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18.01.2012 Daniel Liebhart*

Gastkommentar: IT-Landscaping

Die verständliche Darstellung der Systemlandschaft einer IT ist und bleibt eine der großen Herausforderungen jeder IT­-Abteilung.

Die verständliche Darstellung der Systemlandschaft einer IT ist und bleibt eine der großen Herausforderungen jeder IT­-Abteilung. So existieren zwar standardisierte Gesamtdarstellungen wie im Bereich des Enterprise Architecture Management (EAM) – sie sind jedoch in vielen Fällen genau für diejenigen schwer zu verstehen, die die notwendigen Budgets sprechen sollten. Der Abgleich zwischen der betrieblichen Tätigkeit (die Geschäftsprozesse) mit den unterstützenden IT­-Systemen fehlt oftmals sogar ganz. Diese fehlende Gesamtsicht ist oftmals die Ursache für Missverständnisse oder auch fehlende oder schlechte Kommunikation. Hinter diesem Mangel steckt jedoch ein Grundproblem, das nicht einfach aus der Welt zu schaffen ist.

DAS GRUNDPROBLEM Leider ist es gemäß heutigem Stand der Forschung nicht möglich, die IT in einem einzigen Gesamtplan darzustellen, so wie wir das aus dem Bauwesen kennen. Da existieren standardisierte Pläne in 3­D, die jeden Aspekt eines Gebäudes darstellen können. Spezialisierte Sichten, wie sie beispielsweise für den Einbau der Stromleitungen notwendig sind, werden einfach aus dem Gesamtplan extrahiert. Genau das ist in der IT nicht möglich. Aufgrund der Tatsache, dass IT­-Systeme sehr viel mehr dynamische Elemente als normale Bauwerke enthalten, sind gemäß Theorie mehrere Sichten notwendig, um eine IT­-Landschaft vollständig darzustellen. Die Anzahl der notwendigen Sichten variiert zwar von Standard zu Standard, aber es sind immer mindestens drei Stück – und sie werden auch nicht aus einem Gesamtplan extrahiert. Schlimmer noch, sie sind oft sehr schwer in Zusammenhang zu bringen.

STANDARDISIERTE DARSTELLUNG Das Zachmann Framework ist die Nummer eins, was die Anzahl der Sichten auf eine IT­-Sys­temlandschaft betrifft. Da sind nicht weniger als 30 Sichten, die notwendig sind, um gemäß ISA (Information Systems Architecture) die Gesamtarchitektur auf Unternehmensebene darzustellen. Die Systemlandschaft eines Unternehmens wird als Ganzes aus zwei Blick­winkeln betrachtet: der Perspektive und dem Fokus. Die Perspektive beschreibt die Sicht­weise aus dem Blickwinkel der am Systembau beteiligten Personengruppen. Also aus Sicht der Planung, des Besitzers, der Gestalter und der Erbauer. Zudem sind detaillierte und ope­rative Perspektiven vorgesehen. Der Fokus versucht verschiedene Aspekte wie Daten, Funktion, Netzwerk, Personen, Zeit und Motivation eines Systems isoliert zu betrachten.

Damit eine gesamte Systemlandschaft im Auge zu behalten ist keine einfache Aufgabe. Ein anderer wichtiger Standard (Open Distributed Processing, ODP) arbeitet mit den fünf Sichten, Enterprise, Information, Computati­onal, Engineering und Technology Viewpoint. Es wird die konkrete Technologie von den logischen funktionalen Komponenten und der Informationen getrennt visualisiert. Zudem werden zusätzlich Infrastruktur und Gesamt­sicht dargestellt.

HEUTE AKTUELL: TOGAF Viele Unternehmen und auch der Bund arbeiten mit dem Architekturframework TOGAF (The Open Group Architecture Framework), um eine Gesamtsicht auf eine IT­-Landschaft auf Basis einer Reihe von Grundelementen darzustellen. TOGAF arbeitet mit Granulari­tätsstufen von der Vision über die Prinzipien über ein technisches Referenzmodell bis hin zu Enterprise Architecture Patterns und Software Design Patterns, Netzwerkkonzepte und Plattform ­Best ­Praktiken. Dahinter steckt ein Entwicklungsmodell, das rund um ein Anforderungsmanagement gruppiert wird. TOGAF sieht eine Vielzahl von Darstellungen vor, um eine Systemlandschaft zu erfassen. Die Geschäftsarchitektur, die Architektur der Daten, der Anwendung und der Technologie werden getrennt dargestellt. Dieser Standard eignet sich zwar für die Kommunikation unter IT­Architekturen, sie ist jedoch für andere Beteiligte oftmals schwer verständlich.

ES GEHT AUCH EINFACHER In vielen Fällen genügt jedoch eine relative einfache Darstellung, die lediglich auf zwei Elementen basiert: der Zuordnung von IT­-Systemen oder IT-­Funktionen zu den zentra­len Geschäftsobjekten und zu den wichtigen Geschäftsprozessen. Die zentralen Geschäfts­objekte wie beispielsweise der Kunde, der Auftrag oder das Produkt werden erfasst und generell beschrieben. Für eine gute Gesamt­darstellung ist anschließend eine Abbildung auf die verschiedenen IT­-Systeme mit einer CRUD­-Matrix (Create, Read, Update und Delete) sehr hilfreich, da sofort ersichtlich wird, welche Systeme für welches Geschäftsobjekt zuständig sind und wo allenfalls Redundanzen oder andere mögliche Problemfelder vorhan­den sind. Nach demselben Prinzip funktioniert die Zuordnung zu den Geschäftsprozessen. Zu diesem Zweck werden die Geschäftsprozesse auf oberster Ebene – allenfalls auf zweitobers­ter Ebene – dargestellt. Anschließend werden die unterstützenden Systeme als Sammlung von Services dem jeweiligen Geschäftsprozess zugeordnet. So wird beispielsweise sofort ersichtlich und sogar bewertbar, welche Prozesse von welchen Systemen wie gut unterstützt werden oder auch nicht. Und eine Gesamtsicht auf die Anwendungslandschaft wird möglich, wenn zwischen zentralen und unterstützenden Systemen unterschieden wird. IT­-Landscaping besteht aus zwei Sichten, ist relativ einfach und auch für Nicht-­IT-Fach­leute verständlich. Probieren Sie es aus!

* Daniel Liebhart ist Dozent für Informatik an der Hochschule für Technik in Zürich und Solution Manager der Trivadis AG. Er ist Autor des Buches "SOA goes real" (Hanser Verlag) und Co-Autor verschiedener Fachbücher.

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