Verletzung der Privatsphäre im Auto Verletzung der Privatsphäre im Auto - Computerwelt

Computerwelt: Aktuelle IT-News Österreich


26.11.2013 Rudolf Felser/pi

Verletzung der Privatsphäre im Auto

Künftig versenden Autos eine Vielzahl von Informationen. "Das Auto ist derzeit ein datenschutzrechtliches Minenfeld", warnt Raimund Wagner, Geschäftsführer der AMV Networks GmbH aus dem österreichischen Ranshofen.

Künftig versenden Autos eine Vielzahl von Informationen.

Künftig versenden Autos eine Vielzahl von Informationen.

© mattbuck - Creative Commons 3.0

Das Automobil ist für viele Menschen die Erweiterung des eigenen Lebensraums – also Privatsphäre, in der man sich geschützt fühlt. Entsprechend sorglos verhalten sich manche Autofahrer hinter dem Lenkrad. Sie fühlen sie unbeobachtet. Ein psychologisches Phänomen, das man jeden Tag in der Rushhour vielfach beobachten kann. Dass der Fahrer im wahrsten Sinne im Glashaus sitzt, nimmt er eigentlich nicht mehr wahr. Daran sieht man sehr gut, welches Verhältnis die meisten Menschen zum Auto haben. Sie verstehen es als geschlossenen Raum, als Schutzzone. Und im Grunde ist es in manchen Situationen auch so. Persönliche Gespräche im Auto sind in den meisten Fällen vor der Öffentlichkeit geschützt, Telefonieren findet ebenfalls meist hinter verschlossenen Türen und Scheiben statt. Schließlich will man nicht, dass Umstehende alles mitbekommen. Und selbst die Route, die das Auto nimmt, ist nur den Passagieren in der Sekunde der Fahrt wirklich bekannt. Doch diese Privatsphäre droht zu zerbrechen.

Der Hintergrund: Mit der Digitalisierung wird auch das Auto zu einem Mosaikstein der zunehmenden Vernetzung in unserer Gesellschaft. Es wird gläsern. Künftig senden moderne Fahrzeuge permanent Daten mittels einer Blackbox, On-Board Einheit genannt, über die Schnittstellen der Telekommunikationsanbieter. Dazu zählen Tempo, Temperatur oder die Frage, ob die Warnblinkanlage eingeschaltet ist. Diese Infos werden dann gesammelt und von diversen Empfängern analysiert. Das können unter anderem Verkehrsleitzentralen oder die öffentliche Hand sein. Aus den aufbereiteten hochaktuellen Echtzeitdaten kann man wertvolle Rückschlüsse ziehen, den Verkehr intelligent steuern und obendrein Gefahren rechtzeitig erkennen und somit andere Verkehrsteilnehmer warnen. Schließlich funktioniert die Car-to-X- und Car-to-Car-Kommunikation bidirektional. Jedes Auto steht im besten Fall mit jedem Auto in Verbindung. Auch das neue Notrufsystem eCall, das ab 2015 für Neuwagen verpflichtend ist, trägt dazu bei. Es sendet automatisch im Falle eines Unfalls Daten aus dem Fahrzeug an eine Leitstelle. eCall ist somit eine weitere technologische Basis für den schnellen Datentransfer.

Solange die erhobenen Echtzeitdaten in keinem Zusammenhang mit dem speziellen Auto oder Fahrer stehen, ist alles in Ordnung. Allerdings werden in Zukunft auch Daten gesammelt, die Rückschlüsse auf den Fahrer zulassen. Dazu zählen die aktuelle Position, der Verbrauch, das Fahrverhalten und vieles mehr. In diesem Zusammenhang stellt sich eine zentrale Frage: Wem gehören die Daten aus dem Auto und wie wird der Datenschutz sichergestellt? Damit beschäftigen sich derzeit sowohl die Autohersteller als auch die Telekommunikationsanbieter. Muss der Fahrer vorab alle diese Daten freigeben? Oder unterschreibt er beispielsweise mit dem Leasingvertrag auch, dass er seine Datenhoheit aufgibt? Autobanken, Versicherungen, Dienstleister – die Liste der Interessenten, die diese Daten gerne hätten, ist lang. Die umfangreichen Datenpakete sind Teil eines Big-Data-Prozesses, der momentan weltweit im Entstehen ist und lukrative Geschäftsmodelle verspricht. Jüngst haben die ersten Versicherungen angekündigt, so genannte Telematik-Tarife einzuführen. Fahrer, die ihren Fahrstil "beobachten" lassen, zahlen künftig weniger für ihre Versicherung. Auch Autobanken arbeiten an neuen Leasingmodellen. Und die Anbieter von Internetdiensten möchten wiederum ihre Angebote direkt ins Auto bringen. Es ist der Lockruf des Goldes, der viele Unternehmen jetzt agieren lässt. Experten betonen derweil, dass es kein zivilrechtliches Eigentum an Daten gibt. Doch das wäre notwendig, um Verträge zu schließen. Nicht das einzige Problem. Ist der Fahrer überhaupt durch das Datenschutzrecht abgesichert? Das wäre ja die Grundlage, um sich vor Datenmissbrauch zu schützen.

