"Wir suchen immer die beste Lösung" "Wir suchen immer die beste Lösung" - Computerwelt

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17.06.2016 :: Printausgabe 12/2016 :: Tobias Höllwarth

"Wir suchen immer die beste Lösung"

Im Gespräch mit EuroCloud erklärt Hannes Ruess, CIO des Faserherstellers Lenzing AG, in welchen Bereichen der Weltmarktführer bereits Cloud-Lösungen einsetzt, wie diese geprüft werden und welche Vorteile dadurch erreicht werden konnten.

Hannes Ruess, CIO der Lenzing AG

Hannes Ruess, CIO der Lenzing AG, setzt auf Prozessoptimierung durch Cloud-Services.

© medwed-people

Welche Rolle spielt die IT in der Industrie und speziell in Ihrem Unternehmen?

Böse Zungen im Haus sagen, dass wir ein IT-Betrieb mit angeschlossener Faserproduktion sind. Jedenfalls hat die IT in den vergangenen fünf Jahren einen Wandel in der Wahrnehmung sowie in der Bedeutung vollzogen. Früher waren wir eher die Technologie-Bereitsteller und heute sind wir die Prozessexperten. IT wird nun als Marktvorteil gesehen. IT und Prozessmanagement gehören inzwischen zusammen, die Grenzen verschmelzen zunehmend und wir haben das Verständnis im Unternehmen: Business ist IT und IT ist Business.

In welcher Form beschäftigen Sie sich mit Cloud Computing?

Wir nutzen schon seit mehreren Jahren Cloud-Lösungen etwa zur Erweiterung der Effizienz in einigen Warenwirtschaftsprozessen wie etwa der Instandhaltung, wo wir Arbeitsaufträge aus SAP über eine Cloud-Lösung an die Mitarbeiter verteilen und die Erledigung inklusive Zeitaufwand vom mobilen Endgerät wieder zurückspielen. Die Cloud wurde in diesem speziellen Fall aufgrund der extrem schnellen Einführbarkeit in allen Zeitzonen gewählt.

Können Sie uns dafür ein praktisches Beispiel aus Ihrem Businessalltag geben?

Ein gutes Beispiel ist unsere sehr intensive Frachtabwicklung. Da wir Hochvolumen-Transportmittel benötigen, sind Verfügbarkeit und Tragbarkeit der Container für uns ein Dauerthema und hinsichtlich der Suche und Abstimmung nach bzw. von Frachtmitteln ein manueller und höchst aufwändiger Prozess. Wir setzen daher in diesem Bereich auf eine weltweit verfügbare und schnell einsetzbare Cloud-Lösung. Das Ergebnis ist, dass wir heute diesen ganzen Prozess über eine geschlossene Frachtbörse erledigen, der international rund 40.000 Frächter angehören. Wenn nun ein Frachtauftrag zu vergeben ist, wird dieser direkt aus dem Prozess per Mausklick über das Portal zugeordnet, also nur noch über einen Ansprechpartner. Die Frächter kaufen den Frachtauftrag entweder zu den vereinbarten Standardpreisen oder geben ein individuelles Angebot ab. Die weitere Abwicklung ist auf beiden Seiten vollkommen digitalisiert. Hinzu kommt, dass dieses Cloud-basierte Portal auch den mühsamen Rechnungsprüfungsprozess sowie die Kosten- und Ergebnisrechnung deutlich vereinfacht. Mit dem Effekt, dass wir heute nicht nur einen besseren Überblick über weltweit verfügbare Lademittel haben, sondern intern auch kein manueller Prozess mehr nötig ist.

Haben Sie für Ihr Unternehmen eine spezielle Cloud-Strategie für die nächsten Jahre?

Eine explizite Cloud-Strategie haben wir nicht. Wir fürchten uns aber nicht vor der Cloud und geben On-Premise-Varianten nicht automatisch den Vorzug. Wir suchen heute nach der besten Lösung, die im Wesentlichen durch die beste Variante einer Prozessabbildung bestimmt wird. Und wenn die Cloud als die bessere Lösung erscheint, dann wird sie auch als erste Lösung untersucht. Wir springen aber nicht mit allem und jedem in die Cloud, und wir schauen uns sowohl den Anbieter von Cloud-Services als auch die konkrete Lösung sehr genau an. Wesentlich ist dabei nicht zuletzt die Frage der Inhalte und folglich auch der Sicherheit.

Woran denken Sie beim Thema Sicherheit konkret?

Bei Daten, die streng vertraulich sind, muss man naturgemäß extrem vorsichtig sein. Doch gerade hier hat sich gezeigt, dass die Cloud die richtige Wahl für viele Kommunikationsprozesse sein kann. Wir nutzen sie für die Speicherung und Übermittlung von vertraulichen Dokumentationen der Entscheidungsabläufe im Vorstand, für die heikle Kommunikation hin zum Aufsichtsrat oder für den hochsensiblen Informationsaustausch zwischen uns und unseren Engineering- und Entwicklungspartnern.

Wie stellen Sie sicher, dass die einzelnen Fachabteilungen wissen, in welcher Form Cloud Computing möglich bzw. untersagt ist?

Auch bei dieser Fragestellung stehen die Funktionalität, die Integrierbarkeit und der Unternehmensnutzen im Vordergrund. Der Use Case muss passen. Es gibt kein dediziertes Regelwerk zur Cloud-Nutzung, sondern ein stetig wachsendes Verständnis über die Klassifizierung von Informationen und die Notwendigkeit des Informationsschutzes. So gesehen ist der Prüfprozess bei uns immer sehr individuell.

Wie gehen Sie bei der Auswahl von Cloud-Services vor?

Wir haben das recht pragmatisch gelöst, in Form eines Prüfzirkels: Wir haben einen Kollegen, der die Infrastruktur und die Datensicherheit verantwortet und auch die entsprechende Ausbildung dafür hat, sowie einen spezialisierten Rechtsanwalt, der juristische Kriterien prüft. Daneben gibt es einen Einkäufer, der für die inhaltlichen Voraussetzungen zuständig ist und Erfahrung mit Zukauf von Dienstleistungen hat, und nicht zuletzt mich als CIO für die technische Bewertung. Dieses Quartett prüft jeweils die Funktionalität der Cloud-Lösung sowie die Compliance und ergänzt so das Wissen, das wir ohnehin im Haus haben, mit rechtlichem, inhaltlichem und technischem Knowhow.

Tobias Höllwarth|EuroCloud


ZUR PERSON

Hannes Ruess ist seit Dezember 2010 Head of global IT in der Lenzing AG, einem weltweit führenden Faserhersteller, und wurde für seine Arbeit heuer im Rahmen des CIO Award als einer der Top-CIO Österreichs ausgezeichnet. Der gebürtige Kärntner verfügt über mehr als 28 Jahre Erfahrung in der IT-Branche und war vor seinem Job bei der Lenzing AG für mehrere große internationale Baustoffkonzerne federführend im Aufbau und in der Installation von innovativen IT-Lösungen tätig. Diesen reichen Erfahrungsschatz setzt der inzwischen 52-jährige CIO nun bei der Umsetzung der globalen IT-Strategie von Lenzing AG ein.

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