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08.06.2011 Ariane Rüdiger*

Sieben Wege zum effizienten Data Center

Neue Servicemodelle wie Cloud Computing und der Druck, IT-Ressourcen effizienter zu nutzen, verändern das Rechenzentrum grundlegend.

„Netzwerke und Rechenzentren werden in einigen Jahren das Rückgrat der globalen gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Infrastruktur bilden“, prognostizierte Aaron Davis, Marketingchef beim Energiemanagement-Spezialisten Schneider Electric auf der Kongressmesse Datacenter 2011 in Nizza. Schon heute verursache die IT rund zwei Prozent des weltweit erzeugten Kohlendioxids; in einigen Jahren könnten es bis zu 20 Prozent sein. „Diese Verantwortung muss die Branche verstehen und ihr auch gerecht werden“, forderte der Manager.

Die Konsequenzen für das RZ heißen: Automatisierung, Globalisierung, Modularisierung und Ökologisierung. Zu den Gewinnern dieser Entwicklung gehören die Betreiber der großen Dienstleistungs-Rechenzentren, Verlierer sind oft die IT-Organisationen in Anwenderfirmen. Denn gerade kleine und mittlere Unternehmen, da waren sich zumindest in Nizza die meisten Experten einig, werden schon aus finanziellen Gründen mittelfristig den Verlockungen eines serviceorientierten IT-Modells, sprich Cloud Computing, nachgeben.

TREND 1: VON DER PRIVATE ZUR PUBLIC CLOUD „Private Clouds werden oft genug nur ein Übergang zur mindestens teilweisen Nutzung von Public-Cloud-Infrastrukturen sein“, erwartet Peter Edwards, Associate Director beim Beratungsunternehmen Arup. Das passt zu den Prognosen von IBMs Cheftechnologen Gunter Dueck: „Irgendwann werden die Controller anfangen, die Kosten des internen RZ mit denen von externen RZ-Dienstleistern zu vergleichen.“ Dieser Vergleich werde sehr häufig zu Ungunsten der internen Lösung ausgehen. Oder, wie es Fujitsu-CTO Joseph Reger vor BS2000-Kunden in Dresden formulierte: „Die IT verschwindet in den Anwendungen.“

IT-Manager müssten deshalb genau die Bedürfnisse des Kerngeschäfts verstehen und sich an ihnen orientieren, fordert Marion Howard-Healy, Senior Consultant beim Beratungsunternehmen Broad Group. Oft genug werde das in Zukunft eine Make-or-buy-Entscheidung und dann die Suche nach dem passenden RZ-Dienstleister bedeuten. Healy: „Dazu braucht man eher betriebswirtschaftliche Kenntnisse.“

Wichtiger als bisher wird die geografischen Lage eines Rechenzentrums: Sie entscheidet über Strom- und Kühlkosten, die Anbindung ans Stromnetz und die Verfügbarkeit von Personal. Einige RZ-Dienstleister versuchen angesichts günstiger Arbeitskräfte und niedrigen Stromtarifen beispielsweise in Ost- oder Zentraleuropa zu punkten. Andere achten neben finanziellen Aspekten auch auf ökologische Faktoren und die eigene Sicherheit. Sie verteilen ihre Data Center möglichst in unterschiedlichen Zeit- und Klimazonen mit günstigen Kühlbedingungen und kohlendioxidarmer Stromerzeugung – Nordeuropa ist ein Beispiel für einen solche Standort.

TREND 2: MODULARISIERUNG Ein weiterer wichtiger Trend im Data Center ist die Modularisierung: Infrastruktur soll im Idealfall nur dann implementiert und bezahlt werden, wenn sie wirklich jemand braucht. IT-Anwenderunternehmen können inzwischen aus einem breiten Angebot modularer RZ-Ansätze wählen. Colt stellte in Nizza beispielsweise fertig vorkonfigurierte Data-Center -Module in vier Größen zwischen 125 und 500 Quadratmeter vor. Jedes ist mit unterschiedlichen Redundanzniveaus und für unterschiedliche Stromlasten verfügbar und kann auch in fertigen Gebäuden montiert werden. Module unterschiedlicher Größe und Ausstattung lassen sich bedarfsgerecht zu Multi-Tier-Rechenzentren zusammensetzen. Die Stuttgarter M + W-Group plädiert sogar für ein Konzept, bei dem die Gebäudehülle erst der letzte, gegebenenfalls sogar verzichtbare Baustein des Rechenzentrums ist, ganz ähnlich auch das spanische Unternehmen AST Modular.

