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28.09.2009 Frank Niemann*

Langt SAP beim Standardsupport kräftig zu?

Demnächst informiert SAP die Kunden, welche Wartungskonditionen ab 2010 für den Standardsupport gelten werden.

Bekanntlich hat SAP den Kunden nach dem Streit über die Einführung des Enterprise Support im Jahr 2008 die Wahl gelassen, den Standardsupport weiterzuführen oder auf das neue Wartungsmodell umzusteigen. Ferner hat der Konzern durchblicken lassen, den Standardsupport entsprechend der Erhöhung des Lohnkostenindex ab 2010 zu verteuern. Laut SAP berechtigen die allgemeinen Geschäftsbedingungen zu diesem Schritt.

Ein offener Punkt war bisher, wie stark sich dadurch die Wartung erhöhen wird und wie viele Jahre der Anbieter dabei rückwirkend berücksichtigt. Offenbar soll die Bemessung ab Kaufdatum der Software erfolgen: "Nach meinen Informationen sollen Mitte Oktober an die Kunden des Standardsupports Briefe rausgehen, in denen die Rückfaktura ab Kaufdatum gezogen wird", erklärt Heike Riesterer, Geschäftsführerin der Firma LE Licence Experts und SAP-Expertin in Sachen Lizenzen und Wartung. Nach Riesterers Worten bedeutet dies für einen Kunden, der 2003 seine SAP-Lizenzen gekauft hat, dass sich für ihn die Gebühr für die Standardwartung gemäß dem Lohnkostenindex zwischen 2003 und 2009 erhöht. "Dabei rühmt sich SAP, zur Vereinfachung nicht das monatsgenaue Kaufdatum zu betrachten, sondern die Verträge so zu behandeln, als wären sie jeweils zum Jahresende abgeschlossen worden", betont die Lizenzspezialistin. Diese Preiserhöhung werde dann ab Januar 2010 fakturiert. Im schlimmsten Fall könne ein Standardsupportnutzer, insbesondere dann, wenn er ein altes R/3-Release mit Extended Wartung nutzt, stärker zur Kasse gebeten werden, als wenn er den Enterprise Support verwendet.

SAP STEHT UNTER DRUCK "Zu vermuten ist, dass SAP damit alle Kunden zwingen möchte, auf den Enterprise Support zu wechseln", so Riesterer. Das hat offenbar wettbewerbsrechtliche Gründe: "Nach meinen Informationen steht SAP unter Druck, da der Anbieter derzeit Softwarelizenzen mit unterschiedlichen Supportkonditionen offeriert, was nach EU-Wettbewerbsrecht fragwürdig ist, denn dadurch sind SAP-Kunden in ihrer Wettbewerbssituation nicht gleichberechtigt." Wenn es dem Softwarehersteller gelänge, alle Kunden in ein einheitliches Supportkonzept (Enterprise Support) zu überführen, wäre diese Wettbewerbsgleichheit wieder gegeben.

Schon seit einer Weile diskutieren SAP-Anwender über die Wartungsmodelle. Zudem haben nach Riesterers Worten die Anwender damit begonnen, die Wartungskonditionen individuell neu zu verhandeln. Andere SAP-Nutzer hätten die Wartungsverträge gekündigt und verzichteten auf Support von SAP. "Für mich ist unverständlich, warum SAP gerade in der aktuellen Situation am Markt in dieser Weise agiert."

Die Informationen über die Preissteigerung anhand des Lohnkostenindexes gehen nach SAP-Angaben tatsächlich in diesen Tagen an die Anwender. Die SAP entgegnet aber der Darstellung, der Standardsupport könnte auf diese Weise teurer werden als der Enterprise Support: "Für die Mehrzahl der Kunden, die sich momentan in Deutschland und Österreich noch für ihren bestehenden Support-Vertrag entschieden haben, wird sich die Preiserhöhung gegenüber Enterprise Support nicht als teurer erweisen, denn es ist nicht entscheidend, wann Kunden erstmals einen Vertrag mit der SAP abgeschlossen haben, sondern es gilt das Vertragsabschlussdatum der aktiven Verträge." Die Erhöhung sei von Kunde zu Kunde unterschiedlich, jedoch werde keiner einen höheren Satz für seinen Standardsupportvertrag bezahlen müssen, als es der Satz für SAP Enterprise Support vorsieht. Langjährige Kunden werden nicht benachteiligt, so der Anbieter.

*Frank Niemann ist Redakteur der Computerwoche.

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