Blades, Unix, x86 und Mainframe: Server-Plattformen auf dem Prüfstand Detail - Computerwelt

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22.09.2011 Klaus Hauptfleisch*

Blades, Unix, x86 und Mainframe: Server-Plattformen auf dem Prüfstand

Auf welche Server-Architekturen können sich CIOs langfristig verlassen? Wie Experten die Zukunft der wichtigsten Plattformen einschätzen.

Im Mittelpunkt jeder Server-Strategie stehen für Anwenderunternehmen immer die genutzten Applikationen. Für IT-Verantwortliche ist es daher entscheidend, die Roadmaps der Software- und Hardware-Hersteller genau zu beobachten. Nachdem sich mit IBM, Hewlett-Packard (HP), Dell, Oracle und Fujitsu nur noch fünf Anbieter fast 88 Prozent des Server-Weltmarktes teilen, ist die Konsolidierung herstellerseitig schon sehr weit fortgeschritten, berichtet IDC-Analyst Giorgio Nebuloni. Lokale Größen wie Maxdata sind vom Erdboden verschwunden, geschluckt oder im Fall der Japaner mit der Ausnahme von Fujitsu sowie NEC auf ihren Heimatmarkt zurückverwiesen worden. Auch wenn Acer und Lenovo sich noch so bemühen, den x86-Markt zu erobern, wird ihnen allenfalls regionale Bedeutung zugebilligt. Andreas Zilch von der Experton Group will in dem Segment gar keine neuen Player erkennen. Aus der Sicht von Gartner-Analyst Andrew Butler positionieren sich mit dem neuen Konvergenzgedanken des Unified oder Fabric Computing (Gartner-Begriff) unter Einbindung von Netzwerk- und Storage-Komponenten aber Cisco und möglicherweise auch EMC als zwei starke zusätzliche Player, die durchaus Chancen haben, das heutige Quintett neu aufzumischen.

Wir haben Butler, Nebuloni und Zilch gebeten, die Entwicklung der einzelnen Server-Plattformen zu beleuchten und den Anwendern jeweils Handlungsempfehlungen zu geben.

IM HIGHEND WEICHEN X86ER DEN BEGRIFF MIDRANGE AUF Da x86-basierende Server mit 8- oder 10-Kern-Prozessoren (Intel Nehalem EX und Westmere EX) teils schon in Leistungsbereiche von Mainframes vorstoßen, verschwimmt der mit SPARC-, Power- und Itanium-Prozessoren verknüpfte Begriff „Midrange-Server“ immer mehr. Die klassische Vierteilung stimmt somit nicht mehr, zumal IBM mit System i (vormals iSeries oder AS/400) im Bereich der proprietären Midrange-Systeme heute mehr oder weniger allein auf weiter Flur ist. Mit 80 Kernen, 160 Threads und 3 Terabyte Speicher ist der Intel-basierende HP ProLiant DL980 für Butler in jeder Hinsicht eher ein Midrange-Server. Mit Blick auf proprietäre Server-Plattformen umfasst „Midrange“ für ihn auch Unix und alle Plattformen wie HPs Nonstop und Open VMS. Deshalb werden in diesem Artikel Unix- und klassische Midrange-Server zusammengefasst, zumal die meisten dieser Systeme sich in das mittlere Preissegment von 25.000 bis 250.000 Dollar fügen.

X86- UND IA64-SERVER – AM ENDE ALLES BLADES? Aktuelle Situation Ehre, wem Ehre gebührt. In der Krise ging die Tendenz ganz klar in Richtung x86- und IA64-Systeme. Laut Nebuloni ist ihr Umsatzanteil am westeuropäischen Servermarkt von 2008 bis 2010 von 50 auf 66 Prozent deutlich gestiegen. Nach Stückzahlen liegen die x86er sogar schon bei über 90 Prozent, allerdings setzen neue Trends wie Konsolidierung und Cloud Computing auch Grenzen des Wachstums. Der Umsatzanteil der Mainframes ist in diesem Zeitraum von 13 auf 11 Prozent leicht zurückgegangen, der der Midrange- und Unix-Server beziehungsweise RISC/EPIC/Power-Systeme von 37 Prozent auf 22 Prozent sogar stark. Nebuloni führt das vor allem darauf zurück, dass die frühere Sun 2008 und 2009 – im Zuge einer starken Migration von Solaris auf Linux meist zugunsten von x86-Servern – große Marktanteile verloren habe. Das Verhältnis Windows zu Linux im x86-Markt ist dennoch konstant bei 75 zu 25 geblieben, kommentiert Zilch die Entwicklung.

Wegen ihrer Modularität, Hersteller- und Software-Neutralität geht der Trend eindeutig zu Blades. Zwischen 2003 und 2008 ist ihr Umsatzanteil am Server-Markt laut IDC von 0 auf 16 Prozent geradezu durch die Decke geschossen. Aber wie Nebuloni feststellt, hat sich der Produktmix seitdem nicht mehr so stark verändert. Gartner-Experte Butler zufolge machen Blades zwar heute nur rund 17 Prozent des Gesamtumsatzes bei Server-Hardware aus. Er vermutet aber, dass sie ihren Siegeszug stetig fortsetzen und möglicherweise in zehn Jahren das ganze Feld für sich einnehmen, selbst wenn sie dann vielleicht nicht mehr Blades genannt würden.

Neue Formfaktoren Obwohl sich die „Schwerter“ mehr und mehr in den Vordergrund drängen, machten sie Racks nicht obsolet. Vielmehr fügten sich Blade-Chassis wie das C7000 von HP oder die von IBMs H-Serie immer noch in Racks ein, womit sie laut Butler zum Oberbegriff eines Rack-optimierten Systems werden. Aber auch den Blades könnte in Form von noch modulareren Systemen neue Konkurrenz erwachsen. In Rechenzentren mit bis zu Zehntausenden von Nodes ziehen für „Extreme Scale-out (ExSO) High-Performance-Computing“ sogenannte „Skinless Server“ ein. Nicht minder interessant sind „Extreme Low Energy Server“ auf Basis von Atom- oder ARM-Prozessoren wie die von SeaMicro. Im neuesten SM10000-64HD hat das kalifornische Startup 768 Atom-Prozessoren mit jeweils 1,66 GHz in einem 10U-Rack untergebracht. Der Hersteller verspricht die Leistung von 60 1-RU-Servern mit Dual Socket Quad Core zu einem Viertel der Leistungsaufnahme und einem Sechstel des Platzverbrauchs. Noch adressieren diese Systeme in erster Linie die Googles, Yahoos und Amazons dieser Welt. Butler schätzt aber, dass sie später auch eine kommerziellere Verbreitung finden könnten.

Wie verlässlich ist HP als x86-Marktführer? Sollte Hewlett-Packard sein PC-Sparte tatsächlich auslagern oder gar abstoßen, könnte ein veränderter Skaleneffekt einen Strategiewechsel zur Folge haben, spekuliert Nebuloni. Butler indes sieht CPU-seitig heute kaum noch Überschneidungen zwischen HPs PC- und x86-Server-Geschäft. Tatsächlich seien die Schnittmengen bei IBM vor fünf Jahren größer gewesen. Dennoch konnte Big Blue seinen Marktanteil nach dem Verkauf der PC-Sparte sogar noch steigern. Sollte HP nicht mehr im PC-Business sein, hätte das laut dem Gartner-Mann allerdings möglicherweise zur Folge, dass auch so manches x86-Projekt verloren gehe.

X86- und IA64-Server - Empfehlungen und möglicher Handlungsbedarf Energieverbrauch ist ein wichtiger Punkt, betont Experton-Analyst Zilch. Da die Miniaturisierung mit einer wachsenden Zahl von Blades in einem Rack weiter zunimmt, rechnet er damit, dass der Energiebedarf in den kommenden Jahren deutlich ansteigt, was auch mehr Wärmeabfuhr bedeute und hohe Investitionen nach sich ziehen dürfte. Im x86-Segment gelte daher besonders, dass Systeme, die älter als vier Jahre sind, dringend ausgetauscht werden sollten, zumal mit jeder Generation auch größere Leistungssprünge zu verzeichnen seien.

Aus den neuen Trends zur Virtualisierung und dem konvergenten Zusammenführen verschiedener I/O- und Infrastruktur-Komponenten lassen sich laut Nebuloni Einsparpotenziale herleiten. Bemerkenswert findet der IDC-Analyst, dass Oracle und Cisco im x86-Segment versuchen, den drei Branchenriesen HP, IBM und Dell Konkurrenz zu machen. Die Kunden sollten das nutzen und ihrerseits versuchen, die Hersteller gegeneinander auszuspielen, um günstige Konditionen herauszuholen. Butler beobachtet, dass die Hersteller über die vertikale Integration verschiedener Komponenten und Features versuchen, mehr Kontrolle zu erlangen und die Kunden stärker an sich zu binden. Dieser Trend gilt ihm zufolge auch für Unix-Server, die früher längst nicht so eine Hardware- und Software-Abhängigkeit gezeigt hätten. CIOs sollten das im Auge behalten und unter Umständen gegensteuern.

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