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25.02.2009 Thomas Mach

Dichtung und Wahrheit über Software as a Service

Software für Unternehmen ist kostspielig und oft nicht einfach zu implementieren. Nach ein paar Jahren ist die Investition veraltet.

Software as a Service, also das Mieten von Software, unterliegt derzeit einem enormen Boom. Zunehmend mehr Anwender setzen, angesichts der wirtschaftlichen Krise und schrumpfender Budgets, auf Software as a Service. Galt bislang vornehme Zurückhaltung, wenn es um das Weitergeben geschäftskritischer Informationen ging, zählt nun vor allem eines – der erhoffte Kostenvorteil.

Dementsprechend geht der Marktforscher IDC davon aus, dass sich der weltweite IT-SaaS-Markt bis 2012 mehr als verdoppeln wird. Auch die Auguren von Gartner erwarten, dass sich der SaaS-Markt in den kommenden vier Jahren verdoppeln wird. Gartners Prognose basiert vor allem auf der Annahme, dass Geschäfts- und Computing-Modelle für SaaS mittlerweile so weit gereift seien, dass sie »überall eingesetzt werden könnten«, wie Sharon Mertz, Research Director bei Gartner, erläutert. Nicht zuletzt deswegen hätten in den zurückliegenden vier Jahren auch die anfänglichen Bedenken von Anwendern hinsichtlich Sicherheit, Reaktionszeiten und Service-Verfügbarkeit maßgeblich abgebaut werden können. »Die Beliebtheit des On-Demand-Modells ist deutlich gestiegen.«

DETAILLIERTER BLICK AUF ANGEBOTE NOTWENDIG Allerdings sei längst nicht alles Gold, was im SaaS-Schein glänzt. So biete eine stetig wachsende Zahl von Herstellern und Dienstleistern unter den Schlagworten SaaS und On Demand allerlei Lösungen an. »Für interessierte Unternehmen steigt der Aufwand zunehmend, sich einen Überblick über die Angebote zu verschaffen«, erläutert Andreas Burau, Research Director ICT-Service bei der Experton Group. Ein zweiter, detaillierter Blick auf die Angebote sei daher »stets notwendig, um das Leistungsangebot und das Geschäftsmodell der jeweiligen Anbieter hinsichtlich der SaaS-Thematik zu verstehen«.

Auch Marktforscher Gartner warnt vor übertriebenem SaaS-Enthusiasmus. Entscheidungen für Saas-Anwendungen sollten nicht auf Grundlage von nicht bewiesenen Theorien getroffen werden, unterstreicht Robert DeSisto, Vice President und Distinguished Analyst bei Gartner.

»Die steigende Beliebtheit von SaaS entsteht aus bestimmten Annahmen über dieses sich rasch entwickelnde Modell. Allerdings ist es für Unternehmen schwierig, Dichtung und Wahrheit zu unterscheiden«, erklärt der Analyst.

AKZEPTANZ WÄCHST Nachdem das Thema Mietsoftware bereits in Bereichen wie Kundenmanagement, Collaboration, E-Mail-Filtering Eingang und Akzeptanz gefunden hat, werde es heuer auch zunehmend für unternehmenskritische Bereiche – etwa ERP – evaluiert werden, prognostiziert die Experton Group. Allerdings haben die Berater laut eigenen Angaben »ein unterschiedliches Adaptionsverhalten bei unterschiedlichen Anwendergruppen« festgestellt. »Unternehmen des kleineren Mittelstandes signalisieren bislang größere Bereitschaft als kleine Unternehmen oder Unternehmen des gehobenen Mittelstandes.«

Angesichts des vielfältigen Angebots fällt es Unternehmen derzeit nicht leicht, sich für eine SaaS-Lösung zu entscheiden. Ein Umstand, den die Fachhochschule Joanneum – zumindest im Bereich der Supplier Relationship Management-Portallösungen – ändern will.

POTENZIAL FÜR KÜNFTIGE ENTWICKLUNGEN AUFZEIGEN Die Fachhochschule hat daher, im Rahmen eines mehrmonatigen Forschungsprojektes mit dem SRM-Spezialisten Selected Services, eine Methodik zur einheitlichen Bewertung und Auswahl von SRM-Portallösungen entwickelt. »Um den Anwender bei der Ermittlung der für sein Unternehmen relevanten Faktoren zu unterstützen, haben wir einen umfangreichen Kriterienkatalog als komplettes Tool-Set erarbeitet. Ein mehrstufiger Entscheidungsprozess, der im Wesentlichen auf einer erweiterten Nutzwertanalyse basiert, führt ihn Schritt für Schritt zu der optimalen SRM-Portallösung unter den gegebenen Bedingungen«, erläutert Jörg Schweiger, wissenschaftlicher Mitarbeiter und Lektor am Studiengang Industrial Management/Industriewirtschaft an der Fachhochschule. Ausgehend von der Analyse der Ist-Prozesse könnten Entwicklungspotenziale aufgezeigt und Abhängigkeiten bei der Planung und Umsetzung einzelner Prozesse und Module berücksichtigt werden. Als beschaffungsrelevante Einflussmöglichkeiten von SRM-Lösungen wurden neben den Systemfunktionen die Faktoren Kosten, Zeit, Flexibilität, Qualität sowie strategische Aspekte ermittelt.

Für IT-Hersteller wird das Geschäft mit Mietsoftware indessen zunehmend zum wichtigen Hoffnungsmarkt. So verwundert es nur wenig, dass erst unlängst der Sicherheitsspezialist McAfee bekannt gab, das hauseigene SaaS-Angebot deutlich ausbauen zu wollen.

Hierfür hat McAfee eine eigene SaaS Security Business Unit gegründet, die unter anderem die »In the Cloud-Fähigkeiten« des Security-Anbieters ausbauen soll, wie ein Sprecher des Unternehmen erklärt.

MITTELSTAND IM VISIER Vor allem Kunden aus dem Mittelstand sollen via SaaS zu neuen Investments bewogen werden, hofft die Branche.

Mit einem SaaS-Angebot für mobile Netzwerkbetreiber und Serviceanbieter will etwa Communigate Systems punkten. Mittels der Mobile Office benannten Lösung könnten kleine und mittelständische Unternehmen mobile Unified Communications als Software as a Service nutzen. Die Anwender hätten so »unterwegs stets Zugriff auf ihr virtuelles Büro«, wie Thomas Fleissner, Managing Director EMEA bei Communigate Systems, erläutert.

NEUE GESCHÄFTSFELDER MITTELS SAAS ERÖFFNEN Mobile Office unterstütze den Trend zu mobilen Breitband- und Kommunikationsservices und helfe »Anbietern, im lukrativen Geschäftskundenmarkt Mehrwertservices zu offerieren«, prophezeit Fleissner. »Immer mehr Unternehmen entscheiden sich heute für mobile Breitbandservices. Besonders kleine Unternehmen setzen dabei auf Kommunikationsservices als SaaS-Angebot. Mithilfe von Mobile Office können Mobilfunkbetreiber ihre Angebote mit einem deutlichen Mehrwert versehen und so von den enormen Investitionen profitieren, die sie in den Aufbau ihrer Netze gesteckt haben.«

Auch der ERP-Spezialist Infor setzt auf Mietsoftware und hat dafür – ähnlich wie McAfee – eine eigene Managed-Services-Gruppe ins Leben gerufen, die bestehende Angebote wie etwa SaaS in einem Center of Excellence standardisiere. Ziel sei es, »weiteres Einsparungspotenzial und Innovationen für Kunden zu erschließen«.

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