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05.01.2012 Heinrich Vaske*

Baustelle Cloud Computing: 2012 - das Jahr der Cloud?

Cloud Computing gehört (wieder) zu den Trends 2012. Dahinter steckt ein grundlegender Wandel: Business-IT wird zum Service.

Oft haben dieselben IT-Nutzer, die privat fleißig Cloud-Angebote wie Evernote, Doodle oder GoogleDocs nutzen, immer noch Vorbehalte gegen entsprechende Alternativen auf Business-Ebene. Diese skeptische Grundhaltung wird sich 2012 langsam abbauen. Die Erkenntnis, dass Virtualisierung, breitbandige Vernetzung, Mobile Computing und immer bessere Infrastrukturlösungen zu einem Paradigmenwechsel in der Business-IT führen, greift um sich. Software wird künftig als Service bezogen, außerdem ermöglicht Cloud Computing im Zweifel jedem, sich selbst als Service-Provider aufzustellen.

DIE ANGEBOTE SIND DA Rechen- und Speicherressourcen aus dem Netz (Infrastructure as a Service = IaaS) gibt es zuhauf, Anbieter wie Amazon.com, Microsoft oder T-Systems verzeichnen hier gute Geschäfte. Auch die Anwendungsinfrastruktur aus der Cloud (Platform as a Service = PaaS) nimmt Konturen an. Große Hersteller bieten Entwicklern weltweit nutzbare, Web-zentrische Rapid-Application-Development-(RAD-)Umgebungen. Software-as-a-Service-(SaaS)-Angebote, die eine Multitenancy-Architektur unterstützen – also in der Lage sind, aus einer Anwendung heraus viele Kunden zumindest in Teilen individuell zu bedienen –, stehen bereits vielfach zur Verfügung.

Anwender werden zwischen den Angeboten von Nischen-Playern und Marktgiganten wählen können. Der Zug in die Cloud rollt also, die Analysten von Gartner prophezeien, dass schon im nächsten Jahr 75 Prozent der Softwarehäuser zumindest einige Funktionen als Services bereithalten werden. Bis 2015 sollen dann alle Softwareanbieter mehr oder weniger umfangreich servicebasierende Business-Software-Funktionen anbieten. Doch die Kunden werden diese Leistungen nur allmählich annehmen. Dabei ist die Cloud für kleine und mittlere Betriebe eine interessante Alternative.

Sie neigen grundsätzlich eher zum Kaufen als zum Entwickeln von Anwendungen. Cloud Computing unterstützt diese Haltung, da nun sogar der gesamte Service fremdbezogen werden kann. Anstatt eine kostspielige Inhouse-IT zu pflegen, lassen sich Services einfach aus der Cloud beziehen – übrigens auch solche, die vorher Großkonzernen vorbehalten waren. Die Anschaffungskosten sinken, die Betriebskosten im besten Fall auch. Die Einführungszeiten werden kürzer, Support und Wartung liegen in Händen des Providers. Konzerne mit großen IT-Organisationen bleiben indes auch 2012 vorsichtig und werden sich eher in Nischen mit Software und Infrastrukturprodukten aus der Cloud beschäftigen.

Wie im Vorjahr sind Private Clouds für diese Konzerne ein Thema – Modelle also, in denen Ownership und Betrieb der Implementierung voll unter ihrer Kontrolle bleiben. Wichtigster Vorteil ist die Minimierung der Risiken. Das krasse Gegenteil ist die Public Cloud, in der letztendlich die Provider die Partnerbeziehung kontrollieren. Kunden, die sich auf dieses Risiko einlassen wollen, haben zumindest theoretisch den Vorteil, von der Innovationskraft ihres im Wettbewerb stehenden Anbieters zu profitieren – und gegebenenfalls von einer hochskalierbaren Infrastruktur, die zu Kostenvorteilen führen kann.

FEDERATED FRAMEWORKS Zwischen Private und Public Cloud gibt es noch viele Spielarten, in denen partielle Kontrolle und geteilte Ownership möglich sind. Deshalb werden hybride Cloud-Umgebungen zu einem wichtigen Thema, und damit auch Federated Frameworks, die es ermöglichen, einen Mix aus internen und externen Cloud-Services auszurollen und zu verwalten. Große Unternehmen haben meist eine komplizierte Ausgangssituation für Cloud Computing. Eine individualisierte IT-Basis mit vielen Legacy-Anwendungen, komplexe Architekturen und etablierte Business- Prozesse erlauben keine schnellen strategischen Schwenks.

IT-Manager und Architekten erwarten von den Cloud-Providern zudem immer noch Antworten auf Fragen bezüglich Verfügbarkeit, Datenintegrität, Sicherheit und vor allem Datenschutz. Dennoch werden sich auch die großen Konzerne mit Cloud-Management- und Integrationstechniken auseinandersetzen. Hintergrund ist der Druck durch das Business. Cloud Computing wird im Privatleben der Mitarbeiter zum Alltag, und ähnlich wie bei den Endgeräten (Stichwort: Bring your own Device) erwarten die Anwender, ihre persönlichen Nutzungsgewohnheiten im Business weiterleben zu dürfen. Schon jetzt bedienen sich manche Fachabteilungen bei Salesforce.com, Successfactors oder Amazon Web Services (AWS), ohne mit der internen IT gesprochen zu haben.

OFFENE FRAGEN ZUR SICHERHEIT IT-Manager steckten schon 2011 in dem Zwiespalt, für Sicherheits- und Compliance-Risiken einstehen, andererseits aber das Business mit innovativen Ideen und neuen Lösungen voranbringen zu müssen. Diese Situation wird sich 2012 kaum entspannen. Immerhin beginnen die großen Softwareanbieter allmählich damit, rechtskonforme Sicherheits- und Datenschutzkonzepte vorzulegen. Nicht umsonst hat sich die diesjährige CeBIT das Leitthema „Managing Trust“ ausgesucht.

ES WIRD ENTTÄUSCHUNGEN GEBEN Bei aller Cloud-Euphorie: Das Jahr 2012 steht im Zeichen des Übergangs. Manche Unternehmen, die bereits Erfahrungen mit Hosting-Angeboten gemacht haben und sich mit Service-Levels auskennen, werden mit den Cloud-Angeboten unzufrieden sein – insbesondere, wenn es sich um SaaS-Offerten handelt. Statt individueller Betreuung bekommen sie meist hoch standardisierte Produkte und Services, die den Interessen aller Kunden gerecht werden sollen und letztendlich nur eingeschränkt auf Individualbedürfnisse eingehen.

Bei Preisverhandlungen gibt es noch wenige Spielräume, und nutzungsabhängige Bezahlung, wie sie so oft versprochen wird, bleibt wohl weiterhin die Ausnahme. Hintergrund sind die hohen Vorabinvestitionen der Cloud-Anbieter, aber auch Architekturfragen. Anders als herkömmliche Services sind Cloud-Angebote vor allem auf Skalierung ausgelegt. Eine Lösung muss viele Kunden bedienen, wobei zu viele Anpassungen, vor allem aber Erweiterungen das Geschäftsmodell der Provider bedrohen. Kommt es zu Lieferproblemen, wie im vergangenen Jahr einige Male gesehen, sind ernsthafte Geschäftseinbußen für die Anbieter die Folge, ebenso Imageprobleme. Deshalb müssen die Anbieter viel Geld für eine ausfallsicherere, gut geschützte und hochskalierbare Infrastruktur ausgeben.

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