Die Wahrheit über Cloud Computing: Viele Anwender noch nicht bereit Detail - Computerwelt

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26.09.2011 Karin Quack *

Die Wahrheit über Cloud Computing: Viele Anwender noch nicht bereit

Die meisten Unternehmen sind überhaupt noch nicht bereit für die IT-Services aus der Wolke. Sie müssen sich ernsthaft fragen, welche Bedeutung diese Entscheidung für sie hat.

Der Trend zum Cloud-Sourcing ist kaum noch aufzuhalten, weiß auch Hartmut Jaeger, Geschäftsleistungsmitglied der PA Consulting Group. Und das bedeute einen Paradigmenwechsel, der auch das Geschäft des auf Sourcing spezialisierten Beratungsunternehmens beeinflussen dürfte: "Der Beschaffungsprozess wird sich verändern. Die Kunden schicken keine Ausschreibung mit detaillierten Leistungsbeschreibungen mehr hinaus. Statt dessen studieren sie die Angebote der Cloud-Anbieter und kaufen diese möglichst standardisiert ein."

Voraussetzung für ein Cloud Computing, das mehr als ein konventionelles Outsourcing sein will, sind für Jaeger quasi steckerkompatible Services: "Das Ganze ist doch erst interessant, wenn der Anbieter auch der Wechsel unterstützt - so wie es die Stromanbieter heute schon tun."

Unangenehme Pflichten für den Kunden Soweit die Zukunftsvision. Die Realität hinkt jedoch hinterher. Derzeit betreut PA einen nicht namentlich genannten Kunden, der zwar große Teile seiner IT-Services in die Cloud auslagern will, trotzdem aber einen klassischen Beschaffungsprozess initiiert hat - mit einer Ausschreibung, die sich nur dadurch von anderen unterscheidet, dass die in Frage kommenden Anbieter an deren Formulierung mitgewirkt haben. "Das zeigt, wie wenig entwickelt dieser Markt noch ist", konstatiert Jaeger.

Das neue Sourcing-Modell bringe für die Kunden ein paar unangenehme Pflichten mit sich, führt der PA-Manager aus. Dazu gehöre die Aufgabe, die benötigten Services auch Cloud-kompatibel zu beschreiben. "Die meisten Unternehmen haben ihren Bedarf noch gar nicht exakt geschnitten und in einem Servicekatalog hinterlegt", hat Jaeger in der Praxis beobachtet. Aus diesem Grund etabliere sich Cloud Computing bislang hauptsächlich im Storage- und Server-Umfeld, also in stark standardisierten IT-Bereichen.

Aus Jaegers Sicht würden sich auch SAP-Anwendungen gut als Cloud-Services eignen: "Allerdings hat fast jedes Unternehmen so viel an den Applikationen herum customized, dass sie aus dem Standard gefallen sind." Das gern zitierte Erfolgsmodell Salesforce.com funktioniere auch nur deshalb, weil die Kunden es genau so einsetzten, wie der Anbieter es liefere.

Eine bislang unbeantwortete Frage ist für Jaeger die der Integration von Daten aus der Cloud und intern betriebenen Anwendungen. "Was ist, wenn ich die Salesforce-Daten für mein BI-System nutzen möchte?" lautet hier die Gretchen-Fragen. Selbstverständlich werde die Branche auf diese Herausforderung reagieren und kreative Lösungen finden. Aber noch sei es nicht soweit. Derartige Fragen sind aus Sicht von PA genauso wichtig wie die viel häufiger aufgeworfenen Sicherheits- und Datenschutzbedenken.

Und über noch etwas sollten sich Unternehmen im Klaren sein, wenn sie wirklich auf breiter Linie IT-Services aus der Cloud beziehen wollen: Sie müssen zum Teil drastische Entscheidungen treffen. Beispielsweise die, ihre Hardware abzuschreiben und das bislang mit den Anwendungen betraute Personal entweder umzuschulen oder zu entlassen: "Ein Personalübergang ist in diesem Fall wohl kaum sinnvoll," so Jaeger, und die Konsequenzen aus diesen Entscheidungen seien "allenfalls bedingt rückabwickelbar".

Was sich ändern muss Unter dem Strich wird sich die gesamte Unternehmenskultur verändern, wenn die interne IT verschwindet oder auf ein Minimum reduziert wird, bestätigt Jaeger. Die viel beschworene Trennung von "I" wie Information und "T" wie Technik werde dadurch ein Stück realer.

Verändern wird sich auch die Rolle des CIO. Nicht, dass diese Funktion überflüssig werde, beschwichtigt Jaeger, aber ein IT-Chef, der sich als RZ-Leiter begreife, werde durch das Cloud Computing definitiv obsolet. Ein "Chief Integration Officer" moderner Prägung müsse unter anderem dafür sorgen, dass der Bedarf konkret formuliert, die Leistungserbringung kontrolliert und die gelieferten Ergebnisse in die Enterprise-Systemen eingefügt werden.

* Karin Quack ist Redakteurin der deutschen Computerwoche.

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