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"Die Cloud wird zum Motor der Digitalisierung"

Im aktuellen Anbietervergleich der ISG-Tochter Experton Group wird deutlich, wie Cloud-Dienstleister unterschiedlichster Couleur Unternehmen bei der digitalen Transformation unterstützen.

Digitalisierung ist ohne die Cloud nicht mehr vorstellbar, schreibt die ISG-Tochter Experton Group in ihrem jüngsten Anbietervergleich.

Digitalisierung ist ohne die Cloud nicht mehr vorstellbar, schreibt die ISG-Tochter Experton Group in ihrem jüngsten Anbietervergleich.

© bannosuke - shutterstock.com

"Die Digitalisierung ist ohne die Cloud nicht mehr vorstellbar", schreiben Analysten der Experton Group in einer aktuellen Studie. Längst werde unter Cloud Computing nicht nur Infrastruktur verstanden sondern auch eine Plattform im Sinne eines "Open Ecosystem" sowie ein On-Demand-Serviceprozess mit hochgradiger Standardisierung und Modularisierung. Zu den herausragenden Eigenschaften gehöre dabei auch der Zugriff auf Künstliche Intelligenz. Diese Entwicklung verändere den Blick auf den Cloud-Markt. Alles außerhalb der Cloud-Struktur sei künftig kritisch zu hinterfragen, weil es den Fortschritt aufhalte und nicht mehr den Anforderungen moderner Unternehmensführung entspreche.

Vor diesem Hintergrund haben die Auguren ihren in der Branche gut bekannten Cloud Vendor Benchmark umbenannt. In der achten Auflage trägt die Studie den bemerkenswert sperrigen Titel "ISG Provider Lens Germany 2017 Cloud Transformation/Operation Services & XaaS". Wie gewohnt ordnen die Analysten darin die maßgeblichen Player ein und beleuchten die wichtigsten Marktentwicklungen.

Von Anfang Februar bis Mitte März 2017 identifizierte die Experton Group dazu mehr als 350 Unternehmen, die im deutschen Markt Cloud-Services und -Dienstleistungen offerieren. Daraus wurden 140 Anbieter als relevant für den deutschen Markt eingestuft und für eine detaillierte Analyse ausgewählt. Die Marktbeobachter bewerten sie in den Kategorien IaaS, PaaS, SaaS, Operations und Transformation.

Transformation: Beratung und Solution Design legen zu
Im Marktsegment Cloud Transformation zähle mehr denn je der integrierte Ansatz aus Consulting und Integration respektive Umsetzung, so die Autoren. Obwohl sich viele Integratoren noch stark auf die Technik und das Zusammenspiel von Komponenten konzentrierten, gewinne die Beratung und das Solution Design mithilfe von IT-Architekten an Bedeutung. Mit der wachsenden Anzahl verbundener Systeme und Partner gerieten einschlägige Projekte allerdings immer komplexer. Etliche Unternehmen seien deshalb auf den guten Rat externer Dienstleister angewiesen.

Mittelstand: Avanade, Axians und Cancom ernten Lob
Die Experton Group hebt an dieser Stelle einige Anbieter hervor, die insbesondere kleine und mittlere Unternehmen gut bedienten. Dazu gehört beispielsweise Avanade als enger Verbündeter von Microsoft und Accenture. Der "lokale Mittelstand" werde daneben auch durch Dienstleister wie Axians besonders effektiv versorgt. An Wettbewerbsstärke etwas verloren habe dagegen Acenrix, während sich Cancom / Pironet im Markt gut behaupte und vor allem mit branchenspezifischem Knowhow im Einzelhandel und in der Fertigungsindustrie punkte. Nach längerer Anlaufzeit positioniere sich inzwischen auch die Telekom Deutschland GmbH als Cloud-Partner für mittelständische Unternehmen.

