Data Center Kosten: Auf die richtige RZ-Größe kommt es an Detail - Computerwelt

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22.09.2011 Dirk Schiller*

Data Center Kosten: Auf die richtige RZ-Größe kommt es an

Wer die Kosten im Rechenzentrum im Griff behalten will, muss überdimensionierte IT-Infrastrukturen vermeiden.

Eine wesentliche Stellschraube zum Kostensenken im Rechenzentrum ist das sogenannte Rightsizing der vorhandenen Infrastruktur beziehungsweise IT-Services. Die Frage, die sich IT-Verantwortliche und Fachabteilungen heute stellen müssen, lautet: Wie viel IT und welche Servicequalität wird tatsächlich für die Geschäftsanforderungen benötigt? Traditionell sind viele Infrastrukturen nicht an den tatsächlichen Bedarf angepasst und tendenziell überdimensioniert. Hohe Kosten entstehen unter anderem durch wenig oder gar nicht genutzte Software und schlecht ausgelastete Hardware, die Strom, Kühlung und Fläche verbraucht.

Im Zeitalter des Cloud Computing empfiehlt sich beispielsweise folgende Rightsizing-Strategie: Das eigene Data Center wird für eine durchschnittliche jährliche Auslastung dimensioniert. Bedarfsspitzen für Applikationen, die dies heute schon technologisch und unter Compliance-Aspekten erlauben, lassen sich über eine Public Cloud oder Virtual Private Cloud abdecken. Zusätzlich können Unternehmen Kapazitäts- und Performance-Management-Systeme einführen, die die kontinuierliche Steuerung optimieren. Beispiele sind Verfahren zur Komplettabschaltung von Geräten oder das Ressourcenmanagement für eine effiziente Server-Auslastung.

Für den Betrieb eines Rechenzentrums müssen IT-Leiter vier Hauptkostenblöcke einkalkulieren: Personal, Energie, Hardware und Software. Die Aufwendungen für Software ergeben sich allerdings meist durch Anforderungen der Fachabteilungen und zählen in der Regel nicht zu den direkt beeinflussbaren Kosten im Data Center. Bevor die Kosten allerdings nachhaltig gesenkt werden können, sollten Unternehmen ihre individuellen Ausgaben nach Art und Höhe genau analysieren. Nur so lässt sich feststellen, mit welcher Maßnahme - vom neuen Management-Framework über die Optimierung der Klimatechnik bis hin zur Server-Virtualisierung - am effizientesten gespart werden kann.

WAS KOSTET MEIN RZ-PERSONAL? Die Ausgaben für qualifizierte IT-Mitarbeiter machen momentan bis zur Hälfte der Gesamtkosten im Data Center aus. (siehe Grafik: Beispielhafte Verteilung der IT-Kosten im produzierenden Gewerbe) Der Anteil der Personalkosten variiert allerdings je nach Branche und Stellenwert der IT-Services im Unternehmen. Bei Finanzdienstleistern, die sich zu 100 Prozent auf die Verfügbarkeit ihrer Rechenzentren verlassen müssen, sind die IT-Ausgaben natürlich anders verteilt als bei Firmen, die IT nur als unterstützendes Werkzeug nutzen. Der Fachkräftemangel erschwert zusätzlich die Suche nach geeigneten Experten und treibt die Verdienste nach oben. 2011 werden CIOs zehn Prozent mehr Geld für Fachleute ausgeben müssen, erwarten die Marktforscher von IDC. Das liegt unter anderem an der komplizierteren Verwaltung von virtualisierten Umgebungen, für die erst 14 Prozent der befragten Unternehmen Management-Tools zu Hilfe nehmen. Hinzu kommt, dass zwei Drittel der IT-Manager die Kostenkontrolle im Data Center nicht priorisieren und daher gar nicht genau wissen, in welchen Bereichen ihr IT-Budget in welcher Höhe verbraucht wird.

Um ihre Mitarbeiter nachhaltig zu entlasten, sollten CIOs zunächst analysieren, welcher Personalaufwand für die einzelnen Services des Rechenzentrums entsteht. Weiter gilt es, sich den Ist-Zustand des Personalkostenblocks genau anzusehen. Hilfreich sind hier eigene Benchmarks, die zum Beispiel definieren, wie viele Server, Terabyte im SAN (Storage Area Network) oder Betriebssysteminstanzen ein Administrator verwaltet. Diese Kennziffern helfen, optimierungswürdige Bereiche zu identifizieren. Zu den personalentlastenden Maßnahmen gehört das Einführen von umfassenden Management-Frameworks mit einer einheitlichen Bedienoberfläche für virtuelle und physische Systeme, die komplette IT-Services automatisiert bereit stellen. Denn gerade in komplexen virtualisierten Umgebungen ist die manuelle Verwaltung von Servern und Speichern sehr fehleranfällig und aufwändig zu dokumentieren. Zentrale Verwaltungslösungen verteilen die Last automatisch und intelligent, so dass die Gesamtkapazität des Rechenzentrums reduziert wird. So gewinnen Mitarbeiter mehr Zeit für strategische Projekte wie den Aufbau eigener Cloud-Computing-Angebote.

RZs ERREICHEN DEN STROMVERBRAUCH EINER KLEINSTADT Neben den Ausgaben für Personal bilden jene für Energie in vielen Rechenzentren einen entscheidenden Kostenblock. Sehr große Data Center können dabei leicht den Energieverbrauch einer Kleinstadt erreichen. Die Analysten von Gartner haben errechnet, dass die Energiekosten zwölf Prozent der gesamten IT-Kosten ausmachen, Tendenz steigend. Zudem gehen die Prognosen davon aus, dass sich die bereits teilweise existierenden Engpässe in puncto Kühlung und Stromversorgung weiter verschärfen werden. Die Anzahl der Server im Rechenzentrum wächst ebenfalls kontinuierlich. Auf jeden in Server investierten Euro kommen bereits heute mehr als 50 Cent Energiekosten. Die Rechner verbrauchen rund 30 Prozent des Stroms und sind oft nur zu 20 Prozent ausgelastet. Bei der heute üblichen Praxis, Server länger als drei Jahre zu nutzen, entpuppen sich unter anderem die veralteten Netzteile als wahre Energiefresser: Damit bieten sie ebenfalls ein interessantes Einsparpotenzial.

Bevor einzelne IT-Komponenten im Hinblick auf eine höhere Energieeffizienz optimiert werden können, sollten die realen Energieverbräuche erfasst werden. Empfehlenswert sind dafür temporäre und periodische Stromverbrauchsmessungen in verschiedenen Betriebsmodi (Stand-By-, Idle-, Full-Power- und Sleep-Modus) für Server, Storage und Netzwerkkomponenten. Die gewonnenen Messdaten und deren Vergleich mit marktüblichen Kennzahlen geben schnell Aufschluss über den Effizienzgrad. Die Energieeffizienz einer IT-Infrastruktur lässt sich anschließend an verschiedenen Stellen regulieren. Am Anfang steht energiesparende Hardware, die mit modernen Mehrkernprozessoren eine automatisierte Abschaltung bestimmter Funktionen ermöglicht. Power-Management-Werkzeuge können Geräte zusätzlich automatisiert in beliebige Energiesparmodi versetzen. Langfristige Effizienzsteigerungen lassen sich durch ein Warenkorbmanagement für den gesamten Lebenszyklus von RZ-Komponenten unter Energiegesichtspunkten realisieren. Dazu gehört auch die Rücknahme, Entsorgung und Wiedervermarktung von Altgeräten.

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