Gerade kommt von HP ein neuer „Eco-Pod“ auf den Markt, der einen PUE von 1,05 erreichen soll (PUE = Power Usage Effectiveness, Verhältnis der vom gesamten Rechenzentrum verbrauchten zu der von der IT verbrauchten Energie). Das HP-System besteht aus zwei 40-Fuß-Containern je einer Rechnerreihe, denen von außen Kaltluft zuströmt, und einem Zwischenelement, in dem sich der heiße Mittelgang befindet. Die Leistungsdichte soll 1,725 MW betragen, die Rackkapazität liegt bei 2200 Höheneinheiten, das sind bis 39 kW pro Rack. Weitere Beispiele für vorstrukturierte Lösungen sind Flexpod, eine Gemeinschaftsleistung von Cisco und Netapp oder Fujitsu/Microsofts Hyper-V-Lösung.

Aber auch Teilmodullösungen sind sinnvoll: Schneider Electric stellt mit EcoBreeze ein modulares RZ-Kühlsystem vor, das als primäres Kühlmedium Außenluft verwendet. Sie wird, wenn erforderlich, per Verdunstungskühlung auf niedrigere Temperatur gebracht. Die unterirdische Verrohrung wird vormontiert, die einzelnen Kühlmodule dann aufgestellt, wenn das Rechenzentrum sich allmählich füllt.

TREND 3: AUTOMATISIERUNG UND INTEGRATION Nach wie vor schreitet die Automatisierung im RZ fort und sorgt dafür, dass ein anderer Megatrend nur maßvoll Schaden anrichten kann: In den nächsten Jahren geht rund die Hälfte des geschulten RZ-Personals in Rente. Während Daten- und Kommunikationsvolumina ungebremst wachsen, müssen die anfallenden Aufgaben mit dem gleichen oder weniger Personal erledigt werden, da der Nachwuchs fehlt. Nach der Virtualisierung von Standard-Servern folgt nun auch die „Hybridisierung“ der Mainframes, also ihre Öffnung für Standardtechnologien, wie sie beispielsweise Fujitsu in den neueren BS2000-Modellen praktiziert und in der schon geplanten SE-Serie fortsetzen wird. Die Techniken sollen das BS2000-Betriebssystem, virtualisierte Gastsysteme unter v2000, aber auch Systeme unter anderen Hypervisoren mit Intel-Hardware und Peripherie in einem System integrieren. Dieses wird dann von einem Breitband-Backplane und einem einheitlichen Management zusammengehalten. Ganz ähnlich macht es IBM bei seinen zBX-Systemen: Sie integrieren in z-Series-Mainframes einfach Blades mit Intel-Architektur. Damit wird das Host-System auch für andere Workloads geöffnet. Ob dies neue Kunden für den Mainframe gewinnt oder nur die alten bei der Stange hält, bleibt abzuwarten.

Um das Arbeiten im RZ zu vereinfachen, gibt es neue Ideen: Das Stecken der zahlreichen Glasfaserverbindungen an Aggregations- Switches im RZ ist bisher sehr aufwändig und komplex. Hier soll ein neues System von Corning, LANScape Premium Edge, helfen. Die einzelnen Anschlüsse, in die Fasern eingebracht werden müssen, befinden sich auf einem beweglichen Träger, den man etwa zehn Zentimeter aus dem Chassis des Switch herausziehen kann. Dann liegen sie frei und lassen sich leicht bestücken. Corning spricht davon, dass sich durch die Methode der Zeitbedarf für diese Aufgabe um drei Viertel verringert.

Ein anderes Beispiel ist das Management der IT-Infrastrukturen und der RZ-Gebäude: Lange brauchte man nahezu für jeden einzelnen Systemtyp ein Programm, mit dem sich das entsprechende Gerät steuern lässt. Mittlerweile wachsen nicht nur die IT-Systeme im RZ managementtechnisch zusammen, sondern das Management der IT-Infrastruktur wird direkt gekoppelt mit dem der physikalischen Gebäude-Infrastruktur, also der Steuerung der Klima-, Kühl und anderer Systeme. Dies ist auch sinnvoll, denn so kann, wie das beispielsweise das RZ Marilyn in Paris tut, die Abwärme aus dem RZ genutzt werden, um angrenzende Büros zu heizen.

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