DATENSCHUTZRECHTLICHES MINENFELD
"Das Auto ist derzeit ein datenschutzrechtliches Minenfeld", warnt Raimund Wagner, Geschäftsführer der AMV Networks GmbH aus dem österreichischen Ranshofen. Wagner weiß, wovon er spricht. Der Unternehmer stellt die On-Board Einheiten für den schnellen Datentransfer in seinem Unternehmen her. "Die Automobilindustrie sollte und muss es von Anfang an besser machen als die Internetbranche in der Online-Welt oder auch die Telekommunikationsbranche in der Handy-Welt", so der Geschäftsführer mahnend. Denn Pannen im Datenschutz kann sich die Automobilindustrie nicht leisten. Doch wie kann der Schutz der informationellen Selbstbestimmung künftig gewährleistet werden?

Mit dem AMV System der Firma AMV Networks wurde eine nach Automotive- und EU-Richtlinien konforme Telematik-Technologie entwickelt. "Damit ist es möglich, Fahrzeugdaten anonym, unter Berücksichtigung der nationalen Gesetzgebung, plattformübergreifend und in Echtzeit zu erfassen, zu verarbeiten und für unterschiedliche Nutzungsbereiche auch flächendeckend zur Verfügung zu stellen", glaubt AMV-Geschäftsführer Raimund Wagner, eine Lösung des Problems gefunden zu haben. Das System wurde in Hinblick auf die kommende "vernetzte Welt der Mobilität" entwickelt: Höchstmögliche Sicherheit und OEM-Konformität bei der Anbindung an den Fahrzeug-Datenbus, bei der Datenübertragung und -verarbeitung sowie Datenschutz und Schutz von Persönlichkeitsrechten sind laut dem Anbieter in die Kerntechnologie eingebettet. "Unser System räumt den Interessen des Fahrzeughalters höchste Priorität ein. Er kann jederzeit überprüfen, welche Art von Fahrzeugdaten an wen im Zusammenhang mit den von ihm in Anspruch genommenen Services und Dienstleistungsangeboten übermittelt werden", betont Raimund Wagner. Der Fahrzeughalter entscheidet letztlich also, ob alle seine Fahrzeugdaten anonym bleiben sollen, oder ob er zur Inanspruchnahme von Mobilitätsdiensten entsprechende Nutzungsberechtigungen vergibt. Und nur er. Das ist das wesentliche Merkmal des AMV System.

"Mit unserem Sicherheits- und Anonymitätskonzept Security & Privacy by Design im Rahmen des AMV System ist es unser erklärtes Ziel, neue Wege in der Automobilbranche nicht nur aufzuzeigen, sondern auch konsequent umzusetzen", sagt Raimund Wagner. AMV Networks hat als eigenen Angaben zufolge erstes Unternehmen aus dem Automobilbereich in Europa den Schritt gemacht, die Zertifizierung mit dem European Privacy Seal, dem offiziellen Europäischen Datenschutzgütesiegel, anzustreben. Dieses European Privacy Seal wurde durch die EU-Kommission initiiert und bietet heute schon eine Lösung für die schwelende Rechtsunsicherheit. Die Ausführung und Umsetzung erfolgt durch ein Konsortium aus europäischen Organisationen und Unternehmen unter der Leitung des Unabhängigen Landeszentrums für Datenschutz (ULD) Schleswig-Holstein. "Damit ist ein erstes Zeichen gesetzt. Datenschutz hat Priorität. Das Datenschutzsiegel belegt, dass es möglich ist", erklärt Raimund Wagner. (pi)

Diesen Artikel

Bewertung:

Übermittlung Ihrer Stimme...
Noch nicht bewertet. Seien Sie der Erste, der diesen Artikel bewertet!
Klicken Sie auf den Bewertungsbalken, um diesen Artikel zu bewerten.
  Sponsored Links:

IT-News täglich per Newsletter

E-Mail:
Weitere CW-Newsletter

CW Premium Zugang

Whitepaper und Printausgabe lesen.  

kostenlos registrieren

Whitepaper

Kein Premium Inhalt vorhanden.

Aktuelle Praxisreports

(c) FotoliaHunderte Berichte über IKT Projekte aus Österreich. Suchen Sie nach Unternehmen oder Lösungen.

Zum Thema


Hosted by:    Security Monitoring by: