Mit TCO & Co den Wertbeitrag ermitteln: Welche IT-Investition zahlt sich aus? Detail - Computerwelt

Computerwelt: Aktuelle IT-News Österreich


07.08.2011 Michael Maicher*

Mit TCO & Co den Wertbeitrag ermitteln: Welche IT-Investition zahlt sich aus?

Kaum eine anderer Bereich steht so unter Rechtfertigungsdruck wie die IT. Aber wie lässt sich ihr Wertbeitrag überzeugend nachweisen?

Seit Jahren äußern die IT-Verantwortlichen großes Interesse daran, den Nutzen ihrer Investitionsprojekte für den Unternehmenserfolg zu demonstrieren. Dabei haben sie es nicht leicht. Das erste Problem besteht schon darin, dass es den Unternehmen meist an den notwendigen Methoden für das Projektportfolio-Management mangelt. Als Konsequenz daraus werden viele finanzielle und personelle Ressourcen vergeudet.

Die Ursache hinter diesem Mangel ist die fehlende Governance-orientierte Balance zwischen strategischer Ausrichtung, Priorisierung und operativer Umsetzung der vielfältigen. IT-Investitionen. Wo sie vorhanden ist, gibt es auch eine enge Verzahnung aller relevanten IT-Vorhaben auf der Grundlage einer IT-Strategie. Und damit lassen sich widersprüchliche Vorgehensweisen ohne gemeinsamen Nenner vermeiden.

Insofern ist das Projektportfolio-Management ein wertsteigerndes Instrument. Es zielt darauf, die Ressourcen der IT strategische einzusetzen, die Budgets einzuhalten und die Qualität der Projektergebnisse zu verbessern. Und damit steigt der Wertbeitrag der IT.

WELCHER WERTBEITRAG DER IT? Zahlreiche Wissenschaftler und Beratungsunternehmen haben Ansätze und Methoden entwickelt, um das Phänomen "Wertbeitrag der IT" zu erklären. Allerdings hat sich bislang kein Ansatz als allgemeingültig durchgesetzt. Es ist noch nicht einmal allgemeine Auffassung, dass die IT überhaupt einen strategischen Wertbeitrag leistet. Viele bzeichnen sich einfach nur als Commodity. Naturgemäß geben die CIOs der IT grundsätzlich eine positive Bewertung, während Finanzverantwortliche häufig ein skeptisches bis negatives Urteil fällen. Es fehlt an neutralen Einschätzungen.

Diesem Dilemma lässt sich nur entrinnen, wenn mit praxisgerechten Methoden der subjektive Anteil an den Einschätzungen verringert wird. Schon aus Gründen einer gemeinsamen Strategie wird ein Konsens in der Wertschätzung der IT - sowohl generell als auch bezogen auf die Einzelinvestitionen - immer notwendiger.

Eine tragende Rolle spielt dabei das Thema Governance. Aber deren Ansätze können nur funktionieren, wenn nicht nur die Ziele von Business und IT miteinander verzahnt werden. Vielmehr muss darüber hinaus auch klar sein, mit Hilfe welcher Wertbeiträge die IT den Geschäftsstrategien sinnvoll Rechnung tragen kann. Wieder einmal zeigt sich hier, wie wichtig ein wertorientiertes Projektportfolio-Management ist, um die Wirkungszusammenhänge von IT-Investitionen und Nutzen der IT transparent zu machen.

So logisch diese Aussage ist, so schwierig erweist sich ihre Umsetzung. Es fängt an mit der Frage, was überhaupt der Wertbeitrag der IT bedeutet Es gibt nicht die eine und einzige Kennzahl zum Messen und Steuern des Unternehmenserfolgs. Genauso undenkbar ist eine einzige Kennzahl, um den Wertbeitrag einer IT-Investition seriös auszudrücken. Die Realität ist viel zu komplex, oft gibt es vielschichtige und veränderliche Einflussfaktoren. Deshalb muss bei den Verantwortlichen auf allen Ebenen ein gemeinsames Verständnis über Wertbeiträge und deren Zusammenhänge geschaffen werden.

BASISMETHODEN DER INVESTITIONSRECHNUNG Welche Methoden gibt der Investitionsrechnung gibt es eigentlich? Da wären zunächst die Basismethoden. Dazu zählen zum einen die statischen Verfahren wie Kostenvergleichsrechnung und Gewinn- oder Renditevergleich.

Zum anderen gibt es dynamische Verfahren, die eine zeitdifferenzierte Betrachtung der anfallenden Kosten- und Nutzeneffekte sowie eine Diskontierung berücksichtigen. Beispiele dafür sind Discounted Cash Flow ("Barwert") oder NPV (Net Present Value). Diese Methoden haben die Vorteile der einfachen Kosten-Nutzen-Aussagen und monetären Bewertungen von Investitionen auf ihrer Seite. Allerdings steht und fällt die Ergebnisqualität mit den Annahmen und der Prognosefähigkeit. Zudem ist dem spezifischen Risikoprofil jeder einzelnen Investition Rechnung zu tragen.

Daneben gibt es kostenorientierte Methoden wie Total Cost of Ownership (TCO), Aufwandsschätzverfahren (Function Point, Cocomo) oder die Prozesskostenrechnung. Diese Verfahren werden gern genutzt, bedeuten durch ihren speziellen Blickwinkel jedoch jeweils eine bestimmte Akzentuierung der Investitionskostenbewertung.

Angereichert werden können diese Basismethoden um Sensitivitätsanalyse und Simulation, wobei letztere auf Modellierung und Quantifizierung durch Zufallswerten basiert. Solche erweiterten Methoden sind eine sinnvolle Ergänzung, wenn es um die Validierung von Entscheidungsvorlagen und Investitionsrechnungen geht. Sie sind aber zum Teil sehr aufwändig und erfordern mathematisch-statistische Kenntnisse. Ein Hinderungsgrund für den Einsatz ist auch, dass das Management diesen Verfahren häufig misstraut, weil die Ergebnisse nur schwer nachvollziehbar sind.

KEINE METHODE ÜBERZEUGT WIRKLICH Es gibt zahlreiche wertbasierte Methoden für das Projektportfolio-Management auf dem Markt. Allerdings hat sich in der Unternehmenspraxis noch keine wirklich durchgesetzt. Denn alle sind sie entweder exakt und umfassend oder einfach und ungenau. Gerade komplexe Methoden finden nur geringe Akzeptanz in der Praxis, weil die Bewertung von IT-Investitionen und die mathematischen Berechnungsverfahren zu aufwändig sind. Die dafür notwendige Zeit will kaum ein Unternehmen investieren. Einfachere Vorgehensweisen wie die Nutzwertanalyse oder die Scoring-Modelle sind stärker verbreitet, werden aber wegen ihrer Subjektivität und Manipulierbarkeit häufig kritisiert.

NICHT DAS RAD NEU ERFINDEN WOLLEN Unglücklicherweise leiden alle Verfahren, die den Wert einer Investition quantifizieren und monetär bewerten, darunter, dass die Kosten ungenau prognostiziert werden; zudem lassen sich die Werte wegen unzureichender Transparenz der Annahmen und Berechnungen nach einiger Zeit schon nicht mehr nachvollziehen. Das Grundproblem besteht allerdings darin, exakte Prognosen über Kostenauswirkungen und Nutzeneffekte abzugeben. Und dieses Problem wird umso größer, je weiter der Planungshorizont reicht.

Auf der anderen Seite dürfen diese Tatsachen nicht als Begründung dafür dienen, einfach auf ein wertorientiertes Projektportfolio-Management zu verzichten. Denn die Frage nach dem Wertbeitrag einer IT-Investition wird sich künftig häufiger denn je stellen. Es gilt also, einen praktikablen Weg zu finden, diesen Wert zu ermitteln.

Der gangbare Weg dürfte so aussehen, dass die Portfolio-Manager eine eigene Methode zusammenbauen, mit der sich die jeweiligen unternehmensindividuellen Besonderheiten und Erfordernisse abbilden lassen. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass vorher schon Planungs- und Steuerungsprozesse etabliert wurden, die auf einem gemeinsamen Verständnis von Kosten und Nutzen aller Verantwortlichen beruhen.

Das heißt nun aber nicht, dass die Unternehmen das Marktangebot völlig außer Acht lassen sollten. Vielmehr ist es sinnvoll, sich der vorhandenen, vor allem der kostenlosen Tools mit fertigen Templates zu bedienen, sofern sie zu den Erfordernissen und den gelebten Begrifflichkeiten passen. Im Bedarfsfall können sie auch individuell angepasst werden, beispielsweise für die Phasengliederung. Eine eigene Methode von Grund auf zu entwickeln wäre zu teuer und würde zu viel Zeit verschlingen - auch wenn dies von Beratern gerne angeboten wird.

Diesen Artikel

Bewertung:

Übermittlung Ihrer Stimme...
Noch nicht bewertet. Seien Sie der Erste, der diesen Artikel bewertet!
Klicken Sie auf den Bewertungsbalken, um diesen Artikel zu bewerten.
  Sponsored Links:

IT-News täglich per Newsletter

E-Mail:
Weitere CW-Newsletter

CW Premium Zugang

Whitepaper und Printausgabe lesen.  

kostenlos registrieren

Aktuelle Praxisreports

(c) FotoliaHunderte Berichte über IKT Projekte aus Österreich. Suchen Sie nach Unternehmen oder Lösungen.

Zum Thema

  • ectacom GmbH

    ectacom GmbH Aus- und Weiterbildung, IT-Asset- und Lizenzmanagement, Übernahme von Softwareprojekten, Datenschutz, Antiviren- und Virenscanner Software, Backup und Recovery Systeme, Firewalls,... mehr
  • Bechtle IT-Systemhaus Österreich

    Bechtle IT-Systemhaus Österreich WLAN-Systeme, Netzwerk-Systeme (LAN, MAN, WAN), Netzwerk-Management, Server-Betriebssysteme, Verschlüsselungs- und Kryptografie Software, Security Audits, Notfalls-Rechenzentren,... mehr
  • abaton EDV-Dienstleistungs GmbH

    abaton EDV-Dienstleistungs GmbH VPN, Überwachungssysteme, SPAM-Filter, Notfalls-Rechenzentren, Firewalls, Datensicherung, Backup und Recovery Systeme,... mehr
  • ELO Digital Office AT GmbH

    ELO Digital Office AT GmbH Mobile Lösungen und Applikationen, Dokumentenmanagement und ECM, Übernahme von Softwareprojekten, Systemintegration und Systemmanagement, Programmierung, Individual-Softwareentwicklung, IKT-Consulting,... mehr

Hosted by:    Security Monitoring by: