität der internen IT-Landschaft reduziert und mehr Flexibilität bei der Skalierung erreicht werden. Zudem liegt insbesondere im Cloud Computing die Chance, Daten und Anwendungen unter Einhaltung strenger Sicherheitsbestimmungen gezielt, technologisch optimiert und kostengünstig zu beziehen. Im Rahmen der Initiative "Trust in Cloud" erklärt Konzern-CIO Peter Lenz, wie sich die ÖBB auf neue IKT-Entwicklungen wie Cloud Computing vorbereitet und wo die Errungenschaften des digitalen Zeitalters bereits erfolgreich genutzt werden.

In welcher Form beschäftigen Sie sich mit Cloud Computing?
Peter Lenz: Was mich interessiert, ist vor allem der strategische Einsatz von Cloud Computing: Inwieweit können wir es nutzen, inwieweit ist es passend. Seit 2014 steht das Thema fix auf der Agenda, weil wir die Cloud künftig mehr nutzen wollen.

Welche Bereiche haben Sie dabei im Fokus?
Cloud Computing kann eine Ergänzung des bisherigen Leistungsportfolios der IT sein. Zugleich erkennen wir heute schon, dass gewisse Lösungen künftig nur noch als Cloud-Services angeboten werden können. Deshalb bereiten wir uns auf deren Einsatz vor.

Das heißt, Sie haben für Ihr Unternehmen bereits eine Cloud Strategie entwickelt?
Wir haben eine Kategorisierung entworfen, die klare Einsatzregeln für Cloud-Services definiert. Darin wird festgehalten, was wir in der Cloud machen möchten und dürfen, und was nicht. Diesen Entwurf einer Cloud-Policy und ihre Anwendbarkeit testen wir gerade an konkreten Einsatzfällen.

Welche Cloud-Lösungen kommen bei den ÖBB bereits zum Einsatz?
Wir nutzen ein Cloud-Service für eine Car-Sharing-Plattform und sind in intensiven Vertragsverhandlungen bezüglich der Nutzung einer Ausbildungsplattform. Auch die Nutzung von Office Software könnte eine weitere Ergänzung des internen Leistungsportfolios sein.

Wie gehen Sie mit der Vielzahl der Bedenken um, die gegenüber Cloud Computing geäußert werden?
Misstrauen entsteht durch Mangel an Information und Wissen. Deswegen ist eine intensive Beschäftigung mit der Nutzung von konkreten Cloud-Services so wichtig. Da werden wir auf spannende Details aufmerksam, schaffen Knowhow im Unternehmen, sehen, welche Expertise es noch braucht und wo der Einsatz von Cloud-Services für die ÖBB künftig sinnvoll ist.

Bedeutet das, dass Sie auch in den Aufbau von Cloud-Knowhow bei Ihren Mitarbeitern investieren?
Ja. Wir möchten gezielt Cloud-Brokerage-Kompetenz im Haus aufbauen. Artverwandte Themen wie Informationssicherheit und Datenschutz sind zu berücksichtigen und müssen eingebracht werden. Bei Pilotprojekten steht sicherlich auch "learning by doing" im Vordergrund. Denn anhand konkreter Projekte lernen unsere Mitarbeiter, sich mit den Chancen und Risiken zu beschäftigen. Damit wird wiederum das erforderliche Wissen aufgebaut, das wir auch für weitere Projekte einsetzen können.

Sind Ihre Mitarbeiter an Cloud-Themen interessiert oder eher skeptisch?
Beides. Es gibt einerseits großes Interesse an modernen IT-Services. Es gibt aber natürlich auf der anderen Seite auch Bedenken was die Zukunft des eigenen Arbeitsplatzes betrifft.

Wie gehen Sie mit den Bedenken um?
Indem wir unseren Mitarbeitern neue Beschäftigungsfelder wie beispielsweise Cloud-Brokerage eröffnen. Wir wollen hier gezielt inhouse-Kompetenzen aufbauen. Der Bezug neuer Services soll künftig sowohl intern als auch extern passieren. Da es hierzulande noch sehr wenige Cloud-Experten gibt, geht es für uns auch darum, eigene Sourcing-Experten aufzubauen, die externe Partner managen können. Hier brauchen wir eine neue Form des Prozesswissens innerhalb der IT, um weitere, abgrenzbare Services, beispielsweise im Messaging-Umfeld, in die Cloud zu verlagern. Dabei muss jeder Schritt mit klar definierten Übergabepunkten erfolgen, damit die User nichts davon spüren und es im Idealfall zu einer Verbesserung kommt.

Wie stellen Sie sicher, dass auch alle Fachabteilungen wissen, in welcher Form Cloud Computing möglich bzw. untersagt ist?
Als IT-Service Anbieter – und das ist die interne IT– werden wir die Nutzung von Cloud-Services auch in unser Portfolio aufnehmen. Der Fachbereich selbst muss sich nicht notwendigerweise damit beschäftigen, ob ein Cloud-Service hinter einer Lösung steht. Sobald wir die technischen und auch rechtlichen Rahmenbedingungen geklärt haben, ist das ein Komplett-Service, das wir unseren Kunden im ÖBB-Konzern anbieten.

Wie überprüfen Sie die ausreichende Qualität eines potenziell interessanten Cloud Services?
Natürlich sind hier Referenzen und Erfahrungen anderer Firmen wesentliche Marktinstrumente, um mit potenziellen Anbietern ins Gespräch zu kommen. Wie bisher werden wir aber auch intensiv unsere Einkaufsabteilung einbinden, um herauszufinden, wie die wirtschaftliche Situation eines Cloud-Anbieters aussieht. Dennoch kann man sich nie zu hundert Prozent sicher sein, dass es diesen Cloud-Anbieter ewig geben wird. Das bedeutet, wenn man in ein Cloud-Brokerage geht oder externe Cloud-Dienste nutzt, dann muss man sich im Vorfeld auch damit beschäftigen, wie man wieder heraus kommt.

Für welche IT-Bereiche werden Sie die Cloud nicht einsetzen?
Cloud Computing wird in der Zugsteuerung, der bahnnahen IT und der Signalisierung sicher nicht zum Einsatz kommen. Denn insbesondere die ursächlichen IT-Systeme zum Bahnfahren wollen wir weiterhin mit internen Ressourcen und internem Knowhow abgedeckt wissen.


Peter Lenz:
Peter Lenz hat an der Donau-Universität Krems Informations- und Wissensmanagement studiert und ist seit Dezember 2011 Konzern-CIO der ÖBB. Davor war er vier Jahre lang für die OMV als Leiter des CIO Office und IT-Bereichsleiter für Mid & Downstream tätig. Für seine Arbeit bei den ÖBB wurde er mit dem "Confare CIO Award" als Österreichs CIO des Jahres 2014 ausgezeichnet.

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