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03.07.2011 apa

Experten sehen Vorbehalte gegen Cloud schwinden

Cloud Computing scheint vor einem Siegeszug zu stehen. Welche Hürden und Vorbehalte es noch gibt, haben Experten bei einer Podiumsdiskussion in Wien unter die Lupe genommen.

Ich glaube nicht, dass alles in die Cloud wandert. Und schon gar nicht heute oder morgen. Aber die Erfahrung damit und das Vertrauen der Unternehmen nehmen zu, gab sich Harald Leitenmüller von Microsoft Österreich überzeugt. Allerdings müsse Österreich aufpassen, hier nicht den Anschluss zu verpassen. Dabei gehe es darum, nicht nur Cloud-Angebote aus anderen Ländern zu konsumieren, sondern selbst wertschöpfend tätig zu werden.

Leitenmüller erwartet, dass es in den kommenden Jahren zu einer Konsolidierung unter den großen Cloud-Anbieter kommen wird und internationale "Grids" entstehen. Wie aktuelle Untersuchungen zeigen würden, könnten Unternehmen ihre IT-Kosten mit Cloud Computing um rund 20 Prozent senken. Außerdem stelle die nutzungsbasierte Abrechnung eine geringere Einstiegsbarriere dar. Für Microsoft nicht unwichtig: In der Cloud gibt es keine Software-Piraterie.

WO LAGERN DIE DATEN? Allerdings gibt es beim Datenschutz große Vorbehalte. "Das ist auch der Rechtsbereich, den man am häufigsten hernimmt, um die Cloud zu kritisieren", erklärte Johannes Juranek von CMS Reich-Rohrwig Hainz Rechtsanwälte. Probleme gebe es vor allem, wenn Daten im Ausland gespeichert werden. Außerdem sei der Standort der Daten wegen der weltweiten Vernetzung und Virtualisierungstechnologien oft nicht nachvollziehbar.

Dennoch werde die Cloud eine große Zukunft haben. Auch bei E-Mails hätte es ursprünglich Bedenken gegeben, sagte der Rechtsanwalt. Technische und juristische Standards würden sich schon noch entwickeln. Allerdings habe es oft eines größeren Zwischenfalls bedurft, um das in Gang zu bringen. Die derzeit aktuellen Fragen seien: Was geschieht bei Datenverlust? Wie erhalte ich meine Daten bei Vertragsauflösung zurück? Die Auswahl des Providers und eine saubere Vertragsgestaltung sollten also gut überlegt sein, so Juranek.

"Die Zeit ist reif, es funktioniert", konstatierte Alexandros Osyos von A1 Telekom Austria. "Und das mit einer Qualität, die sich Klein- und Mittelbetriebe sonst nicht leisten könnten. Außerdem haben sie die Klötze Hardware, Lizenzen und Wartung vom Fuß", so Osyos. Neu sei vor allem die nutzungsbasierte Abrechnung.

Eine Hürde für Cloud Computing stelle die Lagerung der Daten im Ausland dar. Laut einer Studie der Marktforscher von Gartner würden vor allem kleinere Betriebe die Speicherung im Inland bevorzugen. Dieser "Österreich-Aspekt" werde aber in zwei bis drei Jahren unwichtiger, wenn das Vertrauen in die Cloud steige. In drei bis fünf Jahren sei die Technologie etabliert.

NEUE MÖGLICHKEITEN "Cloud Computing hat das Potenzial, den IT-Einsatz bei KMUs zu revolutionieren", ist auch Günther Patterer von SAP Österreich überzeugt. Denn damit sei es möglich, Software schnell und einfach - ohne große Vorabinvestition - einzusetzen. Vor allem kleinere und junge Unternehmen könnten davon profitieren. Hier erwartet sich Patterer "enorme Umwälzungen". Bei großen Unternehmen gehe es eher um installierte Software plus Zusatzanwendungen in der Cloud.

Die große Furcht der Cloud-Anbieter sei, dass ein attraktives Angriffsziel für Hacker entsteht, wenn man tausende Kunden im Rechenzentrum hat. "Entsprechende Attacken kann niemand ausschließen", strich der Manager einen zusätzlichen Aspekt hervor.

Eine Gefahr bestehe auch darin, dass Mitarbeiter Cloud Services an den IT-Abteilungen vorbei nutzen. "Das wird unterschätzt", ergänzte Wolfgang Egger von Hewlett-Packard. Die größten Chancen räumt er hybriden Cloud-Modellen ein, also der Kombination von Public Cloud, Private Cloud und herkömmlichen Infrastrukturlösungen.

SERVICE BROKER Der IT-Manager bekomme damit einen völlig neuen Stellenwert, er werde zum "Service Broker", der die besten Bezugsquellen für die einzelnen Services nach wirtschaftlichen Standpunkten sucht, bewertet und kombiniert. Das strenge Datenschutzgesetz in Österreich sieht Egger nicht als Nachteil für das Land, im Gegenteil: "Wir haben gute Chancen, mit dem hohen Niveau in diesem Bereich zu punkten."

Auf Hybrid-Modelle setzt auch Daniel Scherling von Navax Consulting. Die Daten bleiben im Unternehmen, die Anwendungen wandern in die Cloud. Für Beratungsunternehmen sei die "Datenwolke" ein wichtiges Thema, schließlich brechen dadurch Lizenzumsätze weg. Daher müssten sich die Consulter verstärkt über die Servicequalität differenzieren. Außerdem könne man nun neue Kunden adressieren. In Österreich sei die Durchdringungsrate mit Cloud Services noch sehr gering. "Hier gilt es, zu missionieren und Ängste zu nehmen", so Scherling.

Gernot Ploder von NextiraOne verwies auf die Gefahr einer Abhängigkeit von einem Anbieter. "Hier wären Standards für einen leichteren Wechsel des Providers wünschenswert", erklärte er. Wichtig sei, sich gut zu überlegen, welche Anwendungen am Standort bleiben und welche in die Cloud wandern sollen. (apa)

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