Schritt für Schritt in die Private Cloud Detail - Computerwelt

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09.05.2011 Bill Claybrook*

Schritt für Schritt in die Private Cloud

Lesen Sie, welche technischen und organisatorischen Hürden auf dem Weg in die Private Cloud zu nehmen sind.

Die Daten außerhalb der Unternehmens-Firewall speichern - das ist vielen IT-Managern zu riskant. Um trotzdem die versprochenen Vorteile aus dem Cloud Computing ziehen zu können, konzentrieren sie sich auf die "Private Cloud". Darin werden nach Ansicht der Marktforscher die Großunternehmen künftig verstärkt investieren.

Auch CIOs wie Wolfgang Gaertner (Deutsche Bank) oder Klaus Hardy Mühleck (Volkswagen) entscheiden sich für die private Variante der Cloud. Doch auch die hat ihre Tücken. Management und operationale Prozesse wollen erst einmal in den Griff bekommen sein. Und die Ansprüche an die Unternehmens-IT sind enorm: Eine interne Private Cloud aufzubauen kostet Zeit, Geld und Geduld. Der Übergang von einem traditionellen Data Center - auch wenn es bereits auf virtualisierten Servern basiert - in eine Private-Cloud-Architektur ist nicht einfach.

Im Allgemeinen stellt man sich eine Privat Cloud innerhalb der geschlossenen IT-Umgebung eines Unternehmens vor. Aber es gibt durchaus auch Prviate-Cloud-Installation, die außerhalb der Firewall von einem Dritten betrieben werden - unter der Kontrolle der unternehmensinternen IT-Abteilung. In diesem Beitrag geht es aber nur um Private Clouds im landläufigen Sinn.

MEHR ALS NUR VIRTUALISIERUNG Ungeachtet des allgegenwärtigen Hype gibt es derzeit keinen einzigen Anbieter, der wirklich die ganze Bandbreite der Software bereitstellen kann, um eine Private Cloud einzurichten und zu managen. Dazu gehören Produkte für Server-, Speicher- und Netzvirtualisierung sowie für die Automatisierung und Orchestrierung von Ressourcen. Stattdessen ist immer häufiger zu beobachten, wie Anbieter eigene Definitionen von Private Cloud schaffen, die sich mit dem jeweiligen Produktportfolio decken.

Zudem sollte sich der IT-Verantwortliche auch das eigene Personal anschauen. Haben die Mitarbeiter die Erfahrung und die Fähigkeiten, die es braucht, um eine Private-Cloud-Umgebung zu betreiben? Oder muss man doch jemanden einstellen, der schon in den Aufbau einer oder mehrerer Private Clouds involviert war?

Viele IT-Manager setzen eine Private Cloud gleich mit einem virtualisierten Rechenzentrum. Doch Virtualisierung und Cloud sind nicht dasselbe: Eine Architektur, die den Namen Cloud verdient, muss die Möglichkeit bieten, oberhalb der Virtualisierungsebene die Orchestrierung und Automatisierung der Ressourcen zu handhaben.

Unter Orchestrierung verstehen Cloud-Fachleute die koordinierte Bereitstellung unterschiedlicher Ressourcentypen, beispielsweise Prozessoren, Speicherplatz und Netz, in einem integrierten Prozess. Eine Anforderung löst also eine Reihe von Aktionen aus - idealerweise in einer spezifischen Reihenfolge. Auf diese Weise ist die benötigte Kapazität innerhalb von Minuten statt in Tagen oder Wochen verfügbar.

NUR NOCH EINE KONSOLE? Eine Prviate Cloud hilft dem IT-Manager in erster Linie, die Kosten zu senken und auf Anforderungen flexibel zu reagieren. Das Management der Infrastruktur zu vereinfachen ist ein willkommener Nebeneffekt.

Muss in einem traditionell aufgesetzten Data Center ein Server hinzugefügt werden, so geht jemand zu einer Firewall-Konsole und installiert neue Regeln, er verbindet den Server mit einem VLAN, setzt das Load Balancing neu auf und erledigt eine Reihe weiterer Aufgaben, so Jeff Deacon, Principal für das Thema Cloud Computing beim Managed-Services-Spezialisten Verizon Business. Im Gegensatz dazu benötige eine Private Cloud deutlich weniger menschliches Eingreifen:

Eigentlich sei es nur nötig, die neuen Computer oder Speichermedien entsprechend den Anforderungen zu platzieren. In einer solchen Umgebung gibt es idealerweise eine einzige Konsole, von der aus der Operator die Parameter setzt, um den gesamten Prozess zu automatisieren. Das Einloggen in unterschiedliche Konsolen für Sicherheit, Networking und Server-Betrieb gehört damit der Vergangenheit an.

MINUTEN STATT WOCHEN Ein anderer großer Unterschied zwischen der Private Cloud und dem traditionellen Data Center bezieht sich auf die IT-Prozesse. Wenn heute neue Computer-Ressourcen bereitgestellt werden sollen, müssen die IT-Organisationen das Budget dafür beantragen, die Auswirkungen auf das Speicherverhalten, das Netz und die Server-Gruppen diskutieren sowie einen Wust von Formularen ausfüllen.

Mit anderen Worten: Dieser Prozess ist so ziemlich das Gegenteil, der stromlinienförmigen und raschen Beschaffung, wie sie in einer Cloud möglich ist. Die Bereitstellungszeit lässt sich möglicherweise in Minuten statt in Wochen messen.

DIE ARCHITEKTUR WIRD AUFGEMÖBELT Auch die Systeme, auf denen ältere Anwendungen laufen, brauchen ein Facelifting. Mainframes und proprietäre Unix-Plattformen vertragen sich nicht besonders gut mit der Cloud. Die meisten virtualisierten Umgebungen, zu denen ja auch die Clouds zählen, sind auf x86-Systeme ausgerichtet.

In einer virtualisierten Umgebung weiß niemand exakt, wo eine Anwendung zu einer bestimmten Zeit läuft. Legacy-Applikationen hingegen sind an eine bestimmte Plattform gebunden. Wenn sie in eine Private Cloud übernommen werden sollen, muss ihre Architektur geändert werden.

Eines der Kennzeichen einer Cloud, Private wie Public, ist die Trennung zwischen Anwendung und Hardware. In einem traditionellen Data Center gibt es vielleicht zehn Server, auf denen Rechnungsanwendungen laufen, fünf, die Kundendaten verarbeiten etc. In einer Privat Cloud suchen sich die Anwendungen quasi einen Server, der gerade freie Kapazität hat.

Die Business-User profitieren von der Cloud, indem sie bei Bedarf schnell und ohne menschliches Eingreifen Kapazitäten und Services beziehen. Die IT-Leute müssen dafür sorgen, dass stets genug Ressourcen zur Verfügung stehen. Anforderungen müssen innerhalb von Minuten erfüllt werden. Denn von nun an werden die User Wartezeiten nicht mehr akzeptieren.

KONSEQUENZEN FÜR DEN IT-BEREICH Private Clouds bieten die "Elastizität" der Public Clouds. Das geschieht innerhalb des von einer Firewall geschützten inneren Firmenbereichs - was aber die Anwender nicht davon abhält, an die Private Cloud dieselben Anforderungen zu stellen wie an die Public Cloud.

In der Public Cloud ist der Provider für die Infrastruktur verantwortlich, eine Business Application Group des Kunden kümmert sich um Management und Monitoring der Anwendungen. Wenn die Private Cloud in ähnlicher Manier betrieben werden soll, muss sich die IT-Abteilung anpassen, sprich: Unter Umständen ihre gewohnte Rolle als Anwendungs-Managerin aufgeben.

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