Nagelprobe für die Wolke Detail - Computerwelt

Computerwelt: Aktuelle IT-News Österreich


04.11.2010 Edmund E. Lindau

Nagelprobe für die Wolke

Datenschutz wird zur größten Herausforderung für das "Rechnen in der Wolke". Das ist das Ergebnis einer von den Wirstschaftsprüfern Pricewaterhouse Coopers beauftragten Studie.

Daten können in der Cloud innerhalb von Sekundenbruchteilen zwischen Rechenzentren überall auf dem Globus hin und her wandern. Angesichts noch immer ungelöster Sicherheitsfragen besteht damit weiterhin ein erhebliches Risiko von Datenschutzpannen. »Wer sensible Daten oder wichtige IT-Prozesse in die Cloud auslagert, muss in seinem eigenen Interesse die Sicherheitsvorkehrungen der Provider genau kennen und prüfen«, sagt Markus Vehlow, PwC-Experte für Cloud Computing. »Sonst drohen finanzielle Schäden, die die Kostenersparnis, die Cloud Computing zweifellos bietet, bei weitem überschreiten können.«

Fast alle Cloud-Computing-Anbieter (96 Prozent) sehen die Sicherheit ihrer Angebote als den entscheidenden Faktor für die Zufriedenheit ihrer Kunden an. Die Provider nutzen deshalb unterschiedliche Instrumente, um ihren Kunden Informationssicherheit zu gewährleisten: Im Vordergrund steht bei 67 Prozent der Anbieter eine detaillierte Risikoanalyse, 65 Prozent setzen auf eine Zertifizierung der eigenen Informationssicherheit. Rund die Hälfte nennt die Anpassung der Sicherheitskonzepte des Kunden und Nutzer-Audits in diesem Zusammenhang als wichtige Maßnahmen. Darüber hinaus ist Compliance eine weitere zentrale Herausforderung für die Cloud-Anbieter. Zwar geben 84 Prozent an, ein Compliance-Management-System installiert zu haben. Gleichzeitig nennen allerdings sechs von zehn Anbietern die Implementierung eines internen Kontrollsystems als wichtige Herausforderung. Das legt nahe, dass das Compliance-Management noch nicht vollständig auf die besonderen Bedingungen von Cloud Computing angepasst ist. Entscheidend sind nach Ansicht der IT-Anbieter die Identifizierung der Compliance-Anforderungen der Kunden (82 Prozent), die Beachtung branchenspezifischer Erfordernisse (63 Prozent) und ein Compliance-Nachweis durch unabhängige Dritte (63 Prozent).

Nur gut jeder zweite Cloud-Computing-Anbieter (55 Prozent) nutzt für seine Dienste Server in Deutschland. Lediglich 30 Prozent der befragten Anbieter speichern die Daten jedoch ausschließlich in Deutschland. Bei einem Viertel der Anbieter ist also nicht ausgeschlossen, dass die Daten Deutschland auch verlassen. Dabei ist der Standort der genutzten Server von großer Bedeutung. »Nach EU-Recht dürfen Unternehmen Daten aus dem Europäischen Wirtschaftsraum nur dann nach außen übermitteln, wenn bei den Empfängern ein entsprechendes Datenschutzniveau existiert«, gibt Vehlow zu bedenken. In den USA beispielsweise ist dies nur gegeben, wenn die jeweiligen Betreiber sich dem so genannten »Safe-Harbor-Regelwerk« des US-Handelsministeriums unterworfen haben. Bei 39 Prozent der Anbieter liegen die Daten auf Servern in den USA, bei 24 Prozent in anderen Ländern außerhalb der EU.

»Ein geschlossenes, abgeschottetes Firmen-Netzwerk ist in punkto Sicherheit kaum zu übertreffen. Wer aber geeignete Schutzmaßnahmen ergreift, der kann getrost zur IT aus der Steckdose greifen«, kommentiert Vehlow. »Entscheidend ist dann allerdings, dass der Eigentümer der Daten in der Cloud nicht den Überblick über seine Daten verliert und geeignete Verschlüsselungstechnologien genutzt werden.«

Besonders riskant sind die Übertragung der Daten in die Cloud und noch mehr die Rückführung der Daten am Ende der Zusammenarbeit mit dem Anbieter aus der Cloud heraus. In beiden Fällen muss sichergestellt sein, dass bei der Migration keine Daten verändert werden oder verloren gehen. Auch nach der Kündigung müssen die zeitnahe Rückgabe und eine anschließende vollständige und unwiderrufliche Löschung der Daten in der Cloud gewährleistet sein.

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