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07.10.2009 Rudolf Felser/Thomas Mach

Technologiespielerei ohne nachhaltige Strategie

Cloud Computing, so das Credo, soll die IT-Welt verbessern und dem allgegenwärtigen Sparsinn entgegenkommen. Dennoch mehren sich kritische Stimmen.

Daten und Anwendungen in einer Cloud zu platzieren, auf die immer und überall zugegriffen werden kann, hat sich eindeutig zum Hype entwickelt. Allerdings sehen Experten das Thema sehr differenziert: Von »altem Wein in neuen Schläuchen« bis zu »ein Thema, das massive Auswirkungen auf die IT-Landschaft haben wird«, reicht die Palette der Meinungen.

»Dieser Markt wächst in Österreich jedenfalls derzeit um 30 bis 40 Prozent. Laut Analysten trägt dazu auch die aktuelle Wirtschaftssituation bei«, erklärte Gerwald Oberleitner von Microsoft Österreich bei einer Veranstaltung der APA-E-Business-Community. Außerdem würden sich die Unternehmen zunehmend auf ihre Kernkompetenzen konzentrieren. »Wenn man sich nicht mit dem Thema beschäftigt, wird einen das Thema überrollen«, so Oberleitner. Cloud-Plattformen würden die Grundinfrastruktur für Betriebssysteme, Datenbanken und Zugriffskontrollen zur Verfügung stellen. Außerdem könnten Softwareentwickler den Endkunden hier ihre Anwendungen anbieten. »Sie sollten entsprechende Cloud Services gleich mitdenken, um sich neue Kunden und Märkte zu erschließen«, riet Oberleitner. Denn lokal entwickelte Applikationen würden maßgeschneiderte und branchenorientierte Lösungen ermöglichen.

Microsoft plädiert dabei schon länger für Software plus Services, »das Beste aus beiden Welten«. Viele Anbieter würden ausschließlich auf Online-Services setzen und sich auf die Fahnen heften, ohne (Offline-) Software auszukommen. »Aber das stößt schnell an Grenzen, schließlich steht nicht überall eine Internetverbindung zur Verfügung«, gab sich der Microsoft-Manager überzeugt. Am meisten profitieren würden von Cloud Services mittelständische Betriebe mit bis zu 250 Mitarbeitern, da hier die Kosteneffekte am stärksten zum Tragen kämen.

CLOUD-RISIKO ABWÄGEN Man müsse zwischen Hype und Realität unterscheiden, meinte Gerhard Fröhlich von Capgemini Austria: »Die Frage ist, ob ich das Risiko eingehen kann, meine Kernprozesse komplett in die Cloud auszulagern. Und diese Frage stellen sich die Entscheider.« Nur wenn es gelinge, Vertrauen in die »Datenwolke« zu schaffen, sei ein Erfolg absehbar. Für viele spiele es keine Rolle, ob in die Cloud oder zu lokalen Anbietern ausgelagert werde, Tatsache sei: »Ich gebe die Daten einem Dritten.« Fröhlich bezeichnete Cloud Computing als »ernstzunehmenden Hype«, der »definitiv kommen wird«. Zuerst müssten aber noch wichtige Fragen wie Datensicherheit oder gesetzliche Vorgaben geklärt werden. Ansonsten bestehe die Gefahr, dass die Cloud einmal mehr eine reine Technologiespielerei bleibe, ohne nachhaltige betriebswirtschaftliche und strategische Verbesserungen zu erzielen, und somit wieder verschwinde.

Durch eine gemeinsame Nutzung von IT-Ressourcen über das Internet seien sehr wohl Einsparungen zu erzielen, aber nicht jeder Service eigne sich gleich gut, um in eine Cloud ausgelagert zu werden. Der Unterschied zum Outsourcing sei, dass man nicht »ein Rechenzentrum von A nach B schiebe«, sondern Services kombiniert, die den eigenen Bedürfnissen angepasst werden könnten.

Von »altem Wein in neuen Schläuchen« und einem »nebulosen Begriff, unter dem jeder etwas anderes versteht«, sprach hingegen Harald Lakatha vom Softwareanbieter IT Solution. Cloud sei nichts für Anwendungen von heute. Dafür reiche auch das »alte Thema« Outsourcing. »Es geht darum, neue Dinge zu machen und neue Services zu entwickeln«, forderte Lakatha. Die Diskussion über Auslagerungen sei »langweilig«, Cloud Computing »noch nicht sexy«. Er hält auch die Konzentration von Daten in einem externen Rechenzentrum für ein Problem. »Man weiß, dass die größte Gefahr von innen ausgeht.« Mit der Cloud eines Anbieters gebe es einen zentralen Punkt, an dem Attacken angesetzt werden könnten – etwa bei der Wirtschaftsspionage.

»Wer unter Beobachtung steht, passt vielleicht besser auf Daten auf, als man im eigenen Haus darauf achten würde«, entgegnete dem Christian Plaichner vom Softwarehersteller UC4 Senactive. Außerdem zeige das Beispiel von Online-Bezahlsystemen schon seit Jahren, dass das Thema Datenschutz »hoch gespielt wird«. Allerdings seien die IT-Abteilungen sehr vorsichtig, deshalb werde es wohl länger dauern, bis sich das Thema durchsetze. Dann sieht aber auch er »dramatische Veränderungen« auf die Branche zukommen. Es werde »für viele, die jetzt den Kopf in den Sand stecken, noch ein böses Erwachen geben«, betont Plaichner.

Von einem »Hype-Thema«, das aber »die IT-Landschaft verändern wird«, sprach auch Peter Rass von Telekom Austria. Derzeit würde laut Rass beispielsweise nur ein halbes Prozent des gesamten IT-Umsatzes in Deutschland auf Software als Dienstleistung entfallen.

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