Digitalisierung braucht mehr Tempo Digitalisierung braucht mehr Tempo - Computerwelt

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07.03.2017 Martin Bayer*

Digitalisierung braucht mehr Tempo

Zwar bescheinigt der Bitkom dem deutschen ITK-Markt solide Wachstumsraten. Doch um in Sachen Digitalisierung nicht abgehängt zu werden, brauche es mehr Tempo. Der ITK-Verband sieht vor allem im Fachkräftemangel ein großes Problem und fordert mehr Zuwanderung.

Deutschland müsse sich stärker um Zuwanderung kümmern, fordert Bitkom-Präsident Thorsten Dirks.

Deutschland müsse sich stärker um Zuwanderung kümmern, fordert Bitkom-Präsident Thorsten Dirks.

© Bitkom

"Wir müssen bei der digitalen Transformation mehr Tempo aufnehmen", forderte Bitkom-Präsident Thorsten Dirks anlässlich der Vorstellung der jüngsten Konjunktur-Prognose für den deutschen ITK-Markt. "Die Digitalisierung sei der stärkste Wachstumsmotor, den wir jemals hatten", konstatierte der Funktionär des Lobbyverbands und warnte im gleichen Atemzug, diesen nicht abzuwürgen. Die Gefahr besteht offenbar - vor allem wegen des weiterhin akuten Fachkräftemangels. Dem Bitkom zufolge könnten aktuell 51.000 Stellen in der hiesigen ITK-Branche nicht besetzt werden. Das sind 19 Prozent mehr als noch vor enem Jahr. "Die schwierige Fachkräftesituation hemmt die Entwicklung der Digitalwirtschaft und gefährdet die digitale Transformation", so Dirks.

Deutschland müsse sich deshalb aktiver um Zuwanderung kümmern, forderte der Bitkom-Präsident. "Wir müssen um kluge Köpfe aus aller Welt werben, um langfristig Wachstum und Wohlstand zu sichern." Zudem sei eine bessere Qualifikation des Nachwuchses erforderlich, wie auch eine ständige Weiterbildung der Menschen. Dirks plädiert für eine grundlegende Reform des Bildungssystems hierzulande. Mit dem Digitalpakt und der Initiative "Smart Schools" seien die ersten Schritte in die richtige Richtung gemacht. Jetzt seien die Länder gefordert, dies umzusetzen. "In fünf Jahren muss jede Schule in Deutschland eine Smart School sein", legte Dirks die Messlatte hoch.

Insgesamt bescheinigen die Bitkom-Verantwortlichen dem deutschen ITK-Markt eine gute Entwicklung. Nachdem die hiesigen Geschäfte im vergangenen Jahr um ein Prozent auf ein Volumen von 159,3 Milliarden Euro zugelegt hatten, soll der deutsche ITK-Markt im laufenden Jahr um weitere 1,3 Prozent auf 161,4 Milliarden Euro wachsen. Bitkom-Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder nannte das Plus aus dem zurückliegenden Jahr "sehr bescheiden". Grund dafür sei ein unerwarteter Rückgang im deutschen Smartphone-Markt gewesen, was Absatz und Umsatz anbelangt. Auch die Halbleiter- und Server-Umsätze hätten sich nicht so entwickelt wie ursprünglich erwartet. Eigentlich war man in Reihen des Bitkom davon ausgegangen, die 160-Milliarden-Euro-Marke bereits 2016 knacken zu können. Die ursprüngliche Wachstumsprognose des Bitkom für 2016 in Höhe von 1,7 Prozent auf 160,2 Milliarden Euro wurde jedoch deutlich verfehlt.

Wachstumstreiber Software

Die einzelnen Segmente des deutschen ITK-Marktes entwickeln sich sehr unterschiedlich. Während das Geschäft mit Telekommunikationsdiensten im laufenden Jahr um 0,6 Prozent auf 48,9 Milliarden Euro schrumpfen soll, prognostiert der Bitkom für den hiesigen Softwaremarkt ein Plus von 6,3 Prozent auf 23 Milliarden Euro. Insgesamt verschieben sich die Gewichte im ITK-Markt weiter, stellte der Bitkom fest. Die Informationstechnik soll 2016 um 2,7 Prozent auf 86 Milliarden Euro wachsen. Neben der Software würde auch das Geschäft mit IT-Services solide um 2,3 Prozent auf ein Volumen von 39 Milliarden Euro zulegen können. Das Hardwaregeschäft bleibe mit einem leichten Plus von 0,1 Prozent auf 24 Milliarden Euro weitgehend stabil, hieß es.

Dagegen schrumpft der Bereich Telekommunikation leicht um 0,2 Prozent auf 66,2 Milliarden Euro. Das Wachstum von 0,7 Prozent im Geschäft mit Telekommunikationsinfrastruktur (6,6 Milliarden Euro) und 1,0 Prozent bei den Endgeräten (10,7 Milliarden Euro) kann den Rückgang bei den TK-Diensten nicht auffangen. In der Unterhaltungselektronik stabilisiert sich der Markt dem Bitkom zufolge, nachdem er in den vergangenen Jahren deutlich geschrumpft war. Die Umsätze gingen demnach 2016 voraussichtlich nur noch leicht um 0,5 Prozent auf 9,2 Milliarden Euro zurück. Positiv entwickle sich die Nachfrage nach Home-Audio-Geräten.

21.000 neue Jobs
Mit dem Wachstum der Branche entstehen weiter neue Arbeitsplätze. 2017 sollen 21.000 zusätzliche Jobs in der hiesigen Bitkom-Branche dazukommen, prognostizierte der Verband. Demnach würden Ende 2017 in der Branche 1.051.000 Menschen beschäftigt sein. Das entspricht einem Plus von zwei Prozent im Vergleich zum Jahresende 2016. Debatten über eine vermeintlich drohende Massenarbeitslosigkeit durch die Digitalisierung bezeichneten die Bitkom-Funktionäre als verfehlt. "Die digitale Transformation schafft weltweit Millionen neuer Jobs", sagte Dirks. "Diese Jobs sind oft nicht mehr an einen bestimmten Standort gebunden. Wir müssen diesen Prozess aktiv so gestalten, dass die Arbeitsplätze in Deutschland entstehen."

Im internationalen Vergleich kann Deutschland hinsichtlich der Wachstumsraten allerdings nicht mithalten. Zwar legen die ITK-Geschäfte hierzulande stärker zu als in der EU (plus 0,5 Prozent). Andere Regionen wachsen indes deutlich schneller. In China liegt das Plus für den dortigen ITK-Markt 2017 bei 2,4 Prozent. Die USA sollen sogar um 4,0 Prozent zulegen. Insgesamt würden die weltweiten ITK-Geschäfte in diesem Jahr um 2,5 Prozent auf 3,182 Billionen Euro wachsen, meldete der Bitkom unter Berufung auf Zahlen des EITO und von IDC. Der deutsche ITK-Anteil am Weltmarkt liege laut Bitkom in diesem Jahr bei vier Prozent. China kommt auf 12,2 Prozent, die USA auf 30,7 Prozent. Angesichts dieser Zahlen warnt Bitkom-Präsident Dirks, nicht ins Hintertreffen zu geraten: "Deutschland und die EU müssen im Wettbewerb aufholen."

*Martin Bayer ist stellv. Chefredakteur der Computerwoche. 

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