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18.01.2010 Wolfgang Herrmann*

Welche Trends das Data Center verändern

Das Rechenzentrum der Zukunft wird schneller und effizienter auf veränderte Geschäftsanforderungen reagieren.

Komplex, träge und teuer. Die IT im klassischen Rechenzentrum hat ein Imageproblem. Doch was in der Vergangenheit nur gelegentlich Anlass zur Kritik gab, ist für etliche IT-Abteilungen zur existenziellen Frage geworden. Können sie im Wettbewerb mit externen Dienstleistern nicht mithalten, werden sie gnadenlos ausgelagert. "Viele Rechenzentren sind heute so beschaffen, dass sie ein Hindernis für Flexibilität und Energieeffizienz darstellen - eine Folge des IT-Wildwuchses während der letzten beiden starken Wachstumsperioden", sagt Frank Bloch, Director Technology Consulting, bei HP Technology Services. Vor diesem Hintergrund sehe er bei vielen CIOs "den starken Willen, ihre Rechenzentren technisch und konzeptionell von Grund auf zu renovieren".

Allzu optimistisch sollte der HP-Manager aber angesichts der Budgetzwänge vieler IT-Chefs nicht sein. Realistischer scheint ein allmählicher Umbau, wie ihn viele Unternehmen bereits in Angriff genommen haben. Dabei zeichnen sich Trends ab, die die Data Center in den kommenden fünf bis zehn Jahren grundlegend verändern werden. Eine Schlüsseltechnik ist die Virtualisierung.

VIRTUALISIERUNG MACHT DAS RZ EFFIZIENTER "Virtualisierungstechniken sind die Grundlage für flexible und dynamische Rechenzentren", erläutert Ingolf Wittmann aus IBMs Systems & Technology Group. Eine durch Virtualisierung flexibilisierte Server-Infrastruktur könne sich dynamisch auf die benötigte Rechenleistung einstellen: "Die Anwendungslast wird dabei genau auf die Server konzentriert, die ausreichen, um den Service leistungsgerecht zu erbringen." Neben solchen Vorzügen ist für RZ-Verantwortliche aber vor allem der damit verbundene Effizienzgewinn ausschlaggebend, wie Andreas Zilch von der Experton Group ausführt: "Die Virtualisierung von Server, Storage und Netzwerken wird die Auslastung in den Rechenzentren deutlich steigern und langfristig auch einen verbesserten Betrieb und weitere Automatisierung ermöglichen." Die "moderne" Bezeichnung für dieses Phänomen sei die der "Private Cloud".

Schon jetzt haben Virtualisierungstechniken die IT verändert. In Skandinavien etwa nutzt nach IDC-Erhebungen bereits ein Drittel der Unternehmen Virtualisierung generell zum Einführen neuer Applikationen. Deutschland liegt mit einer Virtualisierungsrate von 48 Prozent der installierten Basis von x86-Servern an der Spitze der großen europäischen Länder. HP-Manager Bloch sieht noch weitere damit verbundene Vorteile. So ließen sich mit Hilfe von Virtualisierung IT-Services von den darunter liegenden Systemen entkoppeln: "Damit können Unternehmen in den Rechenzentren 'aufräumen' und vier großen Anforderungen gerecht werden: die Kosten des Rechenzentrumsbetriebs senken, Verfügbarkeit und Flexibilität verbessern und IT-Prozesse beschleunigen."

GRÜNE CPUS REICHEN NICHT MEHR Mehr Effizienz in den IT-Zentralen sollen auch grüne, sprich energiesparende Techniken bringen. Geht es um die Kernkomponenten von Server-, Storage- und Netzsystemen, hat die IT-Industrie hier erhebliche Fortschritte gemacht. Doch das wird nicht ausreichen, um die Energiekosten langfristig entscheidend zu drücken. Gefragt sei eine "ganzheitliche" Herangehensweise, sagt Joseph Reger, Chief Technology Officer bei Fujitsu Technology Solutions: "Die groben Schwachstellen der Vergangenheit - Prozessoreffizienz, Qualität der Netzteile etc. - haben wir in den letzten Jahren zum Teil dramatisch verbessern können. Jetzt müssen wir die Gesamteffizienz einschließlich Kühlung, Gebäude- und Verkehrstechnik und alle logistischen Prozesse anpacken."

Ähnlich argumentiert HP-Berater Bloch. "In Zukunft wird es die Trennung zwischen Gebäudeinfrastruktur und Rechenzentrums-IT nicht mehr geben. Intelligente Stromnetze, im Englischen mit Smart Grid bezeichnet, und die dazu passende Software ermöglichen ein konsolidiertes Energie-Management." Damit sei es beispielsweise möglich, automatisch auf einen Ausfall der Klimaanlage zu reagieren, indem die Leistung für nicht geschäftskritische Anwendungen und Server gedrosselt werde. Einen neuen Ansatz zur Steigerung der Energieeffizienz probiert Hewlett-Packard in einem Data Center im nordwestenglischen Wynyard aus. Die RZ-Betreiber leiten kühle Nordseeluft in das Gebäude und nutzen diese zur Klimatisierung. Nach Angaben von Bloch lässt sich damit der Stromverbrauch um 40 Prozent reduzieren - die Klimaaggregate würden nur 20 Stunden pro Jahr eingesetzt. Auch HPs Konkurrent IBM arbeitet intensiv daran, die Energieeffizienz im Data Center zu verbessern. So hat etwa die Schweizer IBM-Tochter in Rüschlikon gemeinsam mit der ETH Zürich eine Heißwasserkühlung entwickelt, die es ermöglicht, die Abwärme eines RZ zu nutzen und sogar als Handelsgut weiterzuverkaufen.

Wolfgang Schwab, Spezialist für Green IT bei der Experton Group, unterscheidet grundsätzlich in den "IT-Bereich" und den "Facility-Bereich". Vor allem Letzterer eröffne noch "extreme Einsparpotenziale", beispielsweise in der Klimatisierung, aber auch bei der Energierückgewinnung und im Bereich "Messen und Steuern". Die besten Ergebnisse könnten Unternehmen erreichen, wenn sie ein neues Data Center "auf der grünen Wiese" bauten. Das Designziel dabei sollte ein "modulares, dynamisches und effizientes Konzept" sein. Gemeinsam mit einem Anwenderunternehmen plant die Experton Group derzeit ein Rechenzentrum mit zirka 400 Quadratmetern und einem "Drei-Waben-Konzept". Dabei wird zunächst nur die erste Wabe infrastrukturell ausgebaut, weitere Flächen stehen für Erweiterungen zur Verfügung. Schwab: "Wir schaffen damit eine Facility, die für einen Lebenszyklus von mindestens 15 Jahren ausgelegt ist." Auch der Prozessorgigant Intel bastelt am energieeffizienten RZ. Unter dem Motto "Data Center 2020" hat der US-Konzern gemeinsam mit T-Systems ein Forschungsrechenzentrum in München eröffnet.

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