Gastkommentar: Wann startet das Internet der Dinge durch? Gastkommentar: Wann startet das Internet der Dinge durch? - Computerwelt

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21.10.2015 :: Printausgabe 17/2015 :: Nikolaus Kawka*

Gastkommentar: Wann startet das Internet der Dinge durch?

Die große Herausforderung für das Internet of Things ist das Internet selbst. Die Datenübertragungsraten und damit Themen wie Hochverfügbarkeit sind derzeit oft noch zu gering, um das industrielle Internet der Dinge in die Praxis umzusetzen.

Der Autor Nikolaus Kawka leitet Zühlke Engineering.

Der Autor Nikolaus Kawka leitet Zühlke Engineering.

© Zühlke

Oft werden Consumer-Produkte wie Wearables oder smarte, miteinander kommunizierende Autos mit dem Begriff Internet of Things (IoT) assoziiert. Mittelfristig sind aber Business-Anwendungen und die industrielle Nutzung des IoT der wichtigere Bereich. Eng damit verbunden sind die zwei konträren Sichtweisen des Themas. In Europa versucht man, die Standardisierung über Normen auf nationaler und industrieller Ebene zu regeln, um Industriebranchen zu stärken. Diesen Ansatz der Industrie 4.0 verfolgt beispielsweise Deutschland – einerseits mit dem Versuch, einheitliche Standards zu etablieren, andererseits mit stark geförderter Forschung.

Im Gegensatz dazu beschäftigt sich in den USA das Industrial Internet Consortium (IIC), bestehend aus Mitgliedern wie etwa GE, AT&T, IBM, Cisco und Intel, mit der IoT-Thematik. Dabei ist wie in Europa die Industrie im Fokus, aber eben auch eher B2C-orientierte Sichtweisen, die auf die Bereiche Energie, Medizin, Fertigung, öffentlicher Sektor, Transportwesen und Landwirtschaft abzielen. Es geht weniger um Standardisierung, sondern um den Konsens zwischen den einzelnen Plattformen mit den aktuell verfügbaren Technologien. Ziel ist eine vernetzte Welt, die holistisch aus Soft- und Hardware zusammengesetzt ist.

Wann aber kommen die neuen Technologien in Fahrt und wie kann man sie nutzen? Experten reden von einer Einführung in vier Phasen: Stufe eins ist die Erhöhung der operationellen Effizienz, zum Beispiel durch Fernwartungssysteme. Als zweites folgen neue Produkte und Services, etwa Pay-per-use-Bezahlmodelle. Stufe drei bezeichnet "Outcome Economy", also ergebnisorientierte Geschäftsmodelle und neu verknüpfte Ökosysteme. Letztes IoT-Entwicklungsstadium ist dann "Autonomous Economy" mit einer hoch entwickelten Automation, die selbstständig die Nachfrage bei Kunden erkennt, Ressourcen optimiert und Müll reduziert.

Die große Herausforderung für IoT ist das Internet selbst. Die aktuellen Datenübertragungsraten sind oft zu gering, um das industrielle Internet der Dinge in die Praxis umzusetzen. Eine Ingenieursregel lautet: Eine gewünschte zehnfache Performancesteigerung benötigt einen völlig neuen Zugang. Die Anforderungen des IoT an Hochverfügbarkeit und Echtzeitfähigkeit des Internets sind mit den derzeit exis-tierenden Technologien noch nicht realisierbar. Zudem schränken viele ungelöste Probleme rund um Datensicherheit und Interoperabilität das IoT ein, etwa wenn Maschine A nicht mit B kommunizieren kann. Eine Hürde ist auch, dass industrielle Ausrüstungen eine relativ lange Lebenszeit und viele Anwendungen noch keinen klaren Return on Investment haben.

Wie sollen nun Unternehmen mit dem Thema IoT umgehen? Wer zu lange an bestehenden Strukturen festhält, könnte den richtigen Zeitpunkt für den Einstieg in das Internet der Dinge verpassen. Ein Tipp ist daher, über den Tellerrand zu blicken und nicht nur das kurzfristige Geschäft zu fokussieren, sondern sich aktiv mit dem IoT zu beschäftigen und von Experten beraten zu lassen. Denn schon bald werden verbundene Ökosysteme und neuartige Geschäftsmodelle entstehen, die die Beziehungen zwischen Umwelt, Mensch, Kunden, Partnern und Unternehmen regeln. Wer heute mutig in die Zukunft blickt und zwei Schritte voraus denkt, wird unter den ersten sein, die von der zunehmenden Vernetzung von Mensch, Maschine und Umwelt profitieren.

* Der Autor Nikolaus Kawka leitet Zühlke Engineering.

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