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16.12.2009 Oliver Weiss

Unternehmen vertrauen den eigenen Daten nicht

Viele Unternehmen zeigen sich beunruhigt über die Qualität der Daten in ihren Systemen. Fast alle berichten von Fällen, in denen sich schlechte Datenqualität bereits negativ auf Mitarbeiter- oder Kundenzufriedenheit ausgewirkt hat. Zeit zu handeln.

Eine aktuelle Studie des Business Application Research Center (BARC) belegt, dass Unternehmen dem Thema Datenqualität in SAP-Systemen wachsende Bedeutung bescheinigen. Für die Studie befragte BARC über hundert Unternehmen unterschiedlicher Branchen und Größen, die SAP-Systeme einsetzen. Dabei ergab sich eine klare Tendenz: Das Gros der Befragten zeigt sich über den Status quo der unternehmenseigenen Datenqualität beunruhigt und ist überzeugt, dass eine schlechte Datenqualität die Wertschöpfung aus den SAP-Systemen negativ beeinflusst. Dennoch gehen über 90 Prozent der Befragten das Thema Datenqualität noch nicht systematisch an.

Bislang standen meist Adressdaten im Fokus, wenn es um Datenqualität ging. Mittlerweile hat sich bei den Unternehmen aber auch ein Bewusstsein für die Bedeutung der Qualität weiterer Daten entwickelt. So erachten die befragten Unternehmen neben den klassischen Adressdaten auch Finanzdaten (75 Prozent), Produktdaten (43 Prozent) oder Materialdaten (43 Prozent) als wichtig. Die Kundendaten gelten zu 59 Prozent als wichtig, die Mitarbeiterdaten zu 26 Prozent. Auf die Frage, inwieweit die Unternehmen der Qualität dieser Daten aus ihrer SAP-Umgebung vertrauen, geben jedoch nur 40 Prozent an »hohes Vertrauen« zu haben, 47 Prozent zeigen sich »durchschnittlich vertrauensvoll« und sieben Prozent setzen »wenig Vertrauen« in die Daten (sechs Prozent hatten keine Meinung).

SCHLECHTE ERFAHRUNGEN 83 Prozent der Befragten gehen dabei durchaus davon aus, dass eine schlechte Datenqualität die Wertschöpfung ihrer SAP-Systeme negativ beeinflusst (17 Prozent gehen nicht davon aus). Dazu kommt, dass die Befragten bereits eine Vielzahl an schlechten Erfahrungen aufgrund mangelnder Datenqualität machen mussten: 72 Prozent beobachten eine sinkende Mitarbeiterzufriedenheit, 63 Prozent sinkende Kundenzufriedenheit, 53 Prozent weisen auf einen damit verbundenen Anstieg von Kosten hin und 23 Prozent glauben, dass das Umsatzpotenzial aus diesem Grund nicht voll ausgeschöpft werden kann.

Trotz dieser hohen Einschätzung der Wichtigkeit ihrer Daten verharren die befragten Unternehmen bei einer unsystematischen, punktuellen Sicherung ihrer Datenqualität: Im Tagesgeschäft wird die Qualität der Systeme zu 72 Prozent manuell gesichert, etwa in Form von Inhouse Fixes. Ganze 22 Prozent der befragten Unternehmen betreiben keinerlei Qualitätsmanagement, 19 Prozent setzen auf SAP BO, weitere 17 Prozent auf Werkzeuge weiterer Hersteller und zwei Prozent lagern diesen Bereich aus.

Auffällig ist, dass nur ein kleiner Prozentsatz der Befragten bei dem Thema Datenqualität bislang auf Langfristigkeit setzt und nachhaltige Data-Governance-Programme implementiert hat. Unter Data Governance fällt die Verwaltung von Daten mit dem Ziel der Bereitstellung valider und konsistenter Informationen. Darunter subsumieren sich Disziplinen wie Datenintegration, Datenqualität oder Stammdatenmanagement, die zyklisch für die Verarbeitung wie auch Analyse und Überwachung der Daten Sorge zu tragen haben. Der Umfrage nach nutzen bislang jedoch nur neun Prozent der Befragten Data-Governance-Programme zur langfristigen Sicherung und Kontrolle der Datenqualität ihrer SAP-Systeme oder Applikationen. 91 Prozent hingegen verzichten darauf.

STRATEGISCHE INITIATIVEN BEI ANWENDERN GEFRAGT Eric Ecker von DataFlux, einer Tochter des Business-Intelligence-Spezialisten SAS und Auftraggeber der Studie, erläutert die Motivation für die Studie: »SAP-Systeme bilden die wichtigsten und kritischsten Prozesse in Unternehmen ab. Diese Prozesse können nur so gut und effizient sein wie das Datenfundament, auf dem sie basieren. Deshalb ist es gerade in SAP-Systemen essenziell, die Datenqualität als strategische Initiative zu verankern. In Kundengesprächen stellen wir jedoch immer wieder fest, dass in Unternehmen dieser Brückenschlag noch nicht stattgefunden hat. Uns war es vor diesem Hintergrund ein Anliegen herauszufinden, wo die Anwender in Sachen Datenqualität derzeit ganz konkret stehen.«

Die Studie zeigt, dass den Anwendern die hohe Bedeutung von Datenqualität durchaus bewusst ist, sich ein systematisches Datenqualitätsmanagements jedoch noch nicht auf breiter Ebene etablieren konnte. So planen derzeit 47 Prozent der Befragten keine Aktivitäten zur Verbesserung ihrer Datenqualität und über 72 Prozent der Unternehmen bereinigen ihre Daten über selbst erstellte Scripts Inhouse – ein Indiz dafür, dass das hohe Potenzial, welches im Einsatz professioneller Datenqualitätslösungen steckt, bislang nicht richtig erkannt wurde. Denn: Aktuelle Datenqualitätswerkzeuge bieten maßgeschneiderte und vollautomatische Mechanismen zur Analyse, Bereinigung und Kontrolle länder- und domänenübergreifender Daten, wie Finanz-, Material- oder Produktdaten. Zunehmend werden diese Werkzeuge auch durch Lösungen für das Stammdatenmanagement ergänzt.

Doch nicht nur technologisch, sondern auch organisatorisch fordert Datenqualität Verantwortung aus Fachbereich und IT. Idealerweise sollte das Thema Datenqualität als unternehmensübergreifende, strategische Aufgabe verstanden werden, die alle Mitarbeiter des Unternehmens betrifft. Erst 56 Prozent der befragten Unternehmen gehen das Thema Datenqualität bislang abteilungsübergreifend an.

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