Germar Schröder, Booz & Company: "Die Angst um die Daten ist eher eine gefühlte als eine reale" Detail - Computerwelt

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20.04.2011 Oliver Weiss

Germar Schröder, Booz & Company: "Die Angst um die Daten ist eher eine gefühlte als eine reale"

Spricht man IT-Anbieter auf Cloud Computing an, bekommt man vor allem eines zu hören: Die Zukunft der Unternehmens-IT liegt in der Wolke.

Was sagt jedoch ein unabhängiger Experte, der nicht die eigene Lösung vermarkten will, dazu? Die COMPUTERWELT wollte es wissen und hat mit Germar Schröder, IT-Experte des Beratungshauses Booz & Company, gesprochen.

Was ist der erste Schritt, wenn sich ein Unternehmen für Cloud Computing interessiert? Germar Schröder: Zunächst einmal müssen sich Unternehmen darüber im Klaren sein, dass Cloud Computing keine spezifische Lösung, kein Produkt ist, sondern ein Weg, IT-Komponenten zu beziehen. ­Danach sollte man sich eine Strategie überlegen: Für welche Bereiche meines Unternehmens kann denn eine Bereitstellung über die Cloud überhaupt interessant sein, welche Enterprise-Applikationen lassen sich abbilden und welche Art von Cloud – Public oder Private – kommt ­dafür in Frage. Nicht alle Anwendungen eignen sich für Cloud Computing.

Nach welchen Kriterien sollten Unternehmen diese Strategie ausrichten? Security und Datenschutz sind natürlich sehr wichtige Themen. Ein Unternehmen muss sich daher fragen: Wie wichtig sind bestimmte Daten für mich und bis zu welchem Grad bin ich willens, mich bei kritischen Applikationen auf einen externen Provider zu verlassen. Ein weiterer wichtiger Punkt ist der Migrationsaufwand. Eine Unternehmensapplikation in die Cloud zu verschieben, ist kein Kinderspiel und sollte wohl überlegt sein.

Muss ein Unternehmen bei Public Clouds Angst um seine Daten haben? Nicht wirklich. Die Angst um die Daten ist eher eine gefühlte als eine reale Angst. Bei gehosteten Lösungen werden die Daten ja jetzt auch schon außer Haus gegeben. Die großen Rechenzentren sind im Hinblick auf Security alle mehrfach zertifiziert. Was beispielsweise Backup und Recovery betrifft, sind die Daten dort viel besser aufgehoben, als in den meisten Unternehmen. Trotzdem sollte ich als Kunde potenzielle Cloud-Serviceprovider auf Security-Themen ansprechen, alleine um zu sehen, wie sie mit solchen Fragen umgehen. Der zweite Punkt in diesem Zusammenhang ist die Privatheit der Daten: Die Fragen, die sich hier stellen, sind: »Wie gut sind meine Leitungen zum Serviceprovider abgesichert?« und »Wer darf überhaupt auf die Daten zugreifen?«.

Da all diese Punkte vertraglich geregelt werden sollten: Muss ein Unternehmen, das sich für Cloud Computing interessiert, zunächst einmal einen Anwalt engagieren? Wenn Sie einen derartigen Vertrag unterschreiben, würde ich vorher auf jeden Fall einen Anwalt darüberschauen lassen. Besonders die Service Level Agreements (SLA) und die Haftungsbedingungen in den AGB sollten genau geprüft und auch explizit mit dem potenziellen Provider besprochen werden.

Wird die Abhängigkeit von einzelnen Anbietern – Stichwort Lockin-Effekt – in der Cloud noch verstärkt? Es ist natürlich klar, dass Unternehmen nicht ständig die Cloud wechseln. Einen gewissen Lockin-Effekt wird es daher immer geben – Investitionen in Software beispielsweise ziehen ja auch einen gewissen Lockin-Effekt nach sich. Wie stark der ist, hängt davon ab, was Sie machen wollen. Wenn Sie nur eine Blackbox beim Provider stehen haben und sich selber um das Applikationsmanagement kümmern und auch das Know-how und das Team dafür haben, dann ist der Lockin-Effekt geringer. Geben Sie auch die Applikationshoheit ab, dann verstärkt sich dieser Effekt.

Werden in Zukunft auch große Unternehmen ihre gesamte IT als Service aus der Cloud beziehen? Das ist eine Zeitraumfrage. Wenn Sie die Anbieter fragen, werden die »ja« sagen. Es ist zwar jetzt Vieles möglich, was bisher aus technischer Sicht nicht möglich war, ­jedoch fehlen vielfach noch Referenzbeispiele. Vor allem der Applikationsbereich steckt in den Kinderschuhen. Hier sind die Anbieter gefordert: Sie müssen dem Druck nachgeben und sich stärker als bisher dem Softwarelizenz-Geschäft entziehen.

Das Gespräch führte Oliver Weiss.

Zur Person: Germar Schröder ist Mitglied der ­Geschäftsleitung des unabhängigen Beratungshauses Booz & Company und Principal für den Bereich IT Practice. Er berät vorwiegend Kunden der Telekommunikations- und der Technologiebranche sowie IT-Serviceprovider. In den letzten Jahren hat Schröder zahl­reiche Projekte im Bereich Cloud Computing hinsichtlich Produktentwicklung, Markteinführung, Security und IT-Transformation betreut. Weitere Tätigkeitsfelder sind IT-Architektur, IT-­Strategie sowie Finance IT.

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