Vertikale und hierarchische Struktur im Unternehmen in eine flache, horizontale Struktur verwandeln Detail - Computerwelt

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24.03.2010 Nikolai Zotow*

Vertikale und hierarchische Struktur im Unternehmen in eine flache, horizontale Struktur verwandeln

Wenn Web 2.0 auf Enterprise 2.0 trifft, scheiden sich die Geister. Während Unternehmen in Europa zögerlich aber konsequent entsprechende Projekte angehen, preschen US-Firmen vielfach ohne großes Nachdenken vor.

Web 2.0 ist allgegenwärtig. Auch wenn es laut Tim Berners-Lee, dem Erfinder des World Wide Web, nur ein »Jargonausdruck, von dem niemand weiß, was er wirklich bedeutet«, ist. Der Einsatz in Unternehmen ist gerade in Europa noch umstritten. Seit einigen Jahren setzt sich jedoch ein neuer Begriff durch, der die Nutzung kooperativer Web-Technologien in Unternehmen umschreibt und diese zum privaten Bereich abgrenzt: Enterprise 2.0. Immer häufiger wird mittlerweile auf Enterprise 2.0 gesetzt – zögerlich, aber wenn, dann konsequent in Europa – enthusiastisch, aber oft nicht bis zum Ende durchdacht, in den USA.

Enterprise 2.0 unterstützt die großen organisatorischen Unternehmenstrends der vergangenen Jahre. Es ist eine Technologie, die es erlaubt, die herkömmliche, vertikale und hierarchische Struktur in Unternehmen in eine flache, horizontale Struktur zu verwandeln, die Kommunikation, Zusammenarbeit und Unternehmenskultur einschließt. Sie ermöglicht die Bildung kreativer Communities, bindet Mitarbeiter in bisher unbekanntem Maß in die Geschäftstätigkeit ein, macht tägliche Routinearbeiten interessanter und integriert räumlich entfernt arbeitende Kollegen in Teams. Aber: Dieser Prozess geht in verschiedenen Ländern unterschiedlich voran.

SOZIALE TECHNOLOGIE IM UNTERNEHMENSEINSATZ Zwischen den USA und Europa sind klare Unterschiede zu erkennen. Innerhalb Europas dagegen gibt es deutliche Parallelen zwischen einzelnen Ländern. Russland zeigt sich dabei sehr europäisch und unterscheidet sich kaum von Österreich. In den USA sind Unternehmen gegenüber den sozialen Technologien sehr aufgeschlossen. Die installierte Basis entsprechender Lösungen ist weitaus größer als in Europa aber die Leistungsfähigkeit wird nicht voll ausgeschöpft. Ausgiebig genutzt werden nur einige wenige Funktionen wie Social Networking, Mitarbeiterlisten, Blogs und Foren, Umfragen, Foto- und Videogalerien sowie die Bereitstellung von internem Videomaterial.

Anders sieht es bei Installationen in österreichischen Unternehmen, aber auch im übrigen Europa aus: Haben sich europäische Unternehmen erst einmal entschieden, auf Enterprise 2.0 zu setzen, holen sie aus dem Leistungsumfang des Produktes heraus, was es hergibt. 80 Prozent der Installationen von Bitrix Intranet Portal in Europa nutzen nahezu alle zur Verfügung gestellten Funktionen, also auch Dokumenten-Workflows, den eingebauten Instant Messenger, Business Process Automation, Extranet-Funktionen, Wissens- und Projektmanagement sowie Kalender und Terminplanung. Außerdem werden regelmäßige Reportings erstellt. Das klingt fast nach deutscher Gründlichkeit, scheint aber tatsächlich europäischer Konsens zu sein. Und Russland hat sich in dieser Hinsicht Europa schon angeschlossen. Der Unterschied erklärt sich wohl aus einer grundlegend anderen Herangehensweise und ist auch historisch begründet. Collaboration-Technologien gehören in den USA schon seit einigen Jahren zu den etablierten Werkzeugen in Unternehmen. In Europa dagegen sind sie relativ neu.

VOLLE INTEGRATION IN VORHANDENE IT-WELT Für US-Unternehmen sind solche Tools also etwas Selbstverständliches und werden daher weniger wertgeschätzt. In Österreich dagegen wird vor einer solchen Einführung genau geprüft, was die Software kann, ob sie wirklich benötigt wird – und falls ja, wie das Maximum herausgeholt werden kann. So ist auch die Integration in weitere Unternehmensanwendungen wie ERP, SCM oder CRM hier deutlich verbreiteter. Enterprise 2.0 wird viel häufiger als zentrale Unternehmensanwendung betrachtet. In den USA ist es dagegen meist einfach »nur eine Kommunikationsanwendung«.

Auch die Art der Kommunikation unterscheidet sich deutlich. In den USA handelt es sich bei Unterhaltungen in Enterprise 2.0 eher um einen freundschaftlichen Chat. Europäische Anwender dagegen nutzen es für interne Zusammenarbeit und vermeintlich ernsthafte Geschäftskommunikation. Das wird aber auch von der Unternehmenskultur getrieben. »Communication is money«, haben Unternehmen in Nordamerika erkannt und lassen ihre Mitarbeiter frei kommunizieren. In Europa wird dagegen zu ausgiebige Kommunikation noch immer als Ablenkung von der Arbeit betrachtet. Man vertraut auf den klassischen Austausch per E-Mail, sogar Instant Messaging hat häufig einen schweren Stand.

GESCHÄFTSPROZESSE ÜBER GRENZEN HINWEGg Dass Österreich wie auch Russland in der Nutzung von Enterprise-2.0-Lösungen nahezu deckungsgleich sind, ist nur auf den ersten Blick wirklich überraschend. Die Technologie ist für beide Länder etwa gleich neu. Außerdem ist der russische Markt in seiner Ausrichtung eher der EU zugerichtet – auch in seiner geschäftlichen Kommunikationskultur. Und doch gibt es einen gewichtigen Unterschied: Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) in Österreich haben meist langfristig etablierte Unternehmensprozesse und orientieren sich bei der Umsetzung ihrer Enterprise-2.0-Projekte an diesen. Die russischen Kollegen dagegen nutzen die Einführung von Enterprise 2.0, um Geschäftsprozesse überhaupt erst zu etablieren. Schließlich hat man in Österreich langjährige Erfahrung mit der Marktwirtschaft, während sich russische Unternehmen nach 70 Jahren kommunistischer Herrschaft noch immer die besten Beispiele aus anderen Ländern anschauen und diese dann in ihren softwaregestützten Prozessen umsetzen.

Die engere Einbindung in die Geschäftsprozesse schafft bei europäischen Enterprise-2.0-Projekten einen höheren Mehrwert als bei amerikanischen. So könnten das bislang zögerlichere Herangehen und die genaue Überprüfung des Kosten-Nutzen-Faktors dafür sorgen, dass verspätet aber umso intensiver der Siegeszug von Enterprise 2.0 in Europa startet und die verfügbaren Lösungen hier erst voll genutzt werden. Der Markt ist geebnet und die amerikanische Euphorie hat dafür gesorgt, dass mittlerweile qualitativ hochwertige Lösungen auf dem Markt sind. Davon können interessierte europäische Unternehmen jetzt profitieren.

* Nikolai Zotow ist Technology Evangelist DACH beim Web-2.0-Spezialisten Bitrix.

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