Geht es um Großkunden im Bereich Transformation, billigt Experton unter anderem Accenture eine gutes Standing im Markt zu. Der Anbieter agiere nicht nur technisch auf hohem Level sondern stelle auch die Business-Perspektive in seinen Projekten in den Vordergrund. Natürlich fischen auch die üblichen Verdächtigen in diesem margenträchtigen Segment, darunter IBM, T-Systems, Capgemini und Atos. Als "alter" Newcomer versuche zudem die aus CSC und Hewlett-Packard Enterprise hervorgegangen DXC Technology mit aller Macht, das neue Branding im Markt zu platzieren.

Unumkehrbar: Software wird zu SaaS
Traditionelle Softwareanbieter haben es zunehmend schwerer, On-Premise-Systeme zu verkaufen, beobachten die Analysten. Kunden hätten die Vorteile der Cloud, allen voran Flexibilität, Skalierbarkeit und Sicherheit, erkannt und ihre Beschaffungsstrategien verändert. Dabei lagerten sie immer häufiger auch geschäftskritische Anwendungen in die Cloud aus.

Zu den untersuchten SaaS-Teilsegmenten gehört auch "Enterprise Resource Planning as a Service". Der Markt für Cloud-ERP-Lösungen sei in Deutschland zwar noch nicht allzu stark ausgeprägt. Doch die Nachfrage und das grundsätzliche Interesse an Cloud-Lösungen stiegen schon aufgrund von Sparpotenzialen sowie der Hoffnung, auf diesem Weg Prozesse flexibilisieren und modernisieren zu können. Das gelte insbesondere für kleine und mittelständische Unternehmen.

Cloud-ERP: SAP und Oracle unter Druck
Die Cloud-ERP-Anbieter haben ihre Systeme stark ausgebaut und insbesondere Datenschutzaspekte berücksichtigt. Im Markt finden sich den Auguren zufolge etablierte Anbieter wie SAP und Oracle ebenso wie "jüngere, innovative" Firmen. Zu letzteren zählen die Studienautoren etwa Exact, Weclapp und Myfactory. Sie sorgten für einen intensiven Wettbewerb und bereiteten den Platzhirschen zunehmend Probleme. Einen besonders interessanten Neueinsteiger sieht die Experton Group in Microsoft. Nach langer Wartezeit sei es dem Softwarekonzern gelungen, die CRM-Dynamics-Welt und die ehemaligen On-Premise-ERP-Systeme in der Cloud zu verknüpfen. Dem Cloud-Produkt "Dynamics 365" geben sie gute Chancen, sich im Markt zu etablieren.

Human Resource Management as a Service
Als besonders chancenreiches SaaS-Segment klassifizieren die Analysten den Bereich Human Resource Management as a Service. Die Synthese aus traditioneller Personalverwaltung und Personalentwicklung sowie Talent Management habe unterschiedlichste Anbieter auf den Plan gerufen und dem Markt einen Schub gegeben. Einerseits spielen auch hier die ERP-Platzhirsche SAP und Oracle eine wichtige Rolle. Ihnen gelang es vor allem über Zukäufe etwa von SuccessFactors oder Taleo, sich auch im Bereich Talent Management zu positionieren. Andererseits verstärkte auch IBM mit der Übernahme von Kenexa vor einigen Jahren seine Bemühungen in diesem Teilsegment. Dem Mittelstandsexperten Sage billigt die Experton Group vor allem Stärken in der klassischen Personalverwaltung zu.

Unterm Strich beobachten die Analysten im HR-Bereich eine besonders dynamische Entwicklung mit zahlreichen technischen Herausforderungen. So müssten Talente heute auch über soziale Netzwerke wie Xing und LinkedIn adressiert werden. Aber auch die Einstellungsprozesse (Onboarding) gewönnen an Bedeutung, wenn Unternehmen qualifizierte Nachwuchskräfte gewinnen und halten wollten. Die Cloud sei für solche Anforderungen aufgrund ihrer Flexibilität besonders gut geeignet.

Integration-PaaS stark nachgefragt
Im Bereich Plattformdienste unterscheidet Experton aPaas (Application-PaaS) und iPaaS (Integration-PaaS). Vor allem letzteres Segment gewinne angesichts wachsender Business-Anforderungen an Bedeutung. Skalierbarkeit sei dabei ebenso ein Thema wie die Anzahl der Adapter und Konnektoren, um vorhandene Systeme zu integrieren. Besonders präsent in diesem Markt sind wie schon im Vorjahr Informatica, Deutsche Telekom und Tibco. Aber auch Dell habe nach der Übernahme des Integrationsspezialisten Boomi einen Sprung nach vorne gemacht, ebenso wie der technische verbesserte Anbieter Mulesoft.

Im Segment aPaaS können Entwickler mittlerweile auf ein breites Spektrum an Entwicklungs-Frameworks auf den Plattformen von AWS, Microsoft oder IBM zugreifen. Vor allem Unternehmen, die DevOps-Strukturen aufbauen wollen, sind nach Einschätzung von Experton aber häufig überfordert. An dieser Stelle kämen spezialisierte Dienstleister ins Spiel, die den Kunden dabei helfen, die richtige Plattform auszuwählen und die organisatorischen Herausforderungen zu meistern. Sie unterstützen Unternehmen auch dabei, gehostete oder verwaltete Varianten beispielsweise von Cloud Foundry oder Red Hat OpenShift zu nutzen.

Infrastructure as a Service: "The new Normal"
Im IaaS-Segment unterteilt die Experton Group den Markt in die "Self Service Public Cloud" einerseits sowie in gemanagte Enterprise-Lösungen "aus den Händen professioneller IT-Dienstleister" andererseits. Geht es um Innovationen, Elastizität und günstige Preise, spielt die Musik eindeutig in der Public Cloud. Die dominierenden Player sind bekannt: AWS, Microsoft, Google und IBM punkten mit ihren international verteilten und beinahe grenzenlos skalierbaren IT-Ressourcen. Hinzu kommen nur wenige bedeutende lokale Player wie etwa die Telekom mit OTC, die als technische Basis das Open-Source-Paket OpenStack nutzen.

Besonders auffällig im IaaS-Segment ist die wachsende Bedeutung der Künstlichen Intelligenz. Dieser Trend sei bislang den Public Clouds vorbehalten, kommentieren die Analysten. Einschlägige Tools und Systeme automatisierten nicht nur den Betrieb immer weiter, sondern lieferten auch die nötigen Komponenten für den kritischen Bereich "Predictive Security".

Geht es um Private- beziehungsweise Enterprise-Cloud-Lösungen für Großkunden, sehen die Analysten die bekannten großen IT-Dienstleister in Führung. Dazu gehören etwa Atos, IBM und Deutsche Telekom (TSI) sowie auch BT und HPE. Im Bereich Mittelstand gehört Bechtle zu den Anbietern, die im Jahresvergleich Fortschritte gemacht haben. Aber auch die Deutsche Telekom, Cancom / Pironet, und Dimension Data gehören zu den bedeutenden Servicelieferanten von KMU.

Enterprise Cloud Filesharing im Aufwind
Lösungen für ein sicheres Cloud Filesharing bis hin zum Enterprise Content Management werden verstärkt nachgefragt, so eine weitere Beobachtung. Dabei versuchten die Anbieter vor allem mit lokaler Datenhaltung und diversen Sicherheits-Features zu überzeugen.

Einen großen Sprung nach vorne machte dabei Dropbox. Der US-Anbieter hat sein Engagement im deutschen Markt verstärkt und schafft es erstmals in den "Leader-Quadranten" der Experton Group. Aber auch den deutschen Anbieter SSP Europe mit seinem Secure Data Space schätzen die Auguren als stark ein. Zu den insgesamt 19 relevanten Anbietern im Markt gehören neben Microsoft und Bechtle auch ownCloud und der Münchner Cloud-Security-Spezialist Uniscon.


* Wolfgang Herrmann ist Deputy Editorial Director der IDG-Publikationen COMPUTERWOCHE und CIO.

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