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21.07.2010 Thomas Mach

Heimische Unternehmen zeigen sich zurückhaltend

Nur wenig Vertrauen schenken Österreichs Unternehmen dem Auslagern von IT-Prozessen. Obgleich mitunter enorme Kostenvorteile winken, geben nur wenige die Kontrolle über die IT aus der Hand. Statt dessen wird virtualisiert und konsolidiert.

Das Auslagern der IT verspricht – vor allem für Unternehmen, deren Kerngeschäft nicht IT ist – zahlreiche Vorteile, von Kosteneinsparungen über besseres Management bis hin zu schnelleren und optimierten Prozessen. Dennoch hält sich die Begeisterung am Outsourcing in Österreich in Grenzen. So lagern hierzulande gerade einmal 15 Prozent der Unternehmen ihren IT-Betrieb aus. Immerhin 30 Prozent setzen bei IT-Projekten auf Outsourcing. Zu diesem Ergebnis kommt die IT-Umfrage 2010, gemeinsam durchgeführt von der COMPUTERWELT und der Managementberatung Consigma im Frühjahr des heurigen Jahres.

Das kommt annähernd einem Armutszeugnis gleich, liegt der Wert im Nachbarland Deutschland doch wesentlich höher. So werden dort rund 30 Prozent des IT-Betriebs und sogar 40 Prozent im Fall von IT-Projekten ausgelagert. »Der IT-Betrieb in Österreich bleibt fest in den Händen der Unternehmen«, konstatiert Philip Weihs, geschäftsführender Gesellschafter der Managementberatung Consigma. Demnach lagern nur fünf der 132 heimischen Unternehmen, deren IT-Entscheider im Rahmen der Studie befragt wurden, die IT zu 100 Prozent aus. Elf Unternehmen würden hingegen überhaupt keine Fremd-Dienstleistungen beziehen.

EUROPA DOMINIERT: EHER NEAR- DENN OFF-SHORING Sofern überhaupt IT-Prozesse bezogen werden, stammen diese zu rund 48 Prozent aus geographisch angrenzenden Regionen. »Andere Regionen, wie Indien, Asien oder USA, spielen eine untergeordnete Rolle«, unterstreicht Weihs. Hauptgrund dafür sei die größere kulturelle und räumliche Nähe. »Nearshoring erzielt ebenfalls niedrige Ressourcen-Kosten, aber durch die größere kulturelle und räumliche Nähe sowie nahezu gleicher Zeitzone werden die Nachteile von Offshoring reduziert.« Die wenigen, die auf Offshoring setzen, beziehen ihre Leistungen vor allem aus den USA (6,7 Prozent) sowie Indien (4,4 Prozent).

IT-DIENSTLEISTUNGEN AUS DER STECKDOSE BEZIEHEN Dabei ist Outsourcing kein neues Thema, werden doch seit mittlerweile rund 30 Jahren IT-Leistungen ausgelagert. So wurde über die Formen des Outsourcings bereits viel diskutiert – Klassisches Outsourcing, mit und ohne Übergang von Equipment und Personal auf den Outsourcer, Off- und Nearshoring, das Auslagern von Entwicklungs- und Betriebsaufgaben in die Billiglohnländer Asiens und Osteuropas, Global- und Multisourcing, der zentral gesteuerte Einkauf von IT-Dienstleistungen als Teil der globalen Lieferkette multinationaler Konzerne und schließlich die so genannten Managed Services, bei denen es darum geht, klar umrissene Aufgaben wie Security oder E-Mail-Services an einen passenden Dienstleister auszulagern.

MEHR FLEXIBILITÄT, ABER HÖHERE ABHÄNGIGKEIT Die Argumente lauten bislang meistens ähnlich. Befürworter loben höhere Flexibilität und die Möglichkeit, sich auf die Kerngeschäfte zu konzentrieren. Gegner befürchteten indes eine große Abhängigkeit vom Dienstleister, hohe Kosten und einen schleichenden Know-how-Verlust. Inzwischen hat sich aber die Arbeitsteilung in IT-Abteilungen erhöht und dadurch auch die Möglichkeiten, diese Aufgaben auszulagern. Zudem drängt mit Cloud Computing eine weitere wichtige Variante auf den Markt, die die Grenzen zwischen interner und externer IT endgültig verschwimmen lassen wird.

Statt auszulagern würden aber heimische Unternehmen, um Kosten zu sparen, eher auf den Bereich der Virtualisierung setzten. Hier seien die Virtualisierung der Infrastruktur sowie die Bereinigung des Anwenderportfolios als die wichtigsten Treiber auszumachen.

»Virtualisierung sowie Optimierung, Standardisierung und Automatisierung von Prozessen spielen im IT-Betrieb eine wesentliche Rolle. Im Gegensatz dazu finden Themen wie serviceorientierte Architekturen oder Benchmarking kaum Anwendung«, erläutert Weihs. So wenden laut der Umfrage 52 Prozent der Unternehmen Virtualisierungskonzepte auf den hauseigenen IT-Betrieb an. Wenig verwunderlich, immerhin erwarten die IT-Verantwortlichen von der Virtualisierung, dass der IT-Betrieb dadurch effizienter und effektiver wird. Zudem könnten, so die überwiegende Meinung, mittels Management-Tools manuelle Aufgaben in der IT-Landschaft reduziert werden, wodurch unter anderem eine höhere Anzahl von Servern betreut werden könne.

AM BALL BLEIBEN, ABER NICHTS RISKIEREN Allerdings gelte es, durchdacht an das Thema Virtualisierung heranzugehen. »Bei der IT-Kostensenkung muss sorgfältig vorgegangen werden, um nicht die Wettbewerbsfähigkeit zu verlieren«, erklärt Weihs. »Unternehmen müssen diese Maßnahmen erfolgreich umsetzen. Wer nicht mitmacht, der verliert«, warnt der Fachmann.

Die Auguren von Gartner sehen Virtualisierung indes (noch) nicht als den Stein der Weisen an. Besonders im Bereich der Desktop-Virtualisierung orten die Marktforscher noch technischen Aufholbedarf. So sei die Virtualisierung mit PC-Hypervisor noch nicht ausgereift, frühestens Mitte 2011 stünden leistungsfähige Techniken bereit, prophezeien die Analysten. Theoretisch versprechen PC-Hypervisor und damit mögliche Szenarien der Virtualisierung eine Reihe von Vorteilen, erklären die Gartner-Experten. So könnten Unternehmen Desktop-Installationen vereinfachen und sowohl hinsichtlich der diversen Verwaltungsaufgaben als auch in Sachen Security hinzugewinnen.

AKZEPTANZ KOMMT MIT DER INTEGRATION Diese Vorzüge würden sich nicht vor dem dritten Quartal 2011 realisieren lassen. Erst wenn PC-Hypervisor als fester Bestandteil der Systemsoftware künftiger PC-Plattformen geliefert würden, sei mit einer breiten Akzeptanz unter Unternehmenskunden zu rechnen, erwarten die Auguren. Die logische Plattform dafür sehen sie in Intels vPro-Technik, die den PC Hypervisor von der Hardwareseite her direkt unterstützt. Mit der Hilfe von Intel könne es Citrix gelingen, den ersten Standard für PC-Hypervisor zu setzen. Komme XenClient erst einmal standardmäßig mit neuen PC in die Unternehmen, werde sich nach Einschätzung von Gartner auch Microsoft dieser Entwicklung nicht entgegenstellen.

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