Gastkommentar: Cloud Computing – IT so einfach wie der Strom aus der Steckdose? Detail - Computerwelt

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17.06.2011 Martin Wunderli*

Gastkommentar: Cloud Computing – IT so einfach wie der Strom aus der Steckdose?

IT so einfach wie der Strom aus der Steckdose? Plan- und kalkulierbar? Um Cloud Computing verstehen und richtig einschätzen zu können, braucht es doch etwas mehr.

Es ist nicht schwer zu verstehen, warum Cloud Computing eines der IT Themen ist, die bis zum CEO hinauf großes Interesse wecken, denn die versprochenen Vorteile lassen sich etwa so zusammenfassen: Kalkulierbare Kosten für garantierte Services, dynamisch vom Servicenutzer als Self-Service anpassbar.

IT so einfach wie der Strom aus der Steckdose? Plan- und kalkulierbar? Um Cloud Computing verstehen und richtig einschätzen zu können, braucht es doch etwas mehr. So steht zwar Cloud Computing auf vielem "drauf", doch was sich "drin" befindet, ist oft ganz unterschiedlich. Das hat zum einen mit den verschiedenen Service Modellen zu tun: Handelt es sich um Infrastructure as a Service, Platform as a Service oder gar um Software as a Service? Wenn man die Schichten einer IT Architektur anschaut, d.h. Hardware – Betriebsystem/Datenbank/Applikationsserver – Applikation lässt sich ein Cloud Angebot am Besten mit Hilfe folgender Frage einordnen: "Bis zu welchem Level wird die Wartung bzw. Verfügbarkeit garantiert?" Denn die Bereitstellung einer virtuellen Maschine mit einer Datenbank macht noch lange kein "Plattform as a Service", vielmehr sind hier darüber hinaus Leistungen und Verpflichtungen des Cloud Service Anbieters gefragt!

Ein anderer Grund für Verwirrung stellt die Vielzahl an Deployment-Varianten dar: Private (d.h. "on premise"), Community (geschlossene Benutzergruppe) oder Public Cloud. Dazu kommen noch Kombinationen der Typen (Hybrid) und spezielle Implementierungen (wie z.B. Virtual Private Cloud, d.h. eine Cloud die sich für den Nutzer privat "anfühlt" aber auf Public Cloud Elementen aufsetzt).

Versucht man, die ultimative IT-Commodity im Cloud Umfeld zu benennen, so wäre dies die Public (allenfalls Virtual Private) Cloud mit Software as a Service. Nur ist seit geraumer Zeit bekannt, dass selbst sogenannte Standard Software ein gehöriges Maß an Customizing benötigt, wenn sie den speziellen Bedürfnissen eines Unternehmens annähernd gerecht werden soll.

Die Zukunft des Cloud Computings wird daher für die meisten Unternehmen eine Auswahl aus den verschiedenen Service-Modellen und Deployment-Varianten sein, um die optimalen Kosten- und Flexibilitätsvorteile mit den Ansprüchen des eigenen Unternehmens zu kombinieren. Denn Sprüche wie "Sie können jede Farbe haben solange es schwarz ist" (Henry Ford) waren vor mehr als hundert Jahren schon nicht sehr marktfähig und sind es heute – übertragen auf Cloud Computing – auch nicht. Die zuvor beschriebene Auswahl aus den Cloud Offerings, die Integration in die bestehende IT und die Beachtung der diversen, die Integration betreffenden Regulatorien sind aber eine Aufgabe, die die wenigsten Unternehmen alleine bewältigen können. Gut für uns Dienstleister, ein Dämpfer aber für allzu rosige IT-Träume einiger CEOs.

Sicher ist aus unserer Sicht, dass wir noch lange zumindest die hybride Form des Cloud Computings vorfinden werden, also Teile der IT "on premise" und Teile "in the cloud". Die Integration von IT-Systemen ist somit eine der Hauptaufgaben im Cloud-Umfeld, und Service-orientierte Architekturen (SOA) werden hier eines der wesentlichen Werkzeuge sein. Braucht man doch aber gar nicht, wenn man sich auf Private Clouds fokussiert und die Public Cloud außer Acht lässt, sagen Sie? Prinzipiell richtig, nur werden die wenigsten Unternehmen eine Economy of Scale erzeugen können, wie es ein professioneller Cloud Anbieter kann. Reiner Fokus auf die Private Cloud ist ist aus unserer Sicht das minimale Zugeständnis einer gestandenen IT Abteilung an die technische Entwicklung, aber nicht der befreiende – wenn auch etwas länger dauernde – Schritt in eine andere IT Welt.

* Martin Wunderli ist CTO des IT-Dienstleisters Trivadis.

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