Die zweite Cloud-Welle erfasst Unternehmen Die zweite Cloud-Welle erfasst Unternehmen - Computerwelt

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11.11.2016 Wolfgang Herrmann *

Die zweite Cloud-Welle erfasst Unternehmen

Im Jahr 2017 werden Unternehmen zunehmend Kernanwendungen in Cloud-Umgebungen verlagern. Experten erwarten eine Art zweite Welle, die dem Public- und Private-Cloud-Markt zu einem neuen Wachstumsschub verhelfen könnte.

Laut Forrester betrachten auch Unternehmen mit großen Budgets, Rechenzentren und komplexen Anwendungsumgebungen die Cloud heute als geeigneten Ort, um dort Kernapplikationen zu betreiben.

Laut Forrester betrachten auch Unternehmen mit großen Budgets, Rechenzentren und komplexen Anwendungsumgebungen die Cloud heute als geeigneten Ort, um dort Kernapplikationen zu betreiben.

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Gut zehn Jahre ist es her, dass Amazon Web Services (AWS) mit einfachen Compute- und Storage-Services das Cloud-Zeitalter einläutete. Heute steuert die einst als Exot belächelte Cloud-Sparte des E-Commerce-Riesen Amazon auf einen Jahresumsatz von elf Milliarden Dollar zu. AWS prägte damit die erste Welle des Cloud Computing, wie es Forrester Analyst Dave Bartoletti ausdrückt.

Seitdem hat sich die Cloud-Welt gedreht. Waren es anfangs vor allem Startups, die ihre IT auf der grünen Wiese mithilfe von Cloud-Diensten organisierten, ist Cloud Computing heute für Unternehmen sämtlicher Größenklassen und Ausprägungen ein Thema. Für 2017 erwartet Forrester Research einen weiteren Schub: "Unternehmen mit großen Budgets, Rechenzentren und komplexen Anwendungsumgebungen betrachten die Cloud heute als geeigneten Ort, um dort Kernapplikationen zu betreiben", beobachtet Bartoletti. Das Wachstum im Cloud-Markt werde sich 2017 beschleunigen, schreiben er und weitere Analysten in einem aktuellen Report von Forrester Research. Immer mehr Firmen wollten ihre IT-Ressourcen effizienter skalieren, um Kunden besser bedienen zu können.

In einer Umfrage unter mehr als 1.000 IT-Entscheidern aus Nordamerika und Europa gaben 38 Prozent an, eine Private Cloud zu implementieren. 32 Prozent wollen Public-Cloud-Services kaufen. Die übrigen Teilnehmer planen den Angaben zufolge innerhalb der kommenden zwölf Monate, Cloud-Technologien einzusetzen. Zur weiteren Entwicklung des Public-, Private- und Hybrid-Cloud-Markts im kommenden Jahr formuliert Forrester Prognosen und gibt IT-Verantwortlichen Handlungsempfehlungen:

Prognose 1: Regionale Player ergänzen das Angebot der Cloud-Giganten
Der globale Public-Cloud-Markt wird 2017 ein Umsatzvolumen von 146 Milliarden Dollar erreichen, erwartet Forrester. Im Jahr 2015 waren es noch 87 Milliarden Dollar. Die Analysten gehen von einem durchschnittlichen jährlichen Wachstum von 22 Prozent aus. Den Löwenanteil der Steigerungen sichern sich demzufolge die "Mega Cloud Provider", allen voran AWS, Microsoft, Google und IBM. Sie bauten weltweit neue Data Center und machten durchaus Konzessionen, wenn es um regionale Rahmenbedingungen gehe. Die Datentreuhänderschaft von T-Systems im Rahmen der Zusammenarbeit mit Microsoft in Deutschland sei dafür ein Beispiel.

Dennoch könnten die Cloud-Riesen längst nicht jede einzelne Kundenanforderung abdecken, so Forrester. Hier liege eine Chance für kleinere regionale Cloud-Provider, die mit einer wachsenden Nachfrage rechnen könnten. IT-Entscheidern empfiehlt Bartoletti in diesem Kontext: "Halten Sie sich Optionen offen und haben Sie keine Scheu, mit mehreren Providern zu arbeiten."

Prognose 2: CIOs bringen Cloud-Kosten unter Kontrolle
Cloud-Protagonisten sprechen gern von Kosteneinsparungen, die CIOs mit Public-Cloud-Software erzielen könnten. Doch diese stellen sich in der Praxis nicht immer ein. Weil etliche Unternehmen inzwischen auf mehrere Cloud-Anbieter zurückgreifen, kann das Vendor Management schnell komplex und teuer werden. Unnötige Kosten entstehen beispielsweise auch, wenn Public-Cloud-Instanzen am Wochenende einfach weiter laufen, obwohl sie gar nicht benötigt werden. Am Ende gibt der CIO für Cloud-Dienste womöglich sogar mehr Geld aus als für einen klassischen On-Premise-Betrieb.

2017 werden IT-Entscheider solche Probleme besser in den Griff bekommen, erwartet Bartoletti. Viele hätten ihre Prozesse bereits dahingehend verbessert, zudem stünden mittlerweile etliche Tools für das Kostenmanagement zur Verfügung, beispielsweise von AWS, Cloudability oder Cloudyn. Ein Cloud-Architekt eines großen Softwareunternehmens etwa habe seine Cloud-Aufwendungen in Höhe von 2,5 Millionen Dollar um 300.000 Dollar verringert, indem er den Konsum der Cloud-Dienste mithilfe von Monitoring-Systemen kontrollierte.

Prognose 3: Apps werden für den Cloud-Betrieb angepasst
Unternehmen sollten ihre Applikationen nicht einfach unverändert in die Wolke schieben, sondern sie für den Betrieb in der Public Cloud anpassen, empfiehlt Forrester. Migration Services könnten dabei helfen. Optimal wäre es aus Sicht der Analysten, eine Anwendung umzuschreiben, damit diese beispielsweise die Elastizität einer Cloud-Infrastruktur voll nutzen könne. Eine solche "Lift-and-Shift"-Migration könne zwar zusätzliche Kosten verursachen. Doch mit aktuell verfügbaren Tools ließen sich Cloud-Migrationen erheblich beschleunigen und die Aufwendungen im Rahmen halten.

Prognose 4: Hyper Converged Systems erleichtern Private-Cloud-Installationen
Nicht jeder CIO will kritische Daten einem Public-Cloud-Anbieter anvertrauen. Wer jedoch eine eigene Private Cloud aufbauen möchte, muss etliche Hürden nehmen, gibt Forrester zu bedenken. Ähnlich wie ihre Pendants aus der Public Cloud benötigten auch Private-Cloud-Services hochentwickelte Systeme für Virtualisierung, Automatisierung, Self-Service oder Monitoring. Solche Umgebungen in Eigenregie aufzubauen, sei für viele Unternehmen eine anspruchsvolle und potenziell teure Angelegenheit.

Abhilfe könne eine Hyper Converged Infrastructure (HCI) schaffen, so die Forrester-Experten. Mit vorkonfigurierten Compute- und Storage-Ressourcen könnten solche Systeme helfen, den Aufbau einer Private Cloud zu beschleunigen. Forrester empfiehlt ausdrücklich den Einsatz einer HCI für Private-Cloud-Szenarien, insbesondere für neue Workloads, die eine rasche und automatisierte Skalierung der Infrastruktur erforderten. Bartoletti: "HCI entwickelt sich schnell zur Default-Infrastruktur-Plattform, auf der Unternehmen die Private-Komponenten einer Hybrid Cloud aufsetzen."

Prognose 5: Container-Techniken drängen in die Cloud
Mit Container-Techniken wie Docker lassen sich Server-Anwendungen einfacher und schneller bereitstellen als über herkömmliche virtuelle Maschinen. Sie ermöglichen es Entwicklern, Software-Code effizient zu managen. Das gilt vor allem für Programmkomponenten, die für Cloud-Anwendungen entwickelt wurden. Forrester prognostiziert, dass Linux-Container bereits Anfang 2017 Bestandteil jeder großen Public- oder Private-Cloud-Plattform sein werden. Entwickler würden dabei nicht selten ihre eigenen Stacks aufbauen und auf diese Weise etwa die Entwicklung von Microservices unterstützen.

Dieses neue Paradigma berge allerdings Risiken, warnen die Analysten. Unternehmen müssten sich mit neuen Herausforderungen in Sachen Security, Monitoring, Storage und Networking auseinandersetzen, wenn Container fester Bestandteil der IT-Infrastruktur seien. Bartoletti rät vor diesem Hintergrund: "Zuerst sollten Sie das Für und Wider von privaten On-Premise-PaaS-Installationen gegen eine verwaltete Public-Cloud-Plattform abwägen. Möglicherweise brauchen Sie beides."

Prognose 6: Enterprise-Anwendungen wandern in die Public Cloud
Schon jetzt hosten etliche Unternehmen auch Enterprise-Anwendungen in der Public Cloud. Dieser Trend wird sich nach Einschätzung von Forrester Research verstärken. So betreibt etwa der kalifornische Rasiergeräte Anbieter Dollar Shave Club seine Spark-basierte Analytics-Software in der AWS Cloud. Das Pharmazieunternehmen Cardinal Health lässt seine Splunk-Systeme ebenfalls in der Amazon-Wolke laufen. Zahlreiche Firmen aus unterschiedlichen Bereichen nutzen längst auch klassische Business-Anwendungen wie SAP in Form von Cloud-Services. "Die Cloud ist der beste Ort, um aus Enterprise-Daten schnell Erkenntnisse zu gewinnen", sagt Bartoletti dazu.

* Wolfgang Herrmann ist Deputy Editorial Director der IDG-Publikationen COMPUTERWOCHE und CIO